„Wir brauchen noch Zeit“ -Hannover 96 verliert den ersten Test gegen Paderborn

96-Trainer Kenan Kocak muss Stehle aus der Schussbahn nehmen - ein behutsamer Aufbau wäre eine Win-Win-Situation

Im neuen Jahrzehnt soll vieles besser werden. So in etwa dürfte der Slogan von Hannover 96 sein. Beginnen tut das Jahr mit einem „Bundesliga-Wochenende“, auf das heutige Spiel gegen den SC Paderborn folgt die Partie gegen Werder Bremen (Sonntag, 13:00 Uhr). Auch wenn Testspiele prinzipiell keinen all zu hohen Stellenwert einnehmen sollten, Ziel für den Zweitligisten waren logischerweise zwei Siege. Für die Gäste aus Paderborn war es derweil der letzte Härtetest vor dem Rückrundenstart.

Trainer Kocak musste die Kräfte bezüglich des morgigen Tests gegen Bremen möglichst gut aufteilen, schließlich will er „jedem Spieler 90 Minuten schenken“. Die Roten begannen das Spiel mit einigen Stammkräften der Hinrunde, mit den Mittelfeldspieler Mick Gruda (aus der U19) und Tim Walbrecht durften sich aber auch zwei Spieler aus der Jugend ausprobieren.

Die Startaufstellung von Hannover 96:

                            Zieler 

Jung       Felipe      Elez     Ostrzolek

            Walbrecht      Bakalorz

        Muslija     Gudra     Hansson

                           Ducksch      

In der Anfangsphase der Partie wirkten beide Teams nicht wirklich eingespielt, die Passquoten auf beiden Seiten lagen phasenweise bei unter 65 Prozent. Die meisten Aktionen der Hannoveraner blieben im Mittelfeld stecken, auch die Fehler im Paderborner-Aufbauspiel konnte man nicht ausnutzen. Nach knapp zehn Minuten übernahmen dann die Ostwestfalen mehr und mehr die Kontrolle und setzten Hannover ordentlich zu. Bester Mann in den folgenden zehn Minuten war Ron-Robert Zieler, welcher gleich viermal zupacken musste. Die im Fokus stehende Abwehr machte ihre Arbeit derweil souverän, die physischen Vorteile von Felipe (193 cm, 90 kg) und Elez (189 cm, 89 kg) zahlten sich aus. Im eigenen Strafraum gewann das Team zunehmend an Sicherheit und auch die anfangs fehlende Abstimmungen wurde mit zunehmender Spieldauer besser.

Bezüglich der eigenen Offensivleistung dauerte es bis zur 20. Minute, ehe man eine erste Notiz verzeichnen konnte. Youngstar Gudra setzte mit seinem Schuss aus knapp zwanzig Metern, welcher jedoch locker pariert werden konnte, zumindest ein erstes, kleines Achtungszeichen. Die Signalwirkung war nicht zu verkennen, im Anschluss an diese Situation trauten sich die Niedersachsen häufiger nach vorne. Überraschend waren die Kombinationen über links: Das Duo Ostrzolek/Hansson harmonierte ungewohnt gut, etwas zählbares konnte jedoch nicht kreiert werden. Das Problem der Hinrunde war also auch hier zu erkennen: Die Hannoveraner beginnen das Spiel mit zu wenig Selbstvertrauen und müssen es sich erst mühselig erarbeiten. In der Hinrunde kassierte man einige Gegentore innerhalb der ersten zwanzig Minuten, an der mentalen Stärke muss man vor dem Rückrundenstart noch arbeiten.

 

Paderborn geht in Führung….

Etwas aus dem Nichts fiel dann die Führung der Gäste. In der 33. Minute wurde dem SCP ein Freistoß in Nähe des Strafraums zugesprochen, Kröger verwandelte diesen raffiniert. Die Mauer machte nicht den besten Eindruck, denn der Paderborner konnte einen Vollspannschuss unter der Mauer hinweg ins Netz zirkeln. Zieler war chancenlos. Danach rückte erneut der Mentalitätsfaktor in den Vordergrund. Wenn man sich beispielsweise an das Spiel in Heidenheim erinnert, weiß man, dass 96 in der Hinrunde den Kopf sehr schnell in den Sand steckte. Dieses Bild wurde in der Schlussviertelstunde bestätigt. Der zwischenzeitliche Zug zum gegnerischen Tor verpuffte komplett und die Niedersachsen egelten sich hinten ein. Paderborn wurde das Spielgeschehen mehr oder weniger geschenkt, der 0:1-Rückstand zur Halbzeit war im Endeffekt noch glücklich.

 

Der zweite Abschnitt begann ähnlich wie der erste, allerdings verteidigte Hannover 96 nun deutlich höher. Das damit einhergehende frühere Pressing machte sich auch im Umschaltspiel bemerkbar, nach Ballgewinnen ging es deutlich schnelle und schnörkelloser nach vorne. Für die erste Großchance im zweite Durchgang sorgte Marvin Bakalorz, welcher in der 50. Minute frei im gegnerischen Sechzehner auftauchte. Er pflückte das hohe Anspiel geschickte herunter, der Abschluss konnte jedoch geblockt werden. Die Halbzeitansprache von Kocak scheint deutlich gewesen zu sein, denn die Ambitionen der Roten waren unverkennbar. Beide Teams spielten nun mit heruntergeklappten Visieren und für den neutralen Fan wurde das Geschehen immer attraktiver. Angesichts dessen erarbeiteten sich natürlich auch die Paderborner einige Torraumszenen, Zieler machte am heutigen Tag jedoch einen guten Eindruck und spielte sich zum Man of the Match.

Auch der bis dato sehr blass gebliebene Ducksch konnte im zweiten Abschnitt aufdrehen, in der ersten Viertelstunde konnte er gleich vier Abschlüsse verzeichnen. Sein Aufstreben hing jedoch mit einer taktischen Umstellung zusammen, denn Gudra bildete nun die zweite Sturmzentrale. Das Bild aus der Hinrunde, dass Hannover 96 mit einer Doppelspitze effektiver ist, wurde also ebenfalls bestätigt. Die Drangphase von Ducksch war jedoch nur von kurzer Dauer, dafür drängelte sich Gudra immer mehr in die Köpfe des Trainerstabs. Der 19-Jährige durchwirbelte die Hintermannschaft der Paderborner recht ordentlich und war stets bemüht. Er könnte sich zu einer echten Alternative für die Rückrunde entwickeln. Trotz all dieser Bemühungen traf Hendrik Weydandt den Nagel auf den Kopf.

 „Es ist das erste Spiel des neuen Jahres. Die Dinge laufen noch nicht so, wie wir uns das vorstellen. Wir müssen im letzten Drittel den entscheidenden Pass spiel, so bringen wir uns um viele Chancen“

Bis zum Abpfiff geschah dann nicht mehr viel, das Positive aus Hannover-Sicht: Man konnte die Offensive des Gegners gut in Schach halten! Insbesondere Zieler und Felipe zeigten eine starke Leistung. Der Brasilianer gab in der Hintermannschaft den Takt an, agierte ruhig und erlaubte sich keinen Schnitzer. Mit solchen Leistungen könnte er der neue, alte Führungsspieler in der Hintermannschaft werden.

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