Mit gesunder Skepsis in die Sommerpause

Kolumnist Frank hat keine große Erwartungshaltung bei den Transfers

Trainer Mirko Slomka mit seinem früheren Spieler Jan Schlaudraff. Mittlerweile ist Schlaudraff Sportdirektor - und Slomka als Trainer zurück. Foto: Getty Images

Unser Kolumnist Frank Meyer wurde von der Personalie Mirko Slomka überrascht. Die Erinnerungen hat den Kleinkrieg zwischen Slomka und Schmadtke sind bei ihm noch wach. Hat Slomka trotzdem eine zweite Chance verdient? Lest hier die neue Kolumne von „Frank sieht rot“.

Mit Sportdirektor Schlaudraff und Trainer Slomka ist endlich die Entscheidung über die wichtigsten Posten gefallen. Mich haben jetzt beide Personalien etwas überrascht. Die eine mehr (Slomka), die eine weniger (Schlaudraff). Schlaudraff ist sehr angesehen bei den Fans und ist ein „Roter“, unvergessen seine Tore in der Europa League. Er hatte ja nun schon einen Vertrag als „Geselle des Sportdirektors“, egal wie der nun geheißen hätte. Kandidaten waren ja genug im Rennen seit Heldts Entlassung. Meine Favoriten Krösche und Boldt haben sich nun anderweitig entschieden. Ich hätte gern einen von beiden hier gesehen… Jung und trotzdem mit Erfahrung. Woran es gescheitert ist, wissen nur die direkt Beteiligten. Wetten, dass es auch am Geld lag? Krösche wird bei Leipzig mehr verdienen als wir jemals bieten könnten, bei Boldt (Hamburger SV) wird es ähnlich sein.

Nur was ich nicht verstehe: Wenn man jetzt Schlaudraff den Sportdirektorposten zutraut, wozu dieses lange Rumgeeiere im Vorfeld? Hier wurde wertvolle Zeit verplempert. Man hätte mit der Kaderplanung schon so viel weiter sein können! Zudem hätte man in den letzten Wochen den Spielern schon Bescheid geben können, ob man mit ihnen plant oder nicht. So haben sie sich in der Zwischenzeit andersweitig umgeschaut, siehe Bakalorz. Tja, da haben wir den Zeitvorteil verschenkt, den wir durch den quasi feststehenden Abstieg seit März hatten.

Ein übergeordnetes Konzept für 96 entwickeln

Schwamm drüber. Man hat ja nun einen Sportdirektor, nun kann es in die Vollen gehen. Ich teile den Ansatz von Martin Kind, dass man endlich eine Philosophie entwickeln will, für die Hannover 96 steht. Tim Block hatte das in einem seiner früheren Artikel gut beschrieben: Für welche Art von Fußball soll 96 stehen? Dieses Konzept muss durchgängig von den Profis bis zur Jugend in der Akademie angewandt werden.

Und noch einmal Zustimmung für Martin Kind: Ich bin wie er ein Freund des „Hannover Models“. Es kann Identität stiften und den Zusammenhalt von Club, Fans und Mannschaft fördern. Kind hat vollkommen recht, dass es Zeit für einen Neuanfang ist. Doch da kommt die zweite Personalie ins Spiel. Der neue Trainer Mirko Slomka. Dass sein Name immer zur Debatte stand, wenn hier ein Trainer gesucht wird – naja, nicht umsonst ist Slomka der Liebling der hiesigen Boulevardpresse. Nur war Martin Kind immer vernünftig genug, in dem Fall nicht auf die Hauspostille mit den vier großen Buchstaben zu hören. Bis jetzt.

Aufgewärmter Kaffee schmeckt selten gut

Mit Blick auf die Personalie Mirko Slomka fiel mir direkt der Vergleich ein: Aufgewärmter Kaffee schmeckt oftmals bitter. Da hilft dann auch ein Schuss frische Milch nur bedingt. Der Vergleich „Sex mit der Ex“, den die Macher im ansonsten hörenswerten Podcast Vorwärts nach weit gezogen haben (viele Grüße an dieser Stelle), ist mir dann aber doch zu platt. Schließlich hoffen wir alle trotzdem darauf, dass das Duo Slomka/Schlaudraff länger zusammenarbeitet als nur für eine Nacht. Dennoch war es unterste Schublade, wie Slomka sich 2013 von Hannover 96 verabschiedet hat. Ich erinnere mich nur zu gut: Die Schmierenkampagne der Boulevardpresse gegen Jörg Schmadtke, die sogar ins Persönliche und Familiäre abgedriftet war… damals war Slomka, der keinerlei Einwände gegen diese Kampagne zu haben schien, für mich menschlich unten durch.

