Neun Neue für Hannover 96 – die Neuzugänge im Check Teil 2

Hannover 96 zählt zu den Favoriten in der 2. Bundesliga (Photo by AFP/SID/RONNY HARTMANN)

Für Hannover 96 lief der Saisonstart alles andere als optimal. Aus den ersten fünf Spielen holte das Team von Coach Slomka nur fünf Punkte, für einen Absteiger deutlich zu wenig. In Sachen Personalsituation hat sich derweil einiges getan – neunmal hat Jan Schlaudraff zugeschlagen.

Neun neue Spieler hört sich vorerst gut an, doch wenn man tiefer in die Materie einsteigt, wird einem bewusst, dass noch deutlich mehr hätte gehen können. Durch die Verkäufe von Bebou, Füllkrug, Walace und Co. haben die Roten knapp 24 Millionen Euro eingenommen, investiert wurden jedoch nur fünf Millionen. Der Absteiger will sich – so scheint es auf den ersten Blick – zum direkten Wiederaufstieg sparen, der Unmut unter den Fans ist nicht unberechtigt. Aus wirtschaftlicher Sicht kann sich der Vorstand nicht beklagen. In dieser Transferperiode erwirtschaftete man ein Plus von 18,9 Millionen Euro – Rekord! Vor drei Jahren sagte Präsident Kind jedoch, dass es finanziell deutlich lukrativer sei, direkt wieder aufzusteigen, anstatt Geld bei Spielergehältern und Neuverpflichtungen zu sparen. Kind betonte jedoch auch in einem Interview auf der vereinseigenen Homepage hannover96.de, dass nicht alle eingenommenen Ablösesummen sofort zur Verfügung stünden, sondern teilweise in Raten gezahlt würden. Wegen dieser Ratenzahlungen hätte man das Transferplus nicht sofort reinvestieren können.
Wie dem auch sei, der 96-Kader ist mittlerweile komplett, 27 Spieler stehen unserem Trainer zur Verfügung. Im Folgenden wollen wir unsere Neuzugänge in zwei Teilen einmal genauer beleuchten. Hier der zweite Part.

 

5. Dennis Aogo

Am Deadline-Day hat Jan Schlaudraff unter anderem Dennis Aogo an die Leine geholt. Aogo ist der vierte gelernte Linksverteidiger im Kader von 96, soll aber im defensiven Mittelfeld zum Zug kommen. Hier ist auch dringend Verstärkung nötig, die sieben Gegentore sprechen für sich. Darüber hinaus konnte Kapitän Bakalorz bis dato nicht an die Leistungen der letzten Spielzeit anknüpfen und es entstand ein Defizit im Rückraum. Der 12-fache Nationalspieler stand zuletzt beim VfB Stuttgart unter Vertrag, dieser wurde aber nicht verlängert. Beim Geheimtest gegen Bremen wusste er durchaus zu überzeugen, immerhin äußerte sich Coach Slomka nach der Partie sehr positiv über seinen Neuling. Auch in Stuttgart agierte er letzte Saison als defensiver Mittelfeldspieler – seine robuste, aber faire Spielweise zeichnen ihn aus. Der gebürtige Karlsruher bringt eine Menge Erfahrung mit, insgesamt hat er 336 Erst- und Zweitligaspiele absolviert (13 Tore und 39 Vorlagen). Mit dieser Erfahrung kann er die jungen Spieler anleiten – Aogo hat das Zeug zum Führungsspieler.

