Kocak will Hannover 96 frischen Wind einhauchen. Die Vorschau aufs Darmstadt-Spiel

Am Montag ist es endlich so weit, das Debüt für Coach Kenan Kocak steht an. Der 38-jährige Fußballlehrer will die Roten zurück in die Erfolgsspur bringen, viel Anlaufzeit hat er aber nicht. Aktuell belegt der Absteiger einen miserablen 16. Tabellenplatz – angesichts der zuletzt gezeigten Leitungen ist ein negativer Durchmarsch in die dritte Liga keine Utopie mehr. Gegen den SV Darmstadt 98 muss zwingend der erste Heimsieg her, ansonsten wird es immer düsterer…

 

Böse Zungen bezeichnen Kocak als den neuen Tayfun Korkut, dabei wäre ein ähnlicher Start alles andere als schlecht. Letzterer gewann seine ersten beiden Spiele als 96-Trainer, unter dem Strich hieß es 3:1 gegen Wolfsburg und 3:1 gegen Gladbach. Solche Ergebnisse dürfte wohl jeder blind unterschreiben, doch hat Hannover 96 derzeit die Qualität um den SV Darmstadt und den FC St. Pauli an die Wand zu spielen? Alle die das Spiel in Heidenheim gesehen haben würden auf diese Frage klar mit Nein Antworten, doch fest steht aktuell nur eins: Unter Kocak heißt das Erfolgsmotto „Back to the roots“. Die Bestätigung, dass Marvin Bakalorz Kapitän bleibt, unterstrich dieses Motto.

„Es bleibt alles beim Alten. Marvin Bakalorz ist ein wichtiger Spieler für uns, sowohl auf dem Platz als auch außerhalb des Platzes.“

Diese Aussage lässt durchblicken, dass Baka dauerhaft zurück in die Startelf rücken könnte. Hier bietet sich das kommende Spiel sehr gut an, denn mit Marcel Franke fällt ein etatmäßiger Innenverteidiger weg. Es ist wahrscheinlich, dass Waldemar Anton diese Position besetzen wird und somit wäre die Rolle als Sechser wieder frei. Hier kommt Bakalorz wieder ins Spiel. Hinter einem Einsatz von Dennis Aogo steht noch ein großes Fragezeichen, Bahn frei für unseren „Steuermann“. Wenn man die letzten beiden Heimspiele der zurückliegenden Saison betrachtet (1:0 gegen Mainz und 3:0 gegen Freiburg), stellt man fest, dass die Konstellation (mit Baka und Anton) hier wunderbar funktioniert hat. Zweiter Innenverteidiger dürfte wohl Josip Elez sein. Bei insgesamt 22 Gegentreffern von einem „stabilen Verteidiger“ ist natürlich Quatsch, mit einer Passquote von 88 Prozent und einer Zweikampfquote von knapp über 60 Prozent gehört er zu den besten Defensivspieler im Hannover-Kader. Kocak hat sich in seinen ersten Amtstagen aber auch für den Brasilianer Felipe starkgