BVB-Fan Kevin vor der Partie bei Hannover: “ 96 ist für mich kein Abstiegskandidat.“

Das 96Freunde-Faninterview

Auch am Freitag werden wieder vieleBVB-Fans in Hannover sein. Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images.

Hannover – Am Samstag startet Hannover 96 in das erste Heimspiel der neuen Saison. Zu Gast ist die Borussia aus Dortmund. Vor der Partie haben wir mit BVB-Fan Kevin von schwatzgelb.de gesprochen und ihn gefragt, was er von der Begegnung und der Saison unter Lucien Favre erwartet.

Hier geht es zu Kevins YouTube-Video über das Westfalenstadion

Moin Kevin, vielen Dank, dass du als Interviewpartner zur Verfügung stehst. Erzähl unseren Lesern bitte zunächst kurz was von dir.

Hallo zusammen. Mein Name ist (leider) Kevin, ich bin 28 und BVB-Fan seit meiner Jugend. Die Spiele von Borussia schaue ich zumeist im Stadion. Im Schnitt dürften das so 30 von 34 Spielen in der Liga sein. Dazu dann noch die Pokalspiele, sowohl national als auch im Europapokal. Mit dem BVB habe ich also schon so einiges mitgemacht. Beruflich studiere ich noch und parallel dazu engagiere ich mich im Videodreh. Ein paar meiner Aufnahmen von Stadien aus NRW sind in der momentanen Ausstellung des Deutschen Fußball Museums in Dortmund zu finden. Auch für die Wanderausstellung „FanTastic.Females“ habe ich drei Videos beigesteuert.

Nach einer turbulenten Saison, die immerhin noch auf Platz Vier endete, habt Ihr den Trainer gewechselt. Was würdest du als Fazit über die Amtszeit Stöger sagen?

Ich bin Peter Stöger für sein Engagement sehr dankbar. Er hat den BVB in einer turbulenten Phase übernommen, wo es auf und neben dem Platz drunter und drüber ging. Stöger hat die Mannschaft größtenteils stabilisieren können und hat mit Ach und Krach das Saisonziel im Endspurt noch erreicht.  Dank freundlicher Mithilfe von Hannover 96. Ohne die beiden Tore gegen Leverkusen würden wir diese Saison wohl regelmäßig am Donnerstag spielen. Irgendwie hatte ich aber von Beginn an das Gefühl, dass es für eine längere Zeit in Dortmund bei Stöger nicht reichen wird. Dafür waren zu viele und zugleich zu große Baustellen vorhanden.

Mit Lucien Favre habt ihr einen Trainer verpflichtet, der als nicht ganz einfacher Charakter gilt. Was war dein erster Gedanke nach Bekanntgabe der Verpflichtung?

Lucien Favre hätte ich im Vorjahr schon gerne in Dortmund gesehen. In Deutschland hält sich ja – warum auch immer – die Prämisse, dass der Trainer deutsch sprechen soll. Unter diesem Gesichtspunkt waren meiner Meinung nach auch nicht viele andere Lösungen denkbar. Einen Hasenhüttl hättest du aufgrund seiner Vergangenheit in Dortmund nicht installiert bekommen. Da wäre dir das Umfeld im Dreieck gesprungen. Nagelsmann wollte anscheinend nicht zum BVB, sondern ein Dauer-Abo für Energydrinks. Dann wird es schon rar auf dem deutschsprachigen Trainermarkt. Ansonsten hast du nur noch die Möglichkeit, es den Blauen gleichzutun und einen fast unbekannten Trainer zu installieren. Hannes Wolf wäre noch eine Option gewesen. Gebürtig kommt er aus der Region und war sechs Jahre im Nachwuchsbereich des BVB tätig, ehe es ihn zum VfB Stuttgart zog. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir Wolf in den kommenden Jahren auf der Trainerbank im Westfalenstadion sehen werden.

