Wohin geht die Reise bei Hannover 96? Die 96Freunde-Saisonprognose

Mit dem Saisonstart von Hannover 96 können die Fans zufrieden sein. Foto: Thomas Niedermueller/Bongarts/Getty Images.

Hannover – Am Samstag ist es endlich soweit. Die Fußball Bundesliga geht in eine neue Saison. Es ist also Zeit für die 96Freunde-Saisonprognose. Wohin wird die Reise von den „Roten“ gehen? Dieser Frage gehen wir mit Hilfe von Twitter-Nutzern auf den Grund.

Transferpolitik

Auf dem Transfermarkt wird dieser Tage ein Rekord nach dem anderen gebrochen. Vereine geben derzeit so viel Geld für Spielertransfers aus wie noch nie. Automatisch wird eine Transaktion unter Kosten-Nutzen-Aspekten einer Bewertung unterzogen. Das geschieht bereits in unserem Unterbewusstsein. Der Spieler Genki Haraguchi wechselte in diesem Sommer für 4,5 Millionen Euro von Hertha BSC Berlin in die Messestadt. Einige in der 96-Twitter-Timeline waren sich schnell darüber einig, dass es sich hierbei nicht um die Verstärkung handelt, mit der man den „deutlichen Qualitätssprung“ erwarten könnte. Geholt wurde der Spieler für den nach Wolfsburg abgewanderten Felix Klaus, der sich in der vergangenen Saison in viele Herzen spielen konnte. Ein statischer Vergleich der Spieler deckt einen interessanten Aspekt auf.

Ein Datenerfassungsprogramm hat die statistischen Werte nach dem Expected Goals – Prinzip aufgeführt. Jedoch nur für die jeweils höchste Spielklasse in Europas Top-Nationen. Wie nun jeder weiß, war Genki Haraguchi das letzte halbe Jahr an Fortuna Düsseldorf ausgeliehen und schaffte mit ihnen den Aufstieg. In dieser Spielzeit wurde also nur die Hälfte der Spiele des Japaners statistisch festgehalten. Dennoch ging von Haraguchi statistisch insbesondere in puncto Assists mehr Gefahr aus als von seinem Vorgänger. An diesem Beispiel wird deutlich, dass eine Beurteilung nach Bauchgefühl nicht immer richtig ist. Relativ einfach zu erkennen ist jedoch, welche Richtung der Fußball bei 96 in der nächsten Saison einschlagen wird. Er wird grundsätzlich offensiver sein.

Klartext der Twitter-Gemeinde

Wir haben mit einigen Twitter-Usern und Mitgliedern des 96Freunde.de-Teams über ihre Sasionprognose der neuen Spielzeit gesprochen.

Der User @1896ProdHD nimmt vor allem direkt auf die Transfers Bezug:

Durch die Abgänge von Publikumsliebling Salif Sané, aber auch Manuel Schmiedebach, Martin Harnik, Jonathas und Kenan Karaman, haben wir vor allem spielerische Qualität verloren, welche wir durch die Neuzugänge (wobei ich mich sehr auf Haraguchi freue) in der Form nicht ersetzen konnten oder wollten. Statt kompliziert einzubindener Spielertypen haben wir nun vor allem Offensivpersonal, welches für unsere Idee von schnellen und direkten Angriffsmustern bei gleichzeitiger Risikominimierung im Falle eines Ballverlustes passt.

@Fussballleben96 sieht insbesondere bei unserem Cheftrainer den Schlüssel zum Erfolg:

Im letzten Jahr wurden einige „Experten“ von 96 eines Besseren belehrt – doch auch dieses Jahr? Ich hoffe es. Und ich bin davon überzeugt. Das hat auch mit unserem Trainer Andre Breitenreiter zu tun. War ich ihm am Anfang noch sehr skeptisch gegenüber, bin ich inzwischen wirklich froh, dass wir ihn haben. Er zeichnet sich vor allem durch taktische Flexibilität und hervorragendes Ingame-Coaching aus – und hat bewiesen, dass er selbst gegen fachlich herausragende Trainer wie Tedesco oder Hasenhüttl Lösungen parat hat.

Auch dem User @96HSV1896 ist  die schwere der Aufgabe von unserem Coach klar. Dennoch sieht er in ihm den Trainer, der uns wieder von schönen Festtagen in der Arena träumen lässt:

Uns sollte allen klar sein, dass 96 vor einer schweren Saison steht. Am Ende sollte es zu Platz 12-14 reichen. Vor allem, weil wir mit Breitenreiter einen Trainer haben, der uns auf die Gegner variabel einstellen kann. Probleme sollten die Teams bekommen, die zu wenig Wert auf Ballbesitz-Fußball legen. Kurz: Düsseldorf, Berlin, Frankfurt und Freiburg lassen wir hinter uns. Langfristig müssen endlich Rahmenbedingungen geschaffen werden, sodass wir uns wirtschaftlich stabilisieren können. Nur dann reden wir in 4-5 Jahren nicht mehr über den Abstiegskampf, sondern fahren nach Poltava oder Kopenhagen. Breitenreiter spielt dort eine wichtige Rolle, da er kein „Ja-Sager“ ist, sondern die Probleme offen und kritisch anspricht. Meiner Ansicht nach hat der Trainer nicht nur Spieler in Hannover weiterentwickelt, denen ich persönlich und auch viele andere in Hannover es nicht zugetraut hätten, sondern sich ebenfallls stark entwickelt. Da ich bekanntermaßen noch nie ein großer Fan unseres derzeitigen Cheftrainers war und bin, kann ich dem inhaltlich zwar zustimmen, denke aber nicht, dass es mit ihm tabellarisch und auch von der nächsten Weiterentwicklung her ernstzunehmend große Sprünge möglich sind. Mir persönlich fehlt so ein wenig die letzte außergewöhnliche und spektakuläre Note in seinem Handeln als Trainer. Ich hoffe sehr, dass er mich eines besseren belehrt und wir ihn noch ein wenig auf der Trainerbank sitzen sehen. Denn menschlich scheint er hier super reinzupassen. Vielleicht auch schon zu gut.

Podcast-Moderator (Hannoverliebt) und 96Freunde-Autor @runnertobi, fasst sehr gut zusammen, wie kompliziert so eine Prognose bei näherer Betrachtung sein kann:

Für mich ist eine Prognose in dieser Saison noch schwieriger als in der vergangenen Saison. Aktuell bin ich zwischen „Tolle Neuverpflichtungen – das reicht locker“ und „Viel zu dünner Kader ohne Topstars“ hin und hergerissen. Mit Wimmer, Walace, Haraguchi und Asano haben wir Spieler verpflichtet, denen ich eine herausragende Saison zutraue – dazu haben wir mit Maina, NJSB und auch Weydandt junge Spieler mit großem Potential. Auf der anderen Seite sind wir sehr stark davon abhängig, dass Füllkrug und Anton im Vergleich zur Vorsaison nicht abfallen in ihrer Leistung. Ich gebe dem Trainer uneingeschränkt recht, wenn er von einer zu dünnen Personaldecke spricht. Eine kleine Verletzungsmisere kann uns komplett aus der Bahn werfen. Bleibt die aus und Trainer Breitenreiter hat wieder so gute Ideen wie in der ersten Saison nach dem Aufstieg, ist ein einstelliger Tabellenplatz drin. Hat man erst kein Glück und kommt dann noch Pech dazu, kann ich mir auch vorstellen, dass der zweite Abstieg innerhalb von drei Jahren droht.

Auch die 96-Freunde Redaktion musste mal ran und in kurzen Sätzen erklären, wo 96 nächste Saison landet.

Henrik sieht keine größeren Probleme auf Hannover zukommen:

96 wird die Saison keine Probleme haben. Zwar war Hannover auf dem Transfermarkt nicht all zu aktiv, dafür sind die Neuzugänge strategisch sehr gut ausgewählt. Mit Walace hat Hannover im defensiven Mittelfeld einen weiteren „Abräumer“ verpflichtet. Im Zusammenspiel mit Schwegler wird er die gegnerischen Offensivreihen vor mächtige Probleme stellen. Vor allem der Transfer von Wallace könnte meiner Einschätzung nach für uns einen sehr sehr gewinnbringenden Faktor haben. Er ist mit seiner Ausstrahlung und Übersicht ein Typ, den wir so auch noch nicht hatten und uns im Puzzle gefehlt hat. Um die Offensive mache ich mir überhaupt gar keine Gedanken. Das Festhalten an Füllkrug war genau die richtige Entscheidung, ich traue ihm zu, dass er die Ausbeute aus der letzten Saison noch einmal topt. Auf den Außenbahn werden Bebou und Asano bzw. Haraguchi für mächtig Wirbel sorgen. Am interessantesten wird die Entwicklung in der Abwehr sein. Der Abgang von Sané hat sicherlich Spuren hinterlassen und in den ersten Spielen ist die Innenverteidigung eventuell noch etwas unsortiert. Ich denke aber, dass sich Kevin Wimmer schnell etablieren wird und der Abwehr die nötige Stabilität verleiht. Meine Prognose: Platz 10.

