Angriffslust versus Transferfrust

Gestern stolzierte der bei Hannover 96 irgendwie heiß gehandelte Felix Klaus aus dem Medizincheck bei Fortuna Düsseldorf. Erst am Wochenende begrub man den Bagger um Darmstadt-Torjäger Serdar Dursun. Währenddessen drehte Trainingsgast und Kocak-Favorit Ekici weiter seine Runden über die MKA-Anlage, vertragslos und seit gestern wieder auf Abwegen. Und John Guidetti wird wohl weiterhin vergeblich auf einen Anruf aus Hannover warten…

Ein Gastartikel von Steven Gläser

Was da nun letztendlich wirklich entscheidend war, ob klamme Transferkasse, Presse-Ente, oder einfach fehlende Lust von Martin Kind, ist dann im Grunde auch egal. Ergebnis ist ein sich immer weiter anstauender Frust bei den Fans, wie auch beim Trainer, der sich nach der Transfer-Ernüchterung im Sommer bereits erneut „für alles gewappnet“ sieht. Zuversicht klingt anders…

Eine Rückkehr an die Leine ist vom Tisch. Hat 96 sich erneut ein Bein gestellt?

Das alles erinnert mich stark an meine Zeit vor 2015, als ich in Berlin als Filialleiter im Einzelhandel arbeitete. Die Geschäftsführer führten sich haargenau wie unsere graue Eminenz vom Kokenhof auf. Selber extrem unreflektiert und ohne Selbstkritik. Da wurden Entscheidungen fahrlässig verschleppt, nach außen hin „volle Handlungsfähigkeit“ gespielt, aber nicht die richtigen Knöpfe gedrückt, um langfristig konkurrenzfähig zu handeln. Oder überhaupt mal Knöpfe gedrückt. Alles immer nur extrem kurzsichtig, oft mit wahnwitzigen Fehlentscheidungen, die das Unternehmen viel Geld gekostet haben…

Auch immer mit einem starken Misstrauen aus einer gehobenen Position heraus den Angestellten gegenüber, obwohl eine fachliche Expertise fehlte. Die eingereichten Einkaufsvorschläge im Vorfeld der Saison kommen mir sehr bekannt vor. Und auch das plötzliche Verschwinden selbiger in einer Schublade der Geschäftsführung. Wenn Du dann zum Saisonstart eben ohne die erhofften Verstärkungen/Ware im Laden beziehungsweise auf dem Platz stehst, gleichzeitig aber den „heißen neuen Scheiß“ gleich nebenan bei der Konkurrenz siehst, die scheinbar das Spiel verstanden hat, dann steigt auch der eigene Frust. Kommt dann noch dazu, dass der Trainer, Manager oder Filialleiter aufgrund dieser Versäumnisse in die Kritik gerät, ist ein Bruch mit dem Chef quasi vorprogrammiert.

Hoffen wir für Kocak und Zuber, dass noch die erhofften Verstärkungen geholt werden, noch hat 96 zwei Wochen Zeit. Der Markt sei derzeit entspannt, hatte Martin Kind noch selbstsicher getrommelt. Derweil rüstet die direkte Konkurrenz bereits punktgenau nach und spielt sich warm, nur in Hannover wird mal wieder eine Entscheidung verpennt. Ein Scheitern der neu entflammten Angriffslust würde sich aber keiner der mir bekannten Geschäftsführer selber ankreiden…

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