Was ist die größte Aufgabe des neuen Übungsleiters? Mit Abdou Diallo (für 28 Mio EUR vom 1. FSV Mainz), Thomas Delaney (für 20 Mio EUR vom SV Werder Bremen) und natürlich Axel Witsel (für 20 Mio EUR von TJ Quanjian aus China), hat der BVB ordentlich investiert. Mir fehlt da aber noch ein Aubameyang oder Batshuayi-Nachfolger. Dir auch?

Ja, mir auch. Ich kenne niemanden, der dir da widersprechen würde. Der viel zitierte „Sturmtank“ fehlt uns vorne drin. Es wird Spiele geben, wo du diesen Spielertyp brauchen wirst. Allerdings weiß ich nicht, ob Lucien Favre so einen „richtigen Stürmer“ favorisiert. In Gladbach ist das Experiment mit Luuk de Jong ja rigoros gescheitert. Favre hat bei den Fohlen sowie bei Hertha BSC auf Raffael gesetzt der ein mitspielender, schneller und flinker Stürmer ist. Die größte Aufgabe von Favre ist es, aus dem Kader wieder eine Mannschaft zu formen. In der Vergangenheit haben sich viele Grüppchen gebildet, die ihr eigenes Ding durchgezogen haben. Das hat man auch auf dem Rasen gesehen.

Was war dran an den Gerüchten um Anthony Modeste?

Durch den kürzlichen Transfer von Paco Alcácer ist das Modeste-Gerücht wohl aus der Welt.

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Matthias Sammer wurde als externer Berater verpflichtet. Sein Jubel in Fürth sah aber ganz und gar nicht extern aus. Welche Rolle spielt er wirklich in Dortmund?

Diesen „Aufschrei“ um das mittlerweile fast weltbekannte Foto habe ich nicht verstanden. Dafür reicht meiner Meinung nach ein Blick auf die Vita des Matthias Sammer. Insgesamt war er neun Jahre in Dortmund. Fünf Jahre als Spieler – und das sehr erfolgreich: 2x Deutscher Meister, 1x Champions-League-Sieger und 1x Weltpokal-Sieger. Anschließend vier Jahre als Co- und Cheftrainer, gekrönt mit der Deutschen Meisterschaft. Vielleicht ist er auch einfach nur ein Fußball-Fan. Abgesehen davon: Auch den neutralsten Zuschauer wird ein Tor in der fünften Minute der Nachspielzeit nicht kalt lassen. Seine Rolle beim BVB empfinde ich als wichtig, wenngleich ich sein Aufgabengebiet nicht in ein Profil fassen könnte. Ich denke aber, dass ein externer Berater über eine Stabsstelle fast jedem Unternehmen der Welt (und das sind Fußballvereine heutzutage leider) und so gut wie jedem Betriebsablauf in diesem Unternehmen guttun kann. Das ist ähnlich wie mit einer schriftlichen Abgabe in der Uni: Du kannst deinen Text fünfmal selber lesen und keinen Fehler mehr finden – aber gibst du diesen Text einem deiner Freunde, wird ihnen bereits beim ersten Durchgang direkt ein Fehler auffallen. Und du fragst dich nur: Wie konnte ich das übersehen?

Matthias Sommer ist externer Berater beim BVB. Foto: Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images

In Fürth ist der BVB nur mit sehr viel Glück in die zweite Runde des DFB-Pokals eingezogen und auch gegen Leipzig hattet Ihr zu Beginn Probleme. Muss sich das Team erst noch finden?

Den Torjubel in Fürth beim Ausgleich werde ich so schnell nicht vergessen. Aber ja, das war sehr glücklich – und hat eindeutig aufgezeigt, dass Favre noch an so einigen Schrauben zu drehen hat. Um ein Tor zu erzielen, muss man schießen – und das hat die Mannschaft zu selten getan. Viele Bälle waren nicht genau genug oder mit dem richtigen Druck gespielt. Bis auf die Fehlpässe hat das Zusammenspiel für das erste Pflichtspiel ganz gut geklappt, finde ich. Allerdings fehlt die Feinjustierung. Auch gegen Leipzig hatten wir meines Erachtens nach Glück. Dieses Mal aber mit dem gesamten Spielverlauf. Durch das Eigentor zum 2:1 und das schnelle 3:1 (beide Tore nach Standards) boten sich in der Folge die Räume, die du mit einem Spielsystem ohne Stürmer brauchst. Ohne das Eigentor wäre das Spiel wesentlich offener geblieben. Da lege ich mich fest. Fußball ist manchmal ein groteskes Spiel. Das Ergebnis war jedenfalls deutlicher als der Spielverlauf.

