Tapferer Auftritt beim NDR: Das Wort von Martin Kind ist medial geschätzt – auch wenn es ihm ständig genommen wird

Martin Kind war zu Gast im NDR-Sportclub.

Aktuell sind Virologen und Politiker im deutschen Fernsehen die Stammgäste in den Talksendungen. Doch auch Martin Kind ist derzeit ein gefragter Mann. Vor Ostern saß der Abteilungschef des 96-Profifußballs im ZDF in der Show von Markus Lanz, am Sonntag folgte er der Einladung des NDR-Sportclubs und stellte sich den Fragen von Moderator Martin Roschitz. Und auch wenn es natürlich um Fußball ging – der Auftritt von Kind lässt sich wunderbar wie beim Eishockey in drei Drittel einteilen.

Im ersten Teil ging es noch recht ruhig und beschaulich zu. Kind sprach über den möglichen Wiederbeginn des Bundesliga-Fußballs und seinen Wunsch des Saisonendes bis zum 30. Juni im Sinne eines fairen Wettbewerbs, die Umsetzbarkeit von Geisterspielen und die nötigen Entscheidungen seitens der Politik. Roschitz lauschte den Ausführungen seines Gastes, ließ ihn ausreden und moderierte einen Einspieler an.

Es folgte ein kurzer Film, in dem Ewald Lienen eine Hauptrolle spielte. Der frühere 96-Trainer, heute Technischer Direktor beim FC St. Pauli, machte deutlich: Das Geld hat den Fußball kaputt gemacht – und die Abhängigkeit davon rächt sich jetzt in der Corona-Zeit. „Man muss nicht so viel Geld den Spielern geben, dass sie nicht mehr wissen, wie viele Autos sie sich noch kaufen können“, wütete Lienen in der Videoschalte und legte mit Blick auf den Brasilianer Neymar nach: „Was ist das für ein Schwachsinn, 200 Millionen für irgendjemanden zu bezahlen. Wir brauchen andere Rahmenbedingungen.“

Weiter im Studio. „Der Ewald Lienen wäre uns fast durch den Computer gekommen“, witzelte Roschitz. Und es schien so, als sei er durch Lienens Enthusiasmus angestachelt worden. Denn im zweiten Teil des Interviews führte der Moderator das Gespräch mit Kind völlig hektisch. Kind führte aus – Roschitz fiel ihm ins Wort. Ob es um die Wirtschaft ging, um die Traumwelt Profifußball oder um Chancen in der Krise – dem NDR-Journalisten gelang es tatsächlich, Kind bei sieben Antworten sieben Mal zu unterbrechen. Nur bei seiner achten Antwort im zweiten Teil des Interviews durfte der immer noch freundliche und souveräne Kind das Ende selbst bestimmen, als er über die Verträge der Spieler sagte, „dass es klare Angaben zur Reduktion der Gehälter“ geben müsse.

Vielleicht ließ Roschitz auch Kind ausreden, weil er zufrieden war und den Ball aufnehmen wollte. „Darüber können wir gleich noch sprechen. Denn dabei geht es ja auch um die Spieler von Hannover 96“, sagte der Moderator und versprach Kind, mit ihm zu diesem Thema später „Serve and Volley“ zu spielen. Die Exkursion in die Tennis-Sprache diente ihm aber nur als Überleitung für den folgenden Beitrag.

Und dieser Einspielfilm grenzt an Peinlichkeit, das macht der NDR sonst viel besser. Es zeigte als Rahmenhandlung alte Aufnahme von Kind, als er mal in seiner Tennishalle in Großburgwedel beim Doppelmatch gefilmt wurde. Darin eingebettet sind die personellen Neuigkeiten und Baustellen von 96: Vertragsverlängerungen mit Trainer Kenan Kocak und Sportchef Gerhard Zuber, Spekulationen um die Zukunft von Waldemar Anton und Hendrik Weydandt. Dazwischen wurden emotionale Ausrufe von Kind aus dem Tennismatch wie „Super!“ oder „Scheiße!“ hineingeschnitten – aber auch philosophische Aussagen des Profichefs vom Tennis-Court („Das Leben ist ein permanenter Kampf!“). Auch die Wahl der Bilder, um Anton zu zeigen, ist nicht wirklich gelungen. Der Defensivallrounder jubelt bei einem Torerfolg in der Saison 2017/2018 – da hätte es doch bestimmt frischere Ware im NDR-Archiv gegeben.

Als der Beitrag zu Ende ist, lehnt Kind am Tisch des Moderators, stützt sich an den Kanten ab und blickt nach unten. In einem Comic wäre über dem Burgwedeler sicher eine Denkblase aufgetaucht mit einem Inhalt wie: „Freunde, was ist denn hier los?“. Was in Hannover los ist, will aber auch Roschitz wissen. Schließlich durften unter Kind in 23 Jahren 20 Trainer ihr Glück versuchen, macht durchschnittlich 13 Monate pro Coach. Kind schmunzelt und nimmt es mit Eigenhumor. „Ja gut, da haben wir ja bei 96 ausreichend Erfahrung.“ Anschließend betonte der Profichef, wie stark sein Vertrauen in Trainer und Sportchef ist – nachdem Roschitz ihm aber erneut ins Wort fiel und Kind noch Sinn und Zweck des Arbeitsgerichts-Termin zwischen 96 und Zuber erklären musste.

Und wann wird Serve and Volley gespielt? Martin Roschitz wollte doch mit Kind noch über die Spieler von 96 und die Gehälter sprechen. Nein, Fehlanzeige. Der Moderator beendete das Interview und bedankte sich bei seinem Gast für den Besuch. Vielleicht war es auch besser so, ganz ohne Aufschlag und Flugball – denn Doppelfehler hatte sich Roschitz schon genug geleistet.

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