Unser Fazit: Mit der Verpflichtung von Aogo hat man nichts falsch gemacht, im Gegenteil. Da der Vertrag beim VfB nicht verlängert wurde, kam er ablösefrei an die Leine und unterschrieb vorerst für ein Jahr. Seine Erfahrung ist Gold wert, außerdem brauchen wir einen zusätzlichen Stabilisator im Mittelfeld. Jetzt mal etwas aus dem Nähkästchen: Ich mache derzeit ein Praxissemester bei Sport1 (im Doppelpass) und hier war Dennis Aogo vor ein paar Wochen zu Gast. Er ist ein total bodenständiger Typ und sehr sympathisch. Er vertritt die klassischen Werte des Fußballs, was in erster Linie den Fans gefallen dürfte. Damals habe ich gescherzt, dass er zu 96 kommen soll (ich konnte mir nicht vorstellen, dass er das wirklich macht), nun ist er also da. Wir können uns alle freuen, er bereichert uns sowohl als Typ, als auch als Spieler.

Aogo bringt die nötige Erfahrung mit und kann die jungen Spieler anleiten

 

6. Marc Stendera

Ein weiterer Stabilisator für das Mittelfeld könnte Marc Stendera sein. Auch er kam am Deadline-Day ablösefrei nach Hannover, nachdem er zuvor seinen Vertrag bei Eintracht Frankfurt aufgelöst hatte. Über die Personalie Stendera wurde schon lange diskutiert, auch ein Wechsel im letzten Transferfenster stand lange im Raum. Nun ist der 23-Jährige endlich in Hannover angekommen, nach eigener Angabe stand er schon lange mit den Offiziellen in Kontakt. Stendera stammt aus der Jugend der Eintracht und bringt zweifelsohne viel Talent mit, nicht umsonst hat er alle U-Nationalmannschaften durchlaufen. Dieses Talent konnte er zuletzt aber kaum unter Beweis stellen, bei den Frankfurtern wurde er regelrecht ausgemustert. In der letzten Saison brachte er es lediglich auf 103 Ligaminuten. Auch Stendera durfte beim Test gegen Bremen ran – das Fazit war ebenfalls gut. Aber wir bei Aogo gilt: Er muss Taten sprechen lassen.

Unser Fazit: Auch der Transfer von Stendera war ein guter. Er wurde ebenfalls ablösefrei verpflichtet, daher ist das Risiko vergleichsweise gering. Über die Veranlagung von Stendera braucht man nicht zu diskutieren, er muss jedoch das Praxis-Defizit aufholen. Ob es direkt für einen Startplatz reicht, ist zu bezweifeln – aber ein guter Back-Up ist er allemal.

 

7. Emil Hansson

Den Transfer von Emil Hansson kann man mit einer Eins mit Sternchen versehen. Der Schwede gilt als einer der größten Offensivtalente seines Landes, auf den Flügelpositionen wird er den Talenten Maina und Muslija ordentlich Druck machen. In den letzten beiden Spielen durfte er jeweils kurz ran, hier blitzte sein Talent jeweils auf – zu Scorerpunkten reichte es aber noch nicht. Seine absolute Stärke ist sein Tempodribbling, gepaart mit seinem starken rechten Fuß ist der 21-Jährige brandgefährlich. In der letzten Spielzeit schoss er Waalwijk quasi im Alleingang zum Ligaerfolg – am Ende standen 13 Tore und 12 Vorlagen auf der Habenseite. Das beste an diesem Transfer ist der Preis. Schlaudraff konnte ihn für nur 450 Tausend Euro von Feyenoord Rotterdam verpflichten – ein absolutes Schnäppchen! Hansson ist ein Spieler, der auch mit nach hinten arbeitet, diese Eigenschaft wurde zuletzt vermisst. In seinen ersten Minuten überzeugte er darüber hinaus mit einer Passquote von 80 Prozent (sowohl Kurz- als auch Langpässe).

Unser Fazit: Die Verpflichtung von Hansson ist unserer Meinung nach der absolute Sahne-Transfer. Man hat sich einen hoch veranlagten Spieler für eine Witz-Summe gesichert. Es war nicht nur ein Transfer für die aktuelle Spielzeit, sondern ein Transfer für die Zukunft. Und erneut etwas aus dem Nähkästchen: Da ich halber Niederländer bin, verfolge ich den holländischen Fußball etwas intensiver. Hansson hat in der letzten Saison wirklich enorm zugelegt und sich extrem weiterentwickelt. Viele werden sagen, es war ja nur die zweite niederländische Liga – doch sein Potential wird er mit Sicherheit auch bei uns ausschöpfen.

 

8. Cedric Teuchert

Cedric Teuchert ist ein weiteres Talent, welches sich bei seine ehemaligen Arbeitgeber (Schalke 04) nicht wirklich durchsetzen konnte. Er wurde zunächst für ein Jahr ausgeliehen, danach hat 96 eine Kaufoption. In seinen ersten Spielen hinterließ der U21-Nationalspieler einen guten Eindruck, seine Spielübersicht ist seine beste Waffe. Er konnte bislang einen Treffer vorbereiten. Seine Passquote liegt bei guten 70 Prozent und auch seine Dribblings sind von guter Qualität. Bemerkenswert ist die Variation in seinem Spiel, Teuchert ist für die Gegenspieler sehr schwer zu lesen, für 96 ein absoluter Vorteil. Er wirft sich in viele Zweikämpfe und trotz seines jungen Alters hat er eine erstaunlich reife Mentalität.

Unser Fazit: Teuchert kann 96 bereichern, ebenfalls wir Hansson ist er ein Spieler für die Zukunft. Er steht sinnbildlich für den Umbruch. In seinen ersten Spielen hat er bereits gezeigt, wie wichtig er für das Team ist. Er strahlt dauerhafte Torgefahr aus und ist extrem unangenehm zu bespielen. Seine Quirligkeit und seine Übersicht sind ein wahrer Gewinn für den 96-Sturm.

 

9. Marvin Duksch

Zu Marvin Duksch brauchen wir eigentlich nicht all zu viel sagen, seine fünf Scorerpunkte (2 Tore, 3 Vorlagen) sprechen Bände. Der ehemalige Torschützenkönig der zweiten Liga konnte sich bei Düsseldorf nicht durchsetzen, seine glorreiche Kiel-Zeit scheint er nun bei 96 fortzusetzen. Seine Größe (1,88 Meter) ist extrem wichtig für das Kopfballspiel, zusammen mit Hendrik Weydandt verfügt man nun über eine sehr präsente und körperlich starke Doppelspitze. Sein Abschluss bringt zusätzliche Qualität in das Spiel: Zum einen hat er einen strammen Schuss und er hält gerne einfach mal drauf, zum anderen kann Duksch die Bälle butterweich platzieren. Die Statistiken aus den ersten Ligaspielen waren sehr überzeugend, einzig in Sachen Ballkontrolle muss er noch etwas nachlegen.

Unser Fazit: Marvin Duksch ist der Stoßstürmer, den 96 gesucht hat. Mit Hendrik Weydandt bildet er eine starke und präsente Doppelspitze. Sein Abschluss ist sehr stark, darüber hinaus hat er die klassische Abstauber-Mentalität. Einer der Top-Transfers von Schlaudraff.

 

Unter dem Strich sind wir von der Arbeit von Jan Schlaudraff begeistert. In seiner ersten Transferphase konnte er gleich neun Spieler in die Landeshauptstadt holen und dabei ein Transferüberschuss von 20,25 Millionen Euro generieren! Grundsätzlich schätzen wir die Verpflichtungen in der Offensive etwas stärker ein, als die in der Defensive. Mit Aogo und Stendera konnte man auf den letzten Drücker zwei begabte Spieler für das Mittelfeld engagieren. Sie könnte dem Team die nötige Stabilität verleihen. Der Saisonstart war nicht perfekt, das wissen alle. Nichtsdestotrotz ist das Team erst jetzt vollständig und erst jetzt kann man sich zu 100 Prozent auf seine Mitspieler einstimmen. Wir sind zuversichtlich, dass wir schon gegen Bielefeld eine Leistungssteigerung sehen werden. 

 

 

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