Als Müller dem 96-Stürmer Heynckes einen Fausthieb verpasste: Sehen die Bayern gegen Hannover 96 wieder Rot?

Dass die Statistik der direkten Bundesliga-Duelle zwischen Hannover 96 und dem FC Bayern für den Rekordmeister spricht, ist keine Überraschung. Da muss man andere Parameter ansetzen, die mehr Hoffnung machen. Beispielsweise Spiele im Dezember. Zum dritten Mal in ihrer Geschichte sind die Bayern im Advent zu Gast in Hannover. In dieser Statistik steht es 1:1 – ein Ergebnis, das am Samstag (Anpfiff ist um 15.30 Uhr in der HDI Arena) sicher ein akzeptables Resultat aus 96-Sicht wäre.

 

Vor drei Jahren gewann der FCB schmucklos mit 1:0, das Tor erzielte Thomas Müller per Elfmeter. Mit dem gleichen Ergebnis behielt Hannover 96 am 7. Dezember 1968 die Oberhand. Diese Begegnung ist damit ziemlich genau 50 Jahre her – und sorgt damit für ein Jubiläum, das heute wohl kaum jemand kennt. Im Mittelpunkt stand nämlich ein anderer Müller.

 

Torjäger, Bomber der Nation, „kleines dickes Müller“ – über Gerd Müller ist im Laufe seiner einzigartigen Karriere viel geschrieben und geredet worden. Seine persönlichen Bilanzen in der Nationalmannschaft (62 Spiele, 68 Tore) und in der Bundesliga (427 Partien, 365 Treffer) gehören zum Standardwissen. Müller kassierte aber während seiner langen Laufbahn in allen Wettbewerben nur einen einzigen Platzverweis – an jenem 7. Dezember im damaligen Niedersachenstadion.

 

Müller streckte seinen Nationalmannschaftskollegen und späteren Mit-Weltmeister Jupp Heynckes in der 53. Minute mit einem Fausthieb ans Kinn nieder. Offenbar war der Stürmer noch gefrustet vom 96-Führungstor von Hans Siemensmeyer wenige Minuten zuvor. Schiedsrichter Wilfried Hilker schickte Müller vom Platz – damals per eindeutiger Handbewegung, die rote Karte war noch nicht eingeführt. Trainer der siegreichen Hannoveraner war übrigens Zlatko „Cik“ Cajkovski, der erst ein halbes Jahr zuvor von der Isar an die Leine gewechselt war. Cajkovski hatte Müller den Spitznamen vom kleinen und dicken Menschen verpasst.

 

Die Folge der Unbeherrschtheit des zu diesem Zeitpunkt 23 Jahre alten Müllers: Der DFB verzichtete für die anstehende Winter-Reise der Nationalmannschaft nach Südamerika auf die deutsche Sturmhoffnung, was Hilker sogar Drohungen per Brief einbrachte. Zudem wurde Gerd Müller für acht Bundesligaspiele gesperrt. Am Ende der Saison gab es für alle Beteiligten ein Happy End: Der FC Bayern wurde erstmals deutscher Meister, Müller mit 30 Treffern Torschützenkönig. Sein Ausraster von Hannover schadete auch nicht seiner folgenden Weltkarriere.

 

Hannover 96 belegte damals übrigens im Frühsommer 1969 den 11. Rang. Aus heutiger Sicht ist das eine Platzierung, die man 50 Jahre später nach Abschluss der aktuellen Saison sofort akzeptieren würde.

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