St. Pauli bittet zum Abstiegskracher: Hannover 96 steht in Hamburg unter Zugzwang

Am Samstag muss Hannover 96 beim FC St. Pauli ran, das Duell gegen die norddeutschen Nachbarn steht unter besonderen Vorzeichen. Die Tabellensituation beider Mannschaften ist beängstigend, aktuell trennt die beiden Teams nur ein Punkt. Der Absteiger ist längst im Abstiegskampf angekommen, neu-Coach Kocak hat die schwache Moral und das geringe Selbstbewusstsein seiner Spieler bereits nach wenigen Stunden erkannt. „Jeder Spieler muss stolz sein, das 96-Trikot tragen zu dürfen. Ich verlange die 100-prozentige Identifikation mit Stadt, Verein und Fans“, so Kocak im Interview mit dem Sportbuzzer. Gegen Darmstadt ist dieser Funke noch nicht übergesprungen, gegen den direkten Konkurrenten aus Hamburg hat man nun die nächste Chance…

 

Diese Chance muss zwingend genutzt werden, denn die Luft wird immer dünner. Die Hannoveraner belegen aktuell den Relegationsplatz 16. Der Vorsprung auf den letzten Rang beträgt lediglich vier Zähler – die Optimisten würden derweil sagen, dass man mit einem Sieg am Samstag auf den elften Platz klettern könnte. Die Zahl der Optimisten hält sich jedoch in Grenzen, angesichts der zuletzt gezeigten Leistungen ist dies absolut verständlich. Aus den letzten vier Spielen holte man nur zwei Punkte, allen voran die Defensive viel regelrecht auseinander. Gleich neunmal klingelte es im Gehäuse von 96, insgesamt sind es bereits 24 Gegentore. Die Tatsache, dass Ron-Robert Zieler mit durchschnittlich vier Paraden pro Spiel statistisch gesehen zu den besten Spielern gehört, gerät angesichts der Ausbeute komplett in Vergessenheit. Anstatt seine starken Reflexe oder seine starke Passquote (87 Prozent) hervorzuheben, wird seine Person aufgrund der vielen Gegentreffer immer wieder kritisiert und ein Großteil der Fans fordert eine Neuauslegung des Torwartduells mit Esser. Diese dauerhafte Kritik kann einen Spieler zwangsläufig nicht kaltlassen. Nach der Minus-Kulisse des letzten Montags forderte Kocak die Fan-Liebe.

Jetzt ist die Phase, wo die 96-Fans zeigen sollten, wie sehr sie ihren Verein lieben. Wir brauchen die Unterstützung der Fans. Das sollte Hannover 96 auszeichnen, auch in schlechten Zeiten das Team zu unterstützen. Ich wünsche mir von der 96-Familie, dass wieder eine Einheit geschlossen wird und wir uns gemeinsam aus dieser schwierigen Situation befreien.

Mit dieser Liebe ist zwangsläufig auch die Unterstützung für die eigenen Spieler gemeint. Die Mitverantwortung von uns Fans wird in dieser misslichen Situation immer größer.

 

Die sportliche Situation ist natürlich indiskutabel, dies wissen auch alle Verantwortlichen. Gegen Pauli muss unbedingt ein Sieg her, ansonsten wir das Überwintern auf eine Abstiegsplatz immer realistischer. Für die schwammige Defensive gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer, das Comeback von Marcel Franke. Er hat seine Rotsperre abgesessen und kann das Innenverteidigerduo nun komplementieren. Hier wird es ohnehin eine Umstellung geben, sinnbildlich für die Abwehrleistung des letztens Spiel war das Eigentor in Coproduktion von Marvin Bakalorz und Waldemar Anton. Letzterer findet sich auf der Position des Sechsers ohnehin deutlich besser zurecht, gegen Pauli dürfte er wieder vorgezogen werden. Franke dürfte ihn positionsgetreu ersetzen. Der Brasilianer Felipe hat derweil gute Chancen, seinen vorläufigen Stammplatz zu behalten. Gegen Darmstadt überzeugte er mit einer Zweikampfquote von 72 Prozent, darüber hinaus gewann er alle fünf Kopfballduelle im eigenen Sechszehner. Gegen die Standardstarken Paulianer  ist diese Eigenschaft von Vorteil. Auch auf der rechten Abwehrseite könnte es eine Veränderung geben. Kocak schickte den wiedergenesenen Jung von Beginn an aufs Feld, diese blieb jedoch absolut blass. Von seinen Vorstößen über die Außen war kaum etwas zu sehen, auch seine Flanken waren deutlich schlechter als bei seinem letzten Einsatz für 96. Lange Zeit viel er aufgrund von Adduktorenbeschwerden aus, unter Umständen ist er noch nicht bei 100 Prozent. Nichtsdestotrotz ist eine Flankenquote von 20 Prozent in der jetzigen Situation zu wenig, der in dieser Statistik deutlich bessere Korb dürfte in Hamburg eine ernsthafte Alternative sein.

Bei seinem Comeback blieb Jung blass – eine Rückkehr von Julian Korb scheint wahrscheinlich

Im Mittelfeld bzw. in der Offensive muss sich definitiv etwas ändern, gegen Darmstadt kreierte man lediglich vier mehr oder minder gefährliche Torchancen. Die Flügelspieler Hansson (90 Prozent Passquote, 2/3 angekommene Flanken) und Haraguchi (ein Tor, über 70 Prozent gewonnene Dribblings) machte eine gute Partie, sie dürften ihren Startelfplatz behalten. Auch Hendrik Weydandt dürfte auflaufen, obwohl ihm kein Treffer gelang. Der 24-Jährige arbeitete unermüdlich und suchte aus jeglicher Position den Abschluss (5). Darüber hinaus schmiss er sich in jegliche Kopfballduelle (insgesamt 12) – er verkörpert Kampf und Leidenschaft! Dies kann man von Marvin Ducksch nicht behaupten, er blieb erneut sehr blass. Es war sein fünftes Spiel ohne Torerfolg, Kocak sollte ihm eine Pause gönnen. Cedric Teuchert kann ihn aufgrund seiner Verletzung nicht ersetzen, dafür aber Rückkehrer Linton Maina. Im Training hinterließ der U21-Nationalspieler gute Eindrücke und gegen Darmstadt feierte er sein Comeback. Sein Einsatz würde eine taktische Umstellung mit sich bringen, beispielsweise ein 4-2-3-1. Auf rechts könnte Maina starten, links Hansson. Der zuletzt erfolgreiche Haraguchi könnte ins offensive Mittelfeld vorrücken und Weydandt als Stoßstürmer auflaufen. Wir dürfen gespannt sein, was unser Coach aus dem Hut zaubert.

Der direkte Vergleich mit Pauli lässt hoffen. Von den letzten drei Duellen ging kein einziges verloren (ein Unentschieden, zwei Siege), darüber hinaus zeigt die Formkurve der Gastgeber ebenfalls stark nach unten. Der letzte Sieg liegt acht Spieltage zurück und man spielte in dieser Saison erst zweimal zu Null – es ist also alles bereitet für einen 96-Sieg!

 

 

 

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