Schlaudraff drückt den roten Knopf und polarisiert die Hannover 96-Fans

Ron-Robert Zieler: Sechs Jahre spielte er für Hannover 96. Foto: Getty Images

Er hat es getan! Passend zum Trainingsauftakt hat Jan Schlaudraff den roten Knopf gedrückt und den ersten Neuzugang verpflichtet – mit dem Spieler und vor allem mit der betroffenen Position hätte jedoch niemand gerechnet…

 

Ron-Robert Zieler kehrt nach drei Jahren in seine selbsternannte Heimat zurück, Hannover 96 hat den Schlussmann vom Mitabsteiger VfB Stuttgart verpflichtet. Der 30-Jährige verließ Hannover 96 im Sommer 2016, hatte seitdem Stationen bei Leicester City und bei den Schwaben. Viele Fans waren nicht gerade begeistert über den ersten Neuzugang, dies hat drei Gründe.

Zieler kehrt zurück – doch viele 96-Fans sind nicht über den Wechsel erfreut 
  • Im Jahr 2016 stieg Hannover 96 in die zweite Bundesliga ab, Torwart Ron-Robert Zieler stand in der Saison zuvor zwischen den Pfosten. In der Spielzeit kassierte er 62-Ligagegentore, dennoch war er nicht Schuld am Abstieg. Der englische Premiere-League Club Leicester City wurde auf den damals 27-Jährigen aufmerksam und verpflichtete ihn dank Ausstiegsklausel für „nur“ 3,5 Millionen Euro – sein damaliger Marktwert lag bei 8 Millionen Euro. Nach diesem kurzen Zwischenstopp ging es dann zurück nach Deutschland – zum VfB Stuttgart, welcher zusammen mit 96 den direkten Wiederaufstieg gepackt hatte. Der Wechsel zur direkten Konkurrenz kam bei den Hannoveranern nicht gut an. Nun trägt er wieder die schwarz-weiß-grünen Farben, trotz der zweiten Bundesliga. Das Unverständnis bei den Anhängern, warum er 2017 keine zweite Liga spielen wollte, jetzt aber schon, ist absolut nachvollziehbar. In den sozialen Netzwerken reden viele von „Zieler, dem Söldner“. Ich persönlich kann mich diesen Aussagen nicht anschließen, komplett im Gegenteil! Natürlich war die Situation vor drei Jahren unglücklich, doch RRZ hatte die Chance in die Premier League zu gehen und ich denke, diese Erfahrung würde jeder von uns gerne einmal machen. Hätte er das Angebot zum damalige Zeitpunkt ausgeschlagen, hätte sich eine solche Möglichkeit möglicherweise nie wieder aufgetan. Aus diesem Grund nehme ich ihm den Wechsel nicht übel, ich denke, fast jeder Profifußballer hätte so gehandelt. Der Patriotismus für nur einen Verein ist eine schöne Vorstellung, in den meisten Fällen jedoch Utopie. Spieler wie beispielsweise Cherundolo oder Totti sind die absolute Ausnahme. Zieler hat mit 96 großes erreicht und für ihn ist Hannover seine Heimat. Es ist, meiner Meinung nach, absolut unangemessen, ihn nicht mit offenen Armen zu empfangen. Sein folgendes Statement (von gestern) unterstreicht meine Sympathie für den Schlussmann:

Liebe Fans,

ich schreibe euch heute mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Weinend, weil ich Stuttgart verlassen werde. Lachend, weil ich nach Hause zurückkehre. Nach Hannover.

Mir ist es aber wichtig, mich an dieser Stelle persönlich von den VfB-Fans unter euch zu verabschieden. Und vor allem: mich bei euch zu bedanken. Ihr habt es mir leicht gemacht mich in Stuttgart und beim VfB super wohl zu fühlen. Und gerade für euch tut es mir wahnsinnig leid, dass wir so eine Schrottsaison gespielt haben und abgestiegen sind.

Trotzdem hätte ich mir vorstellen können, mit dem VfB in die zweite Liga zu gehen. Aber es ist ja kein Geheimnis, dass ich ein besonderes Verhältnis zu Hannover 96 habe – und es mein Wunsch war, noch einmal für diesen Club zu spielen!

96 ist mein Verein, Hannover meine Heimat.

Ich wäre nach meiner Karriere so oder so wieder hierhergekommen. Und zuletzt habe ich mich vermehrt mit dem Gedanken auseinander gesetzt, wie es denn wäre, schon jetzt zurückzukehren. Trotz, oder gerade wegen des Abstiegs von 96. Ich will dabei helfen, den Verein wieder neu aufzustellen. Ich hatte in den Gesprächen mit den Verantwortlichen sofort das Gefühl, dass auch sie unglaublich gerne mich dabeihätten. Das hat mich sehr beeindruckt.

Ich hoffe, dass die VfB-Fans unter euch meine Entscheidung zumindest ein bisschen verstehen!