Ist es vielleicht für Hannover 96 ein Vorteil so früh auf die Borussia zu treffen?

Das kann sowohl Vor- als auch Nachteil sein. Dadurch, dass die Abläufe beim BVB sich noch nicht richtig gefestigt haben, wird es für das gegnerische Trainerteam vermutlich in der Analyse auch etwas schwerer. Da aber noch nicht alle Spielzüge sitzen bietet sich für Hannover sicher die ein oder andere Kontermöglichkeit durch ungenaue Pässe. Das ist wiederum definitiv ein Vorteil für 96.

Was traust du deinem Team in dieser Saison zu?

Puh. Mit Saisonprognosen halte ich mich in der Regel zurück. Unter #Saisonspende habe ich 19,09€ für die direkte Champions League Qualifikation für die Neven Subotic Stiftung ausgelobt. Das muss mit diesem Kader drin sein – und zwar deutlich weniger wackelig als abgelaufene Saison. Darüber hinaus hoffe ich auf das Finale im DFB-Pokal. Und vielleicht kann die Mannschaft im Europapokal dieses Jahr sogar Nikosia besiegen.

Kommen wir zu 96. 6:0 im Pokal in Karlsruhe, 1:1 in Bremen. Wie stark ist Hannover?

Das 6:0 gegen Karlsruhe war schon eine Ansage. Gefolgt von einem Unentschieden bei Werder unterstreicht das die Form, die 96 zu Beginn der Saison besitzt. Entscheidend wird sein, wie gut Breitenreiter den Abgang von Salif Sané im Abwehrzentrum kompensiert bekommt. Im Mittelfeld sowie Sturm sehe ich Hannover sehr gut aufgestellt für die kommende Saison.

Wer sind in Deinen Augen die Schlüsselspieler der Breitenreiter-Elf?

Waldemar Anton, Pirmin Schwegler und Niclas Füllkrug. Auch Marvin Bakalorz würde ich hier nennen. Den kannst du so gut wie immer ins Spiel bringen und er funktioniert. Im Basketball wäre er für mich der entscheidende „sixth man“.

„Waldemar Anton ist einer der Schlüsselspieler.“ BVB-Fan Kevin über den neuen 96-Kapitän und U21-Nationalspieler. Foto: Srdjan Stevanovic/Bongarts/Getty Images

Siehst du 96 auch als Abstiegskandidat Nummer Eins?

Nein, gar nicht. Düsseldorf, Nürnberg, Freiburg und Mainz werden sich in der Tabelle unter 96 wiederfinden. Abstiegskandidat Nummer Eins ist für mich Eintracht Frankfurt. Der personelle Aderlass und die Doppelbelastung mit der Europa League haben schon den ein oder anderen überraschenden Europapokal-Teilnehmer dahingerafft. Das aktuellste Beispiel ist der 1. FC Köln.

Was für ein Spiel erwartest du am Freitag?

Ich hoffe ein weniger spektakuläres als vergangene Saison in Hannover (4:2 für 96). Ich denke, Breitenreiter wird der Mannschaft eine tiefstehende Grundordnung mit auf den Weg geben und auf Konter setzen. Der BVB ist mit der neu zusammengestellten Defensive noch nicht sattelfest. Gerade bei Kontern kann 96 die Borussia dann ordentlich durcheinander wirbeln.

Zum Schluss dein Ergebnistipp, bitte: Wie geht die Partie aus?

Tut mir leid, aber ich tippe ein 2:1 für den BVB.

Hier könnt ihr den 96-Freunde Vorbericht auf das Spiel lesen.

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