Slomkas Endspiel wird zum nächsten Abstiegsgipfel

Am Samstagnachmittag könnte Mirko Slomka zum letzten Mal auf dem Trainerstuhl von Hannover 96 sitzen, ausschlaggebend ist das Resultat gegen Dynamo Dresden. Nach dem 1:2-Auswärtssieg in Kiel (20.09.2019) wuchsen die Hoffnungen rapide an und es machte sich eine Aufbruchsstimmung breit. Eine Woche später wurde man bitter zurück auf den Boden der Tatsachen geholt…

Das 0:4 vor heimischen Publikum gegen den Mitabsteiger aus Nürnberg war eine Vollkatastrophe, da gibt es keine zwei Meinungen. Wirkliche Konsequenzen gab es nach dem Spiel nicht, Slomkas Endspiel findet am morgigen Samstag in Dresden statt. Es ist also eine ähnliche Situation wie am 19.09.2019, denn auch vor dem Kiel-Spiel stand der 52-Jährige kurz vor der Entlassung. Etwas hat sich dennoch verändert: Die Tabellensituation. Das gesicherte Mittelfeld ist munter davongezogen (Platz 10 ist drei Punkte entfernt), der Keller ist die Realität. Bei einer erneuten Niederlage könnte nicht nur Slomka weg sein, der mögliche Nachfolger müsste die Niedersachsen womöglich auf einem direkten Abstiegsplatz übernehmen.

Aber kann man Slomka die aktuelle Krisensituation in die Schuhe schieben? Sicherlich hat der Coach eine Mitschuld, in diversen Interviews bestätigte er, dass er sich dieser Mitschuld bewusst sei. Dennoch scheint die Mentalität der Roten am Tiefpunkt angelangt zu sein – und hier kann der Trainer nur bedingte Arbeit leisten. Gegen Nürnberg stand die vermeintlich beste Elf auf dem Platz, dennoch stand am Ende das schlechteste Resultat dieser Saison auf der Anzeigetafel. In der Defensive liefen mit Albornoz, Anton, Franke und Korb ausschließlich erfahrene Profis auf, ihre Zweikämpfe und ihr Abwehrverhalten glichen jedoch dem Bild übermütiger Jungprofis. Der Gegner tauchte lediglich fünfmal vor dem Tor auf, die 80 prozentige Erfolgsquote sagt alles! Torwart Zieler leistete sich ebenfalls einen Patzer. Der Schlussmann wird am Samstag erneut auflaufen, dennoch sollte der Trainerstab darüber nachdenken, Michael Esser zurück zwischen die Pfosten zu befördern. In der vergangenen Saison hielt er unser Team oft genug im Spiel und wurde trotz des Abstiegs zu einem der besten Keeper der Saison gekürt (an den Paraden gemessen). Die Torwartposition ist die einzige Position, auf der eine wirkliche Personalentscheidung getroffen werden kann, doch hier scheint unser Coach zu inkonsequent zu handeln.

Michael Esser muss sich die schwachen Leistungen von der Bank aus ansehen, dabei könnte seine Rückkehr einen Impuls auslösen

In der Offensive lief zuletzt ebenfalls nichts zusammen, einen Torschuss konnte das Team von der Leine verzeichnen. Marvin Ducksch, Mister 100 Prozent, ist der einzige wirkliche Hoffnungsträger. Die Nürnberger haben es geschafft, die Nummer 17 geschickt zuzustellen und prompt war der Stecker gezogen. Dresden wird eine ähnliche Taktik verfolgen. Im Angriff muss definitiv umgestellt werden, die Doppelspitze könnte erneut zum Matchwinner werden. Für die Optimisten unter uns: Vor dem Kiel-Duell musste Slomka in der Offensive ebenfalls umstellen – fast alle rechneten mit einem Einsatz von Hendrik Weydandt. Doch Slomka überraschte seine Kritiker und schickte den bis dato formschwachen Haraguchi ins Rennen – dieser spielte groß auf! Gegen Dresden braucht es eine ähnliche Initialzündung, vielleicht gelingt dem Trainer ja ein ähnlicher Streich!

Die Mannschaft von Hannover 96 hat zweifelsohne die Qualität, um in der zweiten Liga zu bestehen! Zuletzt stand jedoch keine Einheit auf dem Platz, vielmehr sahen die Fans elf Individualisten. Dies macht 96 angreifbar, es müssen dringend Teambuilding-Maßnahmen ergriffen werden. Noch an diesem Wochenende wird sich wohl zeigen, ob diese Maßnahmen mit oder ohne Slomka stattfinden.

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