Taktikfuchs Tim Block sieht die kommende Spielzeit so:

Ich habe mir persönlich immer die Frage gestellt, wie es nach der vergangenen Saison wohl sportlich weitergeht. Wie unser Klubboss schon vollkommen richtig sagte: „Stagnation ist Rückschritt“. Ich war mir sicher, dass wir in der nächsten Saison mit der Viererkette spielen würden, weil mit dieser Grundausrichtung letzte Saison die meisten Tore erzielten. Dazu kommt, dass die Spielertypen, die uns verlassen haben, mehr kompliziert einzubinden sind, als jene, die sie nun ersetzten. Kevin Wimmer beispielsweise ist ein spielstarker und aufbaustarker Innnenverteidiger, der in England viel gelernt hat. Mit Waldemar Anton an seiner Seite kann sich das schon sehen lassen. Pirmin Schwegler hat mit Walace einen Typen dazukommen, der uns letzte Spielzeit fehlte. Ein Sechser, der das Duell um den zweiten Ball (und davon gibt es in der Bundesliga jede Menge) oft für sich entscheiden kann, weil er gedankenschnell ist und seinen Körper gut einsetzen kann. Dem Offensivgedanken wollte man ebenfalls Rechnung tragen und verpflichtete Spieler mit hoher Dynamik und Schnelligkeit. Linton Maina und Hendrik Weydandt sind zwei absolute Hoffnungsträger dieser Spielzeit. Der hochtalentierte Maina kann es bereits in dieser Saison schaffen, sich in unsere Herzen und auf die Merkzettel der internationalen Topklubs zu spielen. Der ehemalige Kreisligaspieler Weydandt hat das Potential zum Publikumsliebling bereits jetzt bestätigt. Es bleibt abzuwarten welche Entwicklung der 1,95 Meter Hühne nehmen kann. Besonders freue ich mich aber schon auf das erste Luftduell zwischen ihm und Niklas Moisander von Werder Bremen, der satte 15 cm kleiner ist als Henne. Das könnte lustig werden. Der Gedanke des schnellen Umschaltspiels, gepaart mit taktischer Flexibilität, könnte eine erfolgsbringende Mischung darstellen. Es muss sehr viel Gutes zusammenkommen, aber ich traue der Truppe durchaus zu, am Ende auf dem neunten Platz die Saison zu beenden. Es gibt mit Hertha, Gladbach, Frankfurt, Hoffenheim und Leipzig  fünf Mannschaften die letzte Saison über uns standen, aber diese Saison Probleme bekommen werden. Gladbach und insbesondere Frankfurt vermitteln mir das Gefühl, dass sie früh einen Trainerwechsel vornehmen werden, der mit sportlicher Talfahrt einhergehen wird. Auch Hertha wird sportlich Probleme haben. Vor allem auch schon deshalb, weil die alte Dame letze Saison bereits furchtbaren Fußball spielte. Leipzig und Hoffenheim sind zwar gut aufgestellt und individuell mit hoher Qualität versehen, jedoch in der Doppelbelastung nicht erfahren genug. Ich hoffe auf eine tolle Saison und auf viel tolle Stimmung. Schön, dass die Jungs und Mädels aus N16/17 wieder dabei sind.“

Wie bereits in er vergangenen Saison schätzten die Experten unsere Roten als zu schwach für das Oberhaus ein. Hannover 96 belehrte sie im letzten Jahr eines besseren und Chefredakteur Dennis Draber freut sich darüber sogar richtig. Er traut der Elf von der Leine eine erneut ruhige Saison zu.

Ich freue mich sogar darüber, dass Hannover 96 wieder von einigen selbsternannten Experten als „Abstiegskandidat Nummer 1“ bezeichnet wird. Denn so ist der Erwartungsdruck an Breitenreiters Team auch in der traditionell schwierigen zweiten Bundesligasaison gering. Hannover 96 hat in der neuen Saison endlich mehr taktische Optionen im Mittelfeld. Vor allem im zentralen Mittelfeld wird es jetzt endlich, neben Schwegler, einen zweiten Motor geben – mit Walace und Asano hat Horst Heldt hier zwei Spieler verpflichtet, die viel mehr Druck auf den Gegner aufbauen können als Fossum oder Bakalorz. Dass Wimmer den zweikampfstarken Sané direkt gleichwertig ersetzen wird, halte ich für  unrealistisch – aber mir würde es bereits reichen, wenn die Innenverteidigung Wimmer/Anton gesund bleibt und konstant solide Leistungen abruft. Meine Prognose: Hannover 96 macht am vorletzten Spieltag den Klassenerhalt klar und landet am Ende auf Platz 12.

96Freunde-Chefredakteur Tobias Krause geht sogar noch einen Schritt weiter:

„Top 6 nach 6 muss das erklärte Minimalziel sein. Und danach läuft die Saison wie von selbst. Das haben wir 2010 ja schon einmal erlebt. Auch vor der Saison war 96 der Abstiegskandidat Nummer 1. Mit dem Gang in die zweite Liga werden sich ganz andere Mannschaften beschäftigen müssen. Hier sehe ich besonders die Frankfurter Eintracht in Gefahr. Vor allem, weil niemand dort mit einem Absturz rechnet. Es könnte am Main so kommen wie letzte Saison beim 1. FC Köln. Am Ende wird 96 an die Tür zu Europa anklopfen und auf einem guten siebten Platz einlaufen.

Wie auch immer die Saison verlaufen wird: Wir freuen uns jedenfalls auf den Punktspielstart am Samstag in Bremen.

 

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