Vor dem wichtigen Jahresendspurt: Das kann 96 aus dem Hertha-Spiel lernen

Abräumer Fabian Kunze hat eine steile Entwicklung genommen und ist unser Akteur der Hinrunde!

Was für ein wilder Abend, aber na klar, es war ja Black Friday! Von Norden her drückten Nässe, Schnee und Kälte in die Stadt, und von Osten rollte die Hertha mit circa 7000 reiselustigen Berlinern an. Beides eher ungemütlich für unsere Roten an diesem Abend…

Es fing schon besorgniserregend an, als die Platzwahl gegen uns fiel und wir zuerst und ungewohnt auf unsere Nordkurve spielen mussten.
Im Mannschaftskoffer hatten die Hauptstädter überdies die Idee mitgebracht, uns möglichst intensiv zu pressen. Eigentlich eher eine unserer Kernkompetenzen. Doch Pal Dardai hat scheinbar inzwischen seine Lektionen in der 2. Liga gelernt und weiß, wie man den Gegner stressen kann. Dazu ließ er die Räume unglaublich eng stellen und sofort die ballführenden Roten attackieren. Mit dem Ergebnis, dass Hannover im eigenen Stadion aufgrund fehlender Anspielstationen mächtig ins Schwimmen kam und haarsträubende Ballaktionen rund um den eigenen 16er fabrizierte.

27 abgefangene 96-Bälle sind schon beachtlich, und die Hertha nutzte das geklaute Spielgerät, um circa 37 Minuten lang in Hälfte eins schnell und gefährlich vor unser Tor zu kommen. Der momentan wahrscheinlich beste Linksaußen der Liga, Fabian Reese, speed-dribbelte seinen beiden Kieler Ex-Kollegen Phil Neumann und Jannik Dehm immer wieder Knoten in die Beine. An selber Stelle, an der er im letzten Spiel vor der Sommerpause noch mit Kiel quasi im Alleingang Hannover nass machte (1 Tor, 3 Vorlagen), setzte er sich in der 29. Minute (mal wieder) gegen den überforderten Jannik Dehm durch, flankte und durfte die Führung durch einen Volleyschuß von Florian Niederlechner bejubeln.
Das 0:2 kurz vor der Pause wurde eine Kopie, Torschütze diesmal der junge Pascal Klemens.

Reeses Gegenspieler Jannik Dehm fand an diesem nass-trüben Abend keine gute Balance aus defensiver Absicherung und hochschiebenden Außenbahnläufen. Auf dem umgepflügten Rasen hätte vielleicht auch mal eine dreckig gesetzte Grätsche gegen Kollege Reese gut getan. Denn genau mit diesen Mitteln nahm uns auch die Hertha in der ersten Halbzeit die Lust am Spielversuch.
Auch Enzo Leopold lief ohne entscheidenden Zugriff über den Platz. Er lieferte diverse Fehlpässe und Ballverluste, und raubte damit unserem Zentrum die Souveränität, die uns zuvor so stark gemacht hatte. Ohne ihn als Ankerspieler zur Offensiv-Reihe fehlte ein entscheidendes Puzzleteile für unseren Erfolg der letzten Wochen. Und auch Fabi Kunze an seiner Seite tauchte dadurch weitestgehend ab.

Man muss dazu aber sagen, dass genannte Spieler zu den am stärksten gepressten und attackierten Akteuren gehörten. Da lief die Alte Dame unsere Spielmacher teilweise sofort mit zwei Leuten an, um einen kontrollierten Aufbau zu unterbinden. Kunze, Leopold, Schaub, Nielsen, Köhn… Hier standen uns die Berliner schnell und intensiv auf den Puschen. Die vielen Bälle, die Ron-Robert Zieler dann nach Rückpässen lang hinten raus holzen mußte, landeten meistens bei der Hertha, deren Plan damit wunderbar aufging. Nur mit der Langholz-Variante kam überhaupt kein Drive ins letzte Drittel zustande. Ausnahme war da nur das gut gemachte Abseitstor von Derrick Köhn in der 20. Minute. Ansonsten zog der Big City Club unserem Vertikal-Spiel, also dem Überspielen der einzelnen Verteidigungslinien, komplett den Stecker.

