Und nun?!

Man sollte nie etwas aus der Emotion heraus schreiben, aber was sich am Sonntag in Würzburg abgespielt hat, spottet jeder Beschreibung. Da spielst du gegen den Tabellenletzten, der aus 7 Spielen einen mickrigen Punkt geholt hat. Der jetzt schon den dritten Trainer hat, den du im Pokal zu Saisonbeginn noch 3:2 geschlagen hast. Also beste Vorrausetzungen für den ersten lang ersehnten Auswärtssieg. Einige sind ja von einem „Selbstläufer“ ausgegangen, ich sah die Sache ein bisschen vorsichtiger. Und hab mich mit einem dreckigen 1:0 zufriedengegeben.

Nur hat man die Rechnung ohne diese Mannschaft gemacht. Was soll ich mich jetzt groß über das Spiel auslassen?! Ja, man hat 1:0 geführt und die Flanke von Twumasi war schon nicht schlecht. Der Rest war eher Glück und Zufall. Wenn es am Ende noch 1:0 gestanden hätte, wäre es mir wurscht gewesen. Vielleicht hätte man ein bisschen über die Leistung reden müssen…

Hätte, hätte, Fahrradkette. So kam wie es leider Auswärts immer kommen muss. Man hat sich meiner Meinung nach auf dem 1:0 ausgeruht, denn danach gab es nicht eine Torchance mehr. Und das gegen den Tabellenletzten. Es folgte also das Gleiche wie immer auf fremden Plätzen in dieser Saison – Der Gegner wurde stärker, es fiel der Ausgleich. Da merkte Würzburg: Ups, hier geht was. Der Gegner rannte an und kämpfte. Und was taten die Roten? Ja was denn? Die Frage stelle ich mir jetzt immer noch – nur zu einem Ergebnis bin ich bis jetzt nicht gekommen. Fast schon folgerichtig fiel das 2:1 für Würzburg und es hagelte vierte Niederlage im vierten Auswärtsspiel. Ein bisschen wenig für jemanden, dessen Ziel der Aufstieg ist.

David Kopacz (links) schließt zum 2:1 für Würzburg ab. Josip Elez kommt zu spät. Foto: Getty Images

Leider knüpft die Niederlage und vor allem die Leistung nahtlos an die letzten Spiele an. Wenn jemand dachte das Debakel in Fürth, wo man nicht den Hauch einer Chance hatte und sich bei Bruno sogar noch bedanken musste, dass es „nur“ 4:1 ausging, der wurde in Franken eines schlimmeren belehrt. Man muss schnell versuchen die Kurve zum Besseren zu kriegen, nur geben die nächsten Gegner wenig Anlass zur Hoffnung. Da wären Kiel Auswärts, dann der HSV zu Hause und zum Schluss Heidenheim wieder Auswärts. Kalkulieren wir mal mit einem Punkt. Sollte es so kommen steht uns ein eiskalter, stürmischer Dezember bevor. Sollte es zum Gau kommen, wie lange hält man im Kokenhof die Füße still?

Laut Medien hat Kind ja schon aus den letzten beiden Spielen 6 Punkte gefordert. Herausgekommen ist ein mickriger Zähler inklusive mieser Leistung. Ich bin jetzt mal auf die „Analyse“ gespannt. Wenn das Spiel ein Selbstläufer ist, wie bspw. gegen Düsseldorf und Peine Ost, spielt 96 richtig gut und steckt auch ein Gegentor weg. Wird es kritisch und der Gegner hält dagegen, bekommt man Probleme. Gegen den KSC hatte man viel Glück und konnte das Ding über die Zeit schaukeln, überzeugend war das nicht. Und hier kommen wir zum Grundproblem der Mannschaft: Man ist einfach zu brav und zu leise auf dem Platz!

Ein Beispiel: Schindler läuft aufs Tor zu, Giefer kommt raus und säbelt Schindler um. Dieser wird nicht 100-prozentig getroffen und läuft weiter, sodass der Schiri auf Vorteil entschied. Hier vermisse ich einen, der mal den Mund aufmacht. Da keine Zuschauer sind, kannst du schön die Kommentare hören. Das Einzige, was du bei unseren hörst sind Brunos Schreie, wenn er die Verteidiger bei Ecken und Freistößen stellt. Gerade in Spielen wie gegen die Kickers vermisse ich einen, der mal laut brüllt, um die Schlafmützen zu wecken. Da fehlt jemand wie ein Baka oder Prib. Jemand der vorweg geht, die anderen mitreißt und vielleicht mal an der Mittellinie foult, um ein Zeichen zu setzten. Einer wie Pinto oder Altin. Wahre „Kampfschweine“, die den Rasen auf links drehen. Es ist zweite Liga und wenn man den Anspruch hat aufzusteigen, dann musst du kratzen, beißen und den Rasen umgraben.

Im Kader von Hannover 96 fehlt ein Leader, so die Meinung von Frank Meyer

Das klingt vielleicht alles altbacken und abgedroschen. Aber leider wollte der Trainer solche Typen nicht. Ein Kaiser ist zu leise, Frantz fällt lange aus. Ihm würde ich das aufgrund seiner Erfahrung zutrauen. Leider hat der Trainer auf diese Spieler keinen Wert gelegt. In einer meiner Kolumnen schrieb ich vom Gerüst – das wird nun schmerzlich vermisst.

Wir haben jetzt den achten Spieltag und ich sehe noch immer keinen Führungsspieler. Viele Mitläufer, aber keiner der mal dazwischen grätscht, wenn es nicht läuft. Jeder versteckt sich hinter dem anderen. Es ist natürlich nur meine persönliche Meinung… Aber kann man die Situation überhaupt schönreden? Das Gute für mich ist, dass ich nie vom Aufstieg ausgegangen bin. Daher kann für mich die Saison noch positiv laufen. Zwei Derbysiege und dann am Ende oben mitspielen – dann ist für mich die Saison unter diesen Voraussetzungen gut gelaufen. Wenn man dann am Ende aufsteigt: Bonbon auf die Saison.

Aber mal mit einem Augenzwinkern: warum willst du gegen Leipzig, Hoffenheim, Wolfsburg spielen, wenn du gegen Schalke, Köln, Düsseldorf, Nürnberg, Pauli und dann noch gegen Ost spielen kannst. Ich würde gerne mal was Positives schreiben, aber die Situation gibt das nicht her. Es werden jetzt spannende stürmische Tage am Maschsee.

Bleibt gesund

euer Frank

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