So enttäuschend hat das ZDF das Erfolgsduo aus Hannover präsentiert

Manager Horst Heldt und Trainer André Breitenreiter arbeiten erfolgreich bei Hannover 96 zusammen. Foto: Getty Images

Am Freitag das Nordduell gegen den Hamburger SV gewonnen, als Spitzenreiter aufgewacht und dann dem Sportstudio entgegen gefiebert: Für die Fans von Hannover 96 gab es gute Gründe, sich auf den ZDF-Klassiker am Abend zu freuen. Wenn schon am 4. Spieltag einer Saison der Trainer und der Manager eines Aufsteigers eingeladen werden, dann hat dieses Duo wohl viel richtig gemacht. Doch die Art und Weise, wie der Mainzer TV-Sender den Auftritt von André Breitenreiter und Horst Heldt präsentierte, war eine absolute Enttäuschung – vom Ablauf her, als auch vom journalistischen Handwerk.

Man hätte ahnen können, dass es beim ZDF an diesem Abend irgendwie haken würde: Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein rief Breitenreiter und Heldt ins Studio, doch die beiden 96-Vertreter mussten gefühlt eine halbe Ewigkeit warten, bis sich die große Wand endlich öffnete und ihnen den Weg in den Zuschauerraum freimachte.

Ein kleiner Smalltalk zu Beginn im Stehen, später nahmen dann Breitenreiter und Heldt am Tisch bei „KMH“ Platz. Und worum geht es zu Beginn mit den beiden Gästen aus Hannover? Um Schalke 04, im Hintergrund prangt das blau-weiße Vereinslogo! Müller-Hohenstein spricht bezüglich der Gelsenkirchener Vergangenheit Breitenreiters und Heldts von einer „nicht ungetrübten Zeit, die in einem Zerwürfnis endete“. Statt über den aktuellen Höhenflug von Hannover 96 zu sprechen, muss sich das Duo nicht nur in dieser Situation wegen der damals gemeinsamen und irgendwann beendeten Zusammenarbeit rechtfertigen.

Was folgt ist ein alberner Einspieler unter dem Motto „Doppelkopf 96“. Dieser fiktiven WhatsApp-Gruppe gehören Martin Kind, Gerhard Schröder und später auch, nach deren Verpflichtungen, Horst Heldt und André Breitenreiter an. Dass Martin Kind bei der Suche nach einem Stürmer kurzzeitig Dortmunds Aubameyang in die Gruppe holt, ist genauso wenig lustig wie die Pointe, wonach sich Heldt und Breitenreiter zunächst gebrochene und später prall gefüllte Herzen schreiben.

Okay, abgehakt, das wird dann ja endlich der thematische Übergang zu 96 sein? Mitnichten! KMH erinnert an die damals vorherrschende These, „dass man sich mit dem Duo Heldt/Breitenreiter die Schalker Probleme einkauft“. Was folgt ist der nächste Einspieler, in der Kind zu dieser These Stellung nehmen muss. Müller-Hohenstein hakt bei ihren Studiogästen nach. „Es gab also ein klassisches Aussprachetreffen?“ Breitenreiter atmet tief durch, Heldt grätscht dazwischen und bittet darum, dass man in vergangene Dinge nicht so viel reininterpretieren solle.

Aber jetzt geht es weiter mit Jubel, Trubel, 96? Vielleicht mal Bilder vom Aufstieg in Sandhausen? Vielleicht eine Grafik, die zeigt, dass Hannover 96 seit den Verpflichtungen von Heldt (5. März) und Breitenreiter (20. März) noch kein einzige Spiel verloren hat? Natürlich Fehlanzeige, all dies gibt es in der gesamten Sendung nicht zu sehen.

KHM erinnert an den letzten Auftritt von André Breitenreiter im Sportstudio als Tabellenführer – vor drei Jahren als Coach mit dem SC Paderborn. „Und mit dem Abstieg ist das Ende ja bekannt.“ Breitenreiter lächelt. „Vielen Dank!“ Die Moderatorin relativiert. „Ja, das muss man ja wissen, um diese Situation entsprechend einzuordnen.“

Die Moderation tut alles dafür, dass erst gar keine Stimmung aufkommt. Das ist auch ein perfekter Übergang zum nächsten Thema: 50+1, Stimmungsboykott. KMH hakt mehrfach bei Heldt nach, zwischendurch gibt es wieder ein Kurzinterview mit Kind.

Und dann passiert es doch! Um 23.45 Uhr und damit 45 Minuten nach Beginn der Sendung, deutet KMH an, sie wolle jetzt den sportlichen Aspekt beleuchten und fragt den Coach nach dem Erfolgsrezept von Hannover 96. Breitenreiter führt aus und betont den Klassenerhalt als Saisonziel. Aber auch jetzt geht immer noch etwas Schalke 04. „Zumindest Schalke eine lange Nase zeigen?“, fragt die Moderatorin mit Vorausblick auf die Abschlusstabelle im Mai 2018. Der Coach pariert schlagfertig. „Das Thema ist abgehakt. Und dass wir am Ende auf Platz 1 stehen, ist so wahrscheinlich, als wenn Sie an der Torwand schießen und alle 6 reinhauen.“

Punktsieg für André Breitenreiter! Und auch beim abschließenden Torwandschießen ging der Coach als Sieger hervor. Er und Heldt sind eben nicht zu bezwingen, auch vom konzeptlos anrennenden ZDF-Sportstudio nicht – aber 96 ist ja in dieser Saison in der Defensive ohnehin sehr stark.

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1 Kommentar

  1. Man kann es auch zu kritisch sehen.

    Ich fand es sehr nett und  die Whatsapp Gruppe war doch witzig.

    Das Interview war sehr interesant und beinhaltete alle relevanten Themen die z Zt.aktuell sind.

    Persönlich fühlte ich mich gut unterhalten .

     

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