Neues Jahr, neues Glück? Hannover 96 will auch ohne seinen Starspieler in Regensburg punkten

Kocak will den Druck über die Außen weiter erhöhen, mit Linton Maina kehrt einer der wenigen Hoffnungsträger zurück

Am morgigen Dienstag startet Hannover 96 in das Pflichtspieljahr 2020, es soll viele besser werden als im letzten Jahr. Zum Auftakt reist das Team von Kenan Kocak nach Regensburg, der SSV liegt in der Tabelle sechs Plätze vor den Roten. Auch wenn es Boss Kind nicht gefällt, Regensburg ist derzeit der absolute Maßstab. Der Aufstieg ist aktuell natürlich kein Thema, hingegen muss man aufpassen, dass das Abstiegsgespenst nicht zurückkehrt…

Der Abstand zum Relegationsplatz 16 (1. FC Nürnberg) beträgt lediglich drei Punkte, die Roten benötigen schnellstens Punkte. Das Hinspiel gegen Regensburg endete „nur“ 1:1-Unentschieden, mit einem solchen Ergebnis wäre morgen wohl niemand wirklich zufrieden. Das Ziel ist der Dreier, auch wenn mit Hendrik Weydandt der spielstärkste Stürmer (6 Tore, 2 Vorlagen) ausfällt. Hinsichtlich seiner Zwangspause hat man Glück im Unglück. Mit John Guidetti steht ein weiterer robuster Stürmer in den Startlöchern, der Winterneuzugang ist ein ähnlicher Spielertyp wie Weydandt. Geplant war die Doppelspitze Guidetti/Weydandt, letzterer dürfte nun durch Marvin Ducksch ersetzt werden (6 Tore, 5 Vorlagen). Die Alternative, die Rückkehr zur Solo-Spitze, sollte Kocak gar nicht erst in Betracht ziehen, denn das jüngste Ligaspiel gegen Stuttgart hat gezeigt, dass 96 mit Doppelsturm deutlich effektiver ist. Darüber hinaus hat man im Mittelfeld mit Dominik Kaiser einen kreativen Vorbereiter dazugewonnen, diese Chancen sollte man sich nicht kaputt machen.

Dominik Kaiser war die Führungsfigur in Leipzig, in Hannover will er einen ähnlichen Stellenwert erlangen

Der Ex-Leipziger könnte ohnehin eine tragende Rolle im System von 96 einnehmen. Der 31-Jährige trumpfte in den letzten Monaten mit einer starken Passquote von 83,2 Prozent auf, darüber hinaus scheut er keine Zweikämpfe. Pro Partie sucht er das eins gegen eins durchschnittlich 13,3 Mal auf, er könnte der Pirmin Schwegler 2.0 werden. Seine Erfahrung und seine mentale Stärke sind perfekt für Hannover. Zusammen mit dem aufblühenden Marc Stendera soll er das Zentrum durchwühlen. Apropos Stendera, wohl kaum einer ist so heiß auf den Rückrundenstart wie er. Nach eigenen Angaben ist er topfit, mit seiner Vorbereitung ist er zufrieden. In elf Spielen gab er drei Torvorlagen, die Scorerpunkte sagen jedoch nichts über seinen Stellenwert aus. Stendera ist die Art Spielertyp, welcher ein komplettes Team motivieren kann und gerne auch mal selbst das Heft in die Hand nimmt. Auch wenn manche Aktionen überhastet sind, er traut sich wenigstens und strotzt vor Selbstvertrauen. Dieses Duo im Mittelfeld dürfte allen Hannoveranern Hoffnung machen.

Die größte Baustelle ist nach wie vor die Defensive. Es wurde Verstärkung versprochen, bis dato ist von dieser aber noch keine Spur. Zuletzt hieß es von Kind, dass neue Spieler von der Personalie Marcel Franke abhängig sind. Nun ja, Franke hat seine Verletzung zwar überstanden, aber ob er 100-prozentig fit ist weiß niemand. Es steht außer Frage, dass man Verstärkung vor dem Regensburg-Spiel gebraucht hätte, die 30 Gegentreffer aus der Hinrunde sind eine absolute Blamage. Es gibt die Möglichkeit, wieder mit einer defensiven Dreierkette, wie gegen Stuttgart (Horn – Elez – Anton), aufzulaufen, die mittlerweile entspanntere Personalsituation lässt aber auf eine andere Variante schließen. Eine Dreierkette wäre gegen die schnellen Flügelstürmer von Regensburg (die Flügelspieler Stolze und George kommen auf 18 Scorerpunkte) Harakiri, außerdem braucht man zwei robuste Innenverteidiger gegen die Doppelspitze Grüttner/Albers (12 Tore, 6 Vorlagen). Die wohl plausibelste Variante ist es, Waldemar Anton aus dem defensiven Mittelfeld zurückzuziehen und ihn als Konstante in der Innenverteidigung einzusetzen. Es ist allen bewusst, dass er im Mittelfeld eine deutlich besser Figur abgab, den Niedersachsen fehlen aber die Alternativen. Sofern es noch nicht für 90 Minuten reicht, dürfte Josip Elez als Antons Partner auflaufen. Wie bereits erwähnt, haben die Regensburger vier extrem effektive Spieler in der Offensive, Flanken und Vorstöße über die Flügel sind hierbei ein gerne gesehenes Mittel. Folglich sollte man dringendst auf zwei Außenverteidiger setzen. Hier wären Albornoz und Korb die mit Abstand beste Wahl.

Uns erwartet ein spannendes Spiel in der Continental Arena, der Blick auf die Auswärtstabelle ist dabei ein letzter Ansporn. In der Fremde holte Hannover 96 13 Zähler und liegt damit auf dem dritten Tabellenplatz. An diesem Trend will man festhalten.

 

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