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Hannovers Hintermannschaft wurde im ersten Durchgang deutlich zu einfach hinterlaufen.

Doch Hertha macht 2023 zum Glück auch typische Hertha-Sachen. Dies betonten vorab schon einige alte Kumpels von mir, zu denen ich aus meiner alten Berliner Zeit noch Kontakt pflege. Nicht nur 96 kann zwei völlig unterschiedliche Gesichter innerhalb eines Spiels zeigen, nein, auch die Männer von der Spree verfielen nach der Halbzeit in einen unerklärlichen Selbstverwaltungsmodus. Hannover wurde nun deutlich wacher, probierte mehr und kam wie eine Maschine in Fahrt.

An dieser Stelle ist die Konsequenz von Trainer Stefan Leitl zu loben, der ab Minute 45 mit Christopher Scott, Max Christiansen, Andreas Voglsammer (für Nicolo Tresoldi) und Sei Muroya nach und nach vier Mal deutlich stärkere Impulse von der Bank brachte. Die frischen Einwechslungen sorgten für mehr Investitionen auf dem Feld.

Ich tue mich diesmal etwas schwer mit der Analyse der einzelnen Puzzleteile. Man kann diesmal kein Attribut benennen, dass der Schlüssel zum Erfolg hätte werden können. Jedes der beiden Teams hatte Licht und Schatten, sodass sie sich am Ende erfolgreich egalisierten. Hannover wechselte in der zweiten Hälfte stärker ein und unterband die Effizienz der inzwischen müden Hertha.
Allerdings gibt es eine Kategorie, die sich „Attack momentum“ nennt: hier sind die Offensiv-Bewegungen wie Ausschläge bei einem Erdbeben dargestellt. Mal kleiner, mal heftiger. Während Berlin in Halbzeit 1 rund um seine beiden Tore dezente Angriffsbemühungen verzeichnen konnte, erkennt man in der zweiten Hälfte eindrucksvoll das immer mehr aufbrandende Anwachsen der Hannoverschen Angriffswellen. Da war Wille dahinter, und nach dem Anschlusstreffer auch die Gewissheit, dass hier heute noch etwas zu holen ist. Steile These:
Wäre das 2:2 vielleicht 10 Minuten eher gefallen, hätte 96 definitiv auch noch die dritte Bude gemacht!

Christopher Scott soll das Mittelfeld mit seiner Ballbehandlung stabilisieren.

Es waren im Grunde zwei unorthodoxe, mutige Spielzüge, die für unsere beiden Tore sorgten. Beim ersten nimmt Phil Neumann sein Herz in die Hand und sprintet brasilianisch durch zwei Berliner Abwehrreihen. Beim zweiten spielt Marcel Halstenberg im Stile eines NFL-Quaterbacks einen Zuckerpass in die eiskalten Füße von Andreas Voglsammer, und Bundestrainer Julian Nagelsmann verdrückt derweil eine kleine Freudenträne.
Hätten wir uns doch einfach mal mehr getraut an dem Abend! Spielzüge, die überraschen und Lücken reißen. Sachen, die sonst Cedric Teuchert so gerne mal auspackt. Andreas Voglsammer nimmt aus der Partie jedenfalls einen „Lerneffekt“ mit und als Fan muß man der tollen Moral der 2. Hälfte Applaus zollen.

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Wahrscheinlich hätten wir Berlin an einem sehr guten Tag knacken können. Andererseits gehört der BSC zu den Topteams, was erfolgreiche Auftritte in Halbzeit eins angeht. Zum Glück besitzt der Big City Harlekin auch sein zweites Gesicht und gibt Spiele oft in der zweiten Hälfte aus der Hand. Mit geduldiger Suche nach Räumen und einem „Bei sich bleiben“ unserer Stärken konnten wir somit einen verdienten Punkt verbuchen.

Die Lieblingsfolgen vom 96Freunde-Podcast mit Altin Lala, Florian Fromlowitz und Ewald Lienen. Viel Spaß beim Reinhören!

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