Kracher-Duell zum Ligaauftakt: So kann 96 Punkte aus Stuttgart entführen

Am morgigen Freitag ist es endlich soweit, der Ball rollt wieder. Zwar spielt 96 jetzt in der zweiten Bundesliga, doch die Paarung liest sich wie eine absolute Erstligapartie. Um 20.30 gastieren unsere Roten beim VfB Stuttgart – das Duell zweier Absteiger und zweier absoluten Traditionsvereine. Ein schöneres Spiel zum Ligastart könnte es kaum geben…

Viele Fans fragen sich, wohin die Reise am Ende der Saison gehen wird – doch mit dieser Frage sind die Anhänger nicht alleine. Auch die Verantwortlichen haben die Erwartungen im Vorfeld ordentlich gedämpft, empfindet man den eigenen Kader etwa als zu schlecht? Diese Frage ist klar mit Nein zu beantworten, Coach Slomka ist von seinen Jungs absolut überzeugt. Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel hob er noch einmal die starken Trainingsleistungen hervor und auch in der Kaderbreite sei man, Stand jetzt, absolut konkurrenzfähig. Mit der Aussage, „der VfB Stuttgart sei für ihn der absolute Aufstiegsfavorit“, schob Slomka den Druck schön an die Schwaben ab. Nahezu im gleichen Atemzug hob er jedoch die Erwartungen der eigenen Fans wieder an, denn sein Team sei „außergewöhnlich gut“ auf das morgige Spiel vorbereitet. Das Gerede im Vorhinein ist ja immer ganz heiter, doch wie heißt es so schön: Was zählt, ist auf dem Platz!

 

Alle warten gespannt darauf, was die Hannoveraner auf dem Platz abliefern, fest steht nur, dass Timo Hübers, Cedric Teuchert, Jonathas und Walace nicht mit nach Stuttgart fahren. Das Fehlen der beiden Brasilianer könnte bereits auf einen Wechsel hindeuten, denn verletzt sind sie nicht.

Wie dem auch sei, wer sich an die zurückliegende Slomka-Ära erinnert, der weiß, dass der 51-Jährige auf absoluten Tempo-Fußball steht. Die Möglichkeit zum Tempospiel hat er mit dem aktuellen Kader allemal. Es ist gut denkbar, dass 96 morgen mit der Doppelspitze Weydandt/Duksch auflaufen wird – wir haben da mal ein paar Taktikspielchen gemacht. Denkbar wäre sogar ein 4-2-2-2-System, neben der Doppelspitze könnte man so die Flügelflitzer Mulija und Maina von Beginn an bringen. Im Angriff hätte man so ein ungeheures Tempo, sowie zwei kopfballstarke und abschlussstarke Stoßstürmer. Auch die physische Präsenz im gegnerischen Strafraum wäre so gegeben. Mögliche Flanken von den Außenbahnen sprechen für diese Taktik.

Egal ob 4-2-2-2 oder 4-3-3, Weydandt soll 96 zum ersten Sieg ballern

In früheren Zeiten ließ der Coach aber auch gerne im 4-3-3-System spielen, die „klassische“ offensive Ausrichtung. In einem solchen Fall würde höchstwahrscheinlich Marvin Duksch vorerst auf der Bank Platz nehmen müssen, das Trio Muslija/Weydandt/Maina bliebe bestehen. Für diese Taktik würde sprechen, dass man durch den zusätzlichen Mittelfeldspieler etwas mehr Kontrolle im Spielfeld-Zentrum hätte. Im Mittelfeld dürfte lediglich Kapitän Marvin Bakalorz gesetzt sein, aber auch die Chance für ein Startelf-Einsatz von Edgar Prib dürften gut stehen. Es ist gut möglich, dass Prib neben „Baka“ auflaufen wird und das defensive Mittelfeld komplettiert – an dieser Stelle merkt man schon, dass 96 noch mindestens einen Mittelfeldakteur benötigt. Wer der dritte mögliche Mann im Bunde sein könnte, steht noch in den Sternen.

Die Optionen sind begrenzt: Man könnte Genki Haraguchi in das zentrale offensive Mittelfeld stellen, aber eine solch offensive Variante wäre schon wieder zu viel des Guten. Darüber hinaus konnte der Japaner in der Vorbereitung nicht wirklich überzeugen. Slomka könnte auch überraschen und einen Iver Fossum oder einen Niklas Tarnat in das zentrale Mittelfeld stellen. Für Tarnat kommt ein Starteilfeinsatz, unserer Meinung nach, aber noch zu früh. Fossums Leistungen sind unberechenbar, er leidet unter großen Schwankungen und sein Einsatz würde ein gewisses Risiko mit sich bringen. Die wohl realistischste Variante ist, sofern das 4-3-3-System zur Anwendung kommt, dass Waldemar Anton aus der Abwehrreihe vorgezogen wird und als „Sechser“ spielt. Dies hat Anton in den letzten beiden Jahren häufiger gemacht und dabei zumeist überzeugt.

 

Dann stellt sich natürlich die Frage, wer in der Abwehrkette steht. Gesetzt sein dürfte Neuzugang Marcel Franke. Alles spricht für Felipe als zweiten Innenverteidiger. Der Brasilianer spielte eine gute Vorbereitung, bringt die nötige Erfahrung und die nötige Physis mit. Er muss sich jedoch in heiklen Situationen zusammenreißen und darf sich nicht provozieren lassen. Auf der linken Seite dürfte Miiko Albornoz zum Zug kommen, allerdings eher aufgrund von mangelnden Alternativen. Als Back-up wird mit Chris Gloster geplant, ein Startelfeinsatz dürfte für den Shootingstar aber ebenfalls noch zu früh kommen. Auf der rechten Seite gibt es einen offenen Zweikampf zwischen Neuzugang Jung und Julian Korb.

Wir dürfen gespannt sein, welche Jungs am Freitag auflaufen, die Torwartfrage ist derweil schon beantwortet. Ron-Robert Zieler wird im Kasten stehen, die Nummer zwei ist Michael Esser. Die Personalie Zieler dürfte morgen ohnehin die interessanteste sein, immerhin trifft der 30-Jährige mit seinem „Heimat-Verein“ 96 auf seinen Ex-Verein Stuttgart.

RRZ kehrt zurück an seine alte Wirkungsstätte – und will den 96-Kasten sauber halten

Für die Schwaben absolvierte er insgesamt 74 Spiele und blieb dabei 19-Mal ohne Gegentreffer. Nun kämpft er also gegen den VfB und wird versuchen, den Kasten der Roten zu verriegeln. Angesichts der guten Offensivkräfte der Stuttgarter alles andere als ein leichtes Unterfangen. Wir dürfen gespannt auf seinen Empfang in der Mercedes-Benz Arena blicken.

Der zweite brisante Punkt ist natürlich die gemeinsame Historie von 96 und Stuttgart. In der Saison 2015/16 stand am Ende für beide der bittere Abstieg fest – nur wenige Monate später stieg man zusammen wieder auf. Es folgte für beide eine recht turbulente Saison – am Ende führte Ex 96-Trainer Korkut die Schwaben sogar fast in die Europa-League. Die Roten landeten am Ende auf Platz 13 und konnten ebenfalls zufrieden sein. Die Zufriedenheit hielt jedoch nicht lange an, denn in der letzten Saison ging es für beide wieder runter. Im Endeffekt lässt sich sagen, dass der Abstieg der Schwaben noch bitterer war, denn in der Relegation zog man den Kürzeren. Die Begegnungen zwischen 96 und Stuttgart waren in den letzten vier Jahren immer von ordentlicher Brisanz geprägt – so auch das Spiel morgen. By the way: Das letzte Zweitliga-Auswärtsspiel in Stuttgart gewann Hannover 96 am 12.12.2016 mit 2:1!

In diesem Sinne,
auf ein schönes Spiel und eine geile Saison!

 

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