Doch hat nicht jeder eine zweite Chance verdient? Natürlich darf man Slomka seine vorherigen Erfolge nicht in Abrede stellen. Klassenerhalt, vierter Platz in der Bundesliga, zweimal Europa League. Ob Slomka sich menschlich wirklich zum Besseren verändert hat, wird wohl nur die Zeit zeigen. Für einige Fehler – wenn auch nicht für den Kleinkrieg mit Schmadtke – hat er sich ja entschuldigt. Dennoch bringe ich prinzipiell eine gesunde Skepsis mit, auch in diesem Falle.

Nächste Saison sind auch Niederlagen erlaubt

Sei es, wie es ist, am Ende ist Fußball Ergebnissport. Die Sommerpause wird nicht langweilig werden. Die Rahmenbedingungen für die neue Saison sind alles andere als gut. Die Lizenz wurde nur unter Auflagen erteilt, mit Füllkrug und Bebou waren zwei Spieler logischerweise nicht zu halten, die den Unterschied in der zweiten Liga ausgemacht hätten.  Was mit Anton wird, zeigt die Zeit und die finanzielle Situation. Kommt ein Superangebot (12 Millionen plus x), wird man den Fehler, den man letzte Sommerpause bei Füllkrug gemacht hat, hoffentlich nicht wiederholen.

Bei den Transfers sind meine Erwartungen angesichts des Minus der KGaA verhalten. Im besten Fall hat man zum Saisonstart eine junge hungrige Truppe zusammen, die oben mitspielt und begeisternden Offensivfußball spielt. Dann verzeiht man auch mal Niederlagen. Ich werde die Vorbereitung intensiv beobachten und mich gegebenenfalls zu Wort melden.

Rote Grüße, euer Frank

 

1 Kommentar

  1. Lieber Frank. Da hast Du wieder einen tollen Artikel geschrieben. Ja, jeder hat eine zweite Chance verdient. Auch Mirko Slomka. Ich habe diese Personalie sehr begrüßt. Warum wird man mich sicher fragen. Nun, ganz einfach. Er kennt 96, das Umfeld, und hat einige Erfahrungen. Natürlich war sein Abgang nicht gerade vorbildlich. Er, hat sich zumindest bei den meisten Fehlern, die er zweifellos begangen hat, entschuldigt. Spricht auch für ihn. In einem Punkt bin ich allerdings ganz anderer Meinung. Jörg Schmadtke ist sicherlich ein ausgezeichneter Manager, hat er ja auch hier schon sehr gut unter Beweis gestellt. In dieser Posse nun aber Slomka als den Grund seiner " Flucht" zu bezeichnen ist mir viel zu einfach. Ich kann mich sehr gut daran erinnern, dass Schmadtke schon viel früher von 96 weg wollte. Die Stelle in Düsseldorf war ja noch nicht besetzt. Die offizielle Lesart war aber eine andere. Nämlich, dass er wieder näher an seiner Familie arbeiten wollte. Martin Kind hat mit ihm dann den Deal abgemacht nur noch Halbtags bei 96 zu arbeiten. Übrigens laut Vereinsangaben ohne Gehaltsverlust. Das Hr. Schmadtke dann doch 96 sehr schnell verlassen hat, lag dann wohl eher an der Verpflichtung eines 1,90 Meter großen Brasilianers, der dann aber doch nur 1,82 Meter groß war. Hr. Schmadtke hat sich damals nur auf Aussagen, und Videos der Berater, und Spielervermittler verlassen. Das hat dann zur Folge gehabt, dass sich Slomka, und Schmadtke final zerstrittenen hatten. Hr Schmadtke mag nun Mal keine Leute die eine andere Meinung haben als er. Und das ist bei 96 kein Einzelfall. In Aachen tolle Arbeit am Anfang gemacht. Dann wurde es aber schwieriger, auch mit Hecking, der damals Trainer in Aachen war. Was hat Schmadtke gemacht????? Richtig, das Weite gesucht. Genauso in Hannover. Auch beim 1.FC Köln. Als er komische Transfers tätigte, bekam er sich mit dem Trainer etwas in die Wolle. Was hat Schmadtke gemacht???? Ja, genau richtig, er ist abgehauen. Und jetzt in Wolfsburg, versteht er sich mit Labadia nicht so gut. Nur jetzt hat er keinen Grund abzuhauen, diesmal war der Trainer schneller. Zu jeder Geschichte gehören zwei Seiten. Hier bei uns in Hannover hört man das gar nicht gerne. Schmadtke war, und ist es in den Augen der meisten 96 Fans ja immer noch, ein Übermanager. Darum musste ich das jetzt Male los werden. Es lag nicht nur an Slomka. 

    Auf eine , hoffentlich, tolle neue Saison, an deren Ende der sofortige Wiederaufstieg steht.

    Euer Harry96

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