Verschleiß in der Führungsriege: Was macht Gerry falsch?

Bei Hannover 96 sind die Planungen für die kommende Spielzeit in vollem Gang. Die Trennung von Trainer Kenan Kocak ist bereits beschlossene Sache, mit Sebastian Ernst konnte man schon einen hochkarätigen Neuzugang präsentieren und die Gerüchte um Steffen Baumgart verdichten sich. Doch wer denkt, das Karussell dreht sich schon schnell genug, hat die Rechnung ohne Martin Kind gemacht. Denn auch der Stuhl von Sportdirektor Gerhard Zuber wackelt gewaltig, ähnlich wie Kocak erhielt er in der jüngsten Zeit keine Rückendeckung…

Das Gespann Kocak/ Zuber hat nur unter Druck funktioniert – so zumindest die Außenwirkung. Das Verhältnis zwischen den beiden wirkt angespannt, Harmonie abseits des Platzes scheint es kaum zu geben. Zur kommenden Saison räumt Kocak das Feld, Aufatmen bei Zuber? Pustekuchen! Denn auch der Sportdirektor muss um seinen Job bangen, doch was genau macht er falsch?

Zuletzt kursierten die Gerüchte, dass Zuber und Kind monatelang nicht miteinander gesprochen haben. Was genau an diesem Gerücht wahr ist, weiß niemand von uns. Die Vorstellung ist schon sehr abstrus, schließlich arbeiten beide auf das engste zusammen. Außerdem dürfte ihr primäres Interesse das Gleiche sein: Hannover 96. Der gebürtige Österreicher macht in der Öffentlichkeit an und für sich einen stets souveränen und abgeklärten Eindruck, daher fällt es schwer zu glauben, dass er seine Arbeit vernachlässigt. Und zu dieser Arbeit gehört auch der stetige Austausch mit seinem Boss. Es könnte schließlich auch andersherum sein. Wer weiß, ob Zuber nicht „abgelehnt“ wurde? Bei dem jüngeren Verschleiß in der Führungsregie von Hannover 96 ist es definitiv nicht ausgeschlossen, dass Mitarbeiter durch Zurückweisung vergrault werden.

Kenan Kocak verlässt Hannover 96 nach Saisonende – folgt Sportdirektor Gerhard Zuber?

Die Kritik an dem 45-Jährigen ist vor allem deswegen unverständlich, weil er ohne Geld arbeiten muss. An dieser Stelle kann man jeden Manager dieser Welt, egal in welcher Branche, befragen, die Antwort wird immer gleich ausfallen: Ohne Moos nichts los. Löhne und Ablösesummen sind im 21. Jahrhundert rapide gestiegen, wie will man da ohne finanzielle Rückendeckung arbeiten? Die durchaus abwechslungsreichen Aussagen von Martin Kind, von „wir sind vollumfänglich handlungsfähig“ bis „wir gehen auf dem Zahnfleisch“, sind keine Hilfe. Sie sorgen in den oberen Etagen lediglich für Verwirrung und setzen die Akteure im Zweifelsfall gehörig unter Druck. Man muss sich also fragen, ob Zuber und Co. überhaupt wissen, woran sie sind. Was steht ihnen zur Verfügung? Was dürfen sie? Was ist untersagt? Vielleicht herrscht bei Zuber bei diesen Fragen eine genauso große Leere wie bei uns Fans. Fakt ist, dass der ehemalige Mittelfeldspieler für diese Leere nicht zur Verantwortung gezogen werden kann.

Im Gegenteil hat er für seine Arbeit sogar ein Lob verdient. Zwar hat Kenan Kocak seine Wunschspieler nicht bekommen, doch auch an dieser Stelle liegt der Fehler an oberster Stelle. Wenn der Geldhahn zu ist, sind jedem die Hände gebunden. Und trotz gebundener Hände hat Zuber einige gute Spieler an die Leine lotsen können. Man muss sich einmal mehr zu Gemüte führen, dass ein Budget für Neuverpflichtungen quasi nicht vorhanden war. Mit mickrigen 900.000 Euro hat Zuber elf Spieler verpflichtet – das klingt Rekordverdächtig. Darunter Namen wie Simon Fallete, welcher noch in der Saison 17/18 mit Eintracht Frankfurt den DFB-Pokal gewinnen konnte und im Europa League-Halbfinale gegen Chelsea spielte oder Mike Frantz, welcher beim SC Freiburg jahrelang Leistungsträger und Kapitän war. Dass diese Akteure nicht zündeten beziehungsweise sich verletzten, kann man doch bitte nicht dem Sportdirektor ankreiden. Gleiches gilt für einen Patrick Twumasi.

Der Boss ist unzufrieden: Doch welche Fehler kann man dem Sportdirektor vorwerfen?

Ganz nebenbei hat er mit Sei Muroya und Niklas Hult zwei Spieler geholt, welche in der Bundesliga wohl niemand kannte. Inzwischen haben sich beide zu absoluten Leistungsträgern entwickelt und werden auch in der kommenden Saison extrem wichtig sein.

Unter Umständen liegt es an einem persönlichen Clinch, welcher dann am Ende für eine Trennung verantwortlich sein könnte. Aber wenn wir uns die Causae Schlaudraff, Dufner, Held und Co. anschauen, wissen wir, dass immer zwei zu einem Bruch dazugehören. Und Gerhard Zuber sitzt hier (leider) am kürzeren Hebel. Man sollte bei Hannover 96 jedoch endlich einmal auf Konstanz setzen und nicht immer den einfachsten Weg, vorzeitig getrennte Wege, wählen. Dass dies nicht funktioniert, sollte man in dieser Spielzeit erneut erkannt haben. Ein Sportdirektor braucht ein harmonisches Umfeld sowie finanzielle und persönliche Rückendeckung. Anders kann es einfach nicht funktionieren. Auch eine personelle Veränderung würde dieses Problem nicht lösen. Sofern an diesem Konflikt nicht gerüttelt wird, bleiben die Positionen von Trainern, Managern und Sportdirektoren Schleudersitze. 

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