In diesem Sinne: Tschüss Stuttgart, Danke für alles. Und: Hallo Hannover…

 

  • Die letzte Spielzeit von Zieler war nicht gerade berauschend. In 34 Spielen kassierte der Weltmeister 70 Gegentore, fast zwei  Gegentreffer pro Partie! Insgesamt blieb er nur sechsmal ohne Gegentreffer, seine kuriose Einwurf-Slapstick-Einlage zum Eigentor dürfte wohl jedem in Erinnerung geblieben sein. Insgesamt kassierte er drei gelbe Karten, recht ungewöhnlich für einen Schlussmann. Während der beiden Relegationsspiele gegen Berlin stand er ebenfalls zwischen den Pfosten – zeigte sich hier aber von seiner guten Seite und kassierte nur ein Gegentor. Zieler hat zweifelsohne die Qualität und es gibt Spiele, in denen er sehr gute Leistungen abliefert – die Konstanz war in der letzten Saison jedoch nicht vorhanden.

 

Seine Leistungen beim VfB waren durchwachsen – dies soll bei seinem zweiten 96-Engagement besser werden
  • Der dritte und vielleicht entscheidende Kritikpunkt ist die Überbesetzung auf der Torwartposition. Mit Michael Esser, Samuel Sahin-Radlinger, Leo Weinkauf, Philipp Tschauner und Ron-Robert Zieler hat 96 nun fünf Keeper in den eigenen Reihen – mindestens zwei müssen gehen. In den sozialen Netzwerken stärken viele Michael Esser den Rücken, er sei besser als RRZ. Was jedoch viele vergessen: Esser will weg aus Hannover und scheint von Erstligisten umworben zu werden – in erster Linie liebäugelt Fortuna Düsseldorf mit einer Verpflichtung. Es wird wahrscheinlich wie bereits 2015/16: Ron-Robert Zieler wird Hannovers Nummer eins, sein Ersatzmann heißt Philipp Tschauner. Essers Abgang dürfte mit der gestrigen Verpflichtung wohl bestätigt worden sein, er könnte Teil eines interessanten Deals mit Düsseldorf werden. Die Niedersachsen sind nämlich an Stürmer Duksch interessiert, welcher aktuell bei der Fortuna unter Vertrag steht. Wir dürfen gespannt sein, zu welchen Konditionen und wann dieses Geschäft über die Bühne geht.

 

Förderer und Zögling finden wieder zusammen…

Diese Geschichte sorgte in gesamt Fußballdeutschland für Schlagzeilen und müsste bei 96-Fans – eigentlich – das Herz aufgehen lassen. Mit Mirko Slomka und RRZ finden Förderer und Zögling wieder zusammen, die gemeinsame Geschichte ist rückblickend ein absoluter Erfolg. Im Jahr 2010 verpflichtet Bundesligist Hannover 96 den 21-jährigen Zieler aus der U23 von Manchester United – ablösefrei. Der damalige Trainer, Mirko Slomka, war erst seit ein paar Monaten im Amt und erkannte direkt das Potenzial des Schlussmanns – er war sein absoluter Wunschtransfer. In den ersten Monaten spielte er kaum eine Rolle, Florian Fromlowitz und Markus Miller bildeten die erste Riege bei 96. Am 18. Spieltag war es dann soweit, Zieler feierte sein Startelfdebüt – und was für eins: In der Fremde schlug man Eintracht Frankfurt mit 3:0. Hannover festigte den EL-Tabellenplatz! In den folgenden Wochen etablierte er sich als Stammspieler und durch einen 3:1-Sieg am letzten Spieltag gegen Nürnberg sicherte man sich die Europa League-Teilnahme! Was dann geschah, weiß jeder: zwei erfolgreiche Jahre auf der internationalen Bühne und drei Jahre im gesicherten Mittelfeld der Bundesliga. Davon kann man aktuell nur Träumen. Bereits in der Saison 13/14 trennten sich die Wege von Slomka und Zieler, nun haben die Erfolgsbringer wieder zusammengefunden. Und auch ein weiterer Europa League-Held steht bei 96 unter Vertrag, Manager Jan Schlaudraff. Rund um das Trio soll ein neues Team erwachsen, von der Zieler-Verpflichtung waren auch die beiden Verantwortlichen absolut überzeugt!

Ron-Robert Zieler ist genau der Typ mitspielender Torwart, den ich mir für unsere künftige Spielidee gewünscht habe. Er ist zudem ein Führungsspieler, der uns in jeder Hinsicht Stabilität geben wird. Nach Edgar Prib ist Ron-Robert Zieler ein weiterer Leuchtturm für unsere künftige Mannschaft. Beide werden auch für die jungen Spieler wichtige Typen sein, an deren Seite sie wachsen können.

Coach Slomka hat RRZ entdeckt und freut sich auf die erneute Zusammenarbeit mit seinem Schützling

 

Zieler selbst fiebert seiner neuen Aufgabe entgegen: Ich hatte unterschiedliche Optionen, habe mich aber ganz klar und bewusst für den Wechsel nach Hannover entschieden. Als sich die Möglichkeit ergeben hat, hierher zurückzukehren, stand für mich sofort fest, dass ich das machen möchte. Viele wichtige und unvergessliche Momente meiner Karriere verbinde ich mit meiner ersten 96-Zeit, und ich freue mich auch sehr darauf, wieder in dieser Stadt zu leben, in der ich noch immer viele Freunde habe. Ich komme wieder nach Hause.“ Wir sollten uns seiner Euphorie anschließen und ihn in Hannover erneut Willkommen heißen. 

 

 

 

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