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Kommentar zum Stimmungsboykott

Fans in N16/17 verweigern der Mannschaft die Unterstützung. Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images.

Hannover – Mareile Ihde ist 96-Fan. Und Mareile macht sich für uns ein paar Gedanken zu der Stimmung im Heimspiel gegen den FC Schalke 04. 

Fans in N16/17 verweigern der Mannschaft die Unterstützung. Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images.

Stimmungsboykott

Ich werde über meine Gefühle schreiben, jetzt, am Morgen des 28. August. Einen Tag nachdem Hannover 96 nicht nur überraschend Schalke 04 geschlagen, sondern auch den Stimmungsboykott in Schach gehalten hat. Stimmungsboykott, das ist ein komisches Wort, wenn man wie ich wegen der eigenen Stimmungen schon das ein oder andere düstere Tal durchschritten hat. Stimmungen kann man nicht kontrollieren und deswegen auch nicht boykottieren. Man kann sich aber dazu entscheiden, sie zu verdrängen oder ungefiltert herauszulassen. Beides ist nicht gesund.

Liebe allein reicht nicht

Das, womit das Niedersachsenstadion gestern ganz überwiegend gefüllt wurde, war Zuneigung, vielleicht sogar Liebe. Und obwohl ich nicht anfangen werde, die Dinge unzulässig miteinander zu vermischen, musste ich kurz an Teresa Enke denken und an ihre Worte: „Wir dachten, mit Liebe geht das.“ Nun, wir haben auf sehr schmerzliche Weise gelernt, dass Liebe allein nicht immer reicht. Möglicherweise selbst nicht bei so einem wichtig-unwichtigen Konflikt, der 96 im Augenblick umspannt und der in einer kurzen Phase dieses großartigen Fußballspiels akustisch fast vergiftet hätte, was vorher von Zuversicht und Zuneigung gekennzeichnet war. Hasstiraden gegen einen Vereinspräsidenten sind, unabhängig von seinem Beitrag, das Gift, das sich jene selbst spritzen, die angeblich für das Gute in der (Vereins-)Gesellschaft kämpfen. Reden über ungebührliches Verhalten anderer schwingen und diese dann beleidigen – es ist eine entsetzliche Doppelmoral, die nichts als das Gegenteil von Verständnis für die in Teilen begründete Kriegs- oder Schweigeerklärung (je nach Lesart) mit sich bringt.

Kritisch zu sein, ist wichtig

Das Argument, die Schalker Anhänger hätten angefangen, kommentiert sich von selbst. Wir sind hier nicht im Kindergarten. Mein Gefühl ist bittersüß an diesem Morgen. Was für eine großartige Mannschaft Hannover 96 da in diese so innig ersehnte Bundesligasaison schickt, eine Truppe, die füreinander einsteht, Fehler der Kameraden nicht anprangert, sondern ausbügelt. Es ist ein Haufen Jungs, die füreinander kämpfen, laufen und sich Luft zum Atmen geben, kann einer mal nicht mehr. Es ist diese Mentalität, die mich daran glauben lässt, dass wir im Frühling nicht nach unten gucken müssen. Jedenfalls nicht in den Schlund der 2. Liga. Diese Mannschaft lebt vor, was auf den Rängen im Norden nicht bei allen en vogue ist. Die Schuld, die Verfehlungen, die Ungerechtigkeit – all das erfährt eine Überbetonung, die in Egozentrik ausartet.

„Sie brauchen unsere Liebe“

Keiner der Boykott-Teilnehmer wäre ein Teil dieser Mannschaft, weil er sich und seine Befindlichkeiten über das Wohlergehen des großen Ganzen stellt. Damit will ich nicht sagen, es wäre nicht richtig, kritisch zu sein und zu bleiben. Das ist wichtig, sehr sogar. Es braucht ein korrigierendes Element in einer Fußballwelt, die immer mehr auf wirtschaftliche Erwägungen zusammengestutzt wird. Gleichwohl ist es eine sozialromantische Fata Morgana zu glauben, das Karussell der Euro, Pfund und Dollar würde sich nicht weiter drehen. Steig auf, sei dabei – das wird in der ein oder anderen (Rechts-)Form für alle gelten, die mehr als Dorffußball gucken oder sein wollen (sic!). Aber zurück zum Gefühl. Hannover 96 hat heute alles, wirklich alles dafür getan, geliebt zu werden. Was auf Jahreshauptversammlungen passiert ist, passieren wird und ob Martin Kind die Geschäftsführung bestellt oder nicht, spielt alles keine Rolle, wenn wir ins Fußballstadion gehen. Da sind 11 Freunde auf dem Platz und die brauchen unsere Liebe. Sicher auch, weil sie wissen, dass es mit ihr leichter geht.

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6 Kommentare

  1. Ich kann die Boykotteure nicht verstehen. Was ist so schlimm daran, wenn die 50+1 Regel fällt? Martin Kind hat diesen Verein zu dem gemacht was er ist und ich möchte nicht wissen, wo unsere Roten heute wären wenn Martin Kind und vielleicht auch sein Geld nicht gewesen wäre. Er hat immer im Interesse des Vereins gehandelt, warum sollte er jetzt nicht davon profitieren? Es bleibt doch trotzdem unser Hannover 96

    • Es bleibt nicht unser 96. 96 öffnet sich für Investoren jeder Art und wie gut das klappt, hat 1860 gezeigt. Außerdem wird das allerletzte Band (unser Profifußball ist jetzt schon nicht mehr der e.V) zertrennt. Kind hat soviel falsch gemacht und sein ganzes Konstrukt wird ihm auf die Füße fallen

      Aber dein Kommentar zeigt ja, dass fu dich mit der Thenatik nicht befasst.

      • 1860 hat das ganze geschafft während sie die 50+1 Regel eingehalten haben. Ausländische Investoren können also auch mit 50+1 ihren Schaden anrichten.

        "unser Profifußball ist jetzt schon nicht mehr der e.V" Ja, schon seit 1999.

        Aber dies ist bei allen Bundesligavereinen außer Schalke und Mainz der Fall. Die restlichen Vereine haben ihre Profisparten ausgegliedert. Wo war dein Protest damals?

        Ich will mich damit nicht gegen 50+1 aussprechen, aber die Realität ist, dass schon jetzt das Geld alles entscheidet. Egal ob mit 50+1 oder ohne. 

        Aber dein Kommentar zeigt ja, dass *du dich mit der *Thematik *nur unzureichend befasst.

  2. Wunderschöner Kommentar. Ich kann deine Meinung teilen und ja such ich bin ungemein froh und stolz auf diese Mannschaft. Eine Mannschaft die Freundschaft, Kampf und liebe für einander ausstrahlt. Hannover96 erinnert mich an eine Familie. Und das habe ich so noch nie erlebt in meinen 25 Jahren Fan sein. Mannschaft + Trainer Team und alle mitwirkenden helfen sich. Warum also dieser sinnlose Rotz passiert von unseren Ultras, wenn ich das wüsste.

     

    Wir müssen mit der Zeit gehen. Und das schließt mit ein das die 50+1 und fairplay im Transfer Bereich eh nur Wunschvorstellungen sind. 

     

    Ich hoffe wir überstehen auch dieses Loch und werden wieder alle eine Familie die mitfiebert, vor Stolz ist, weint und lacht. Emotionen ja aber Hass hat noch nie was gutes gebracht. 

     

    Einen schönen Start in die Woche wünsche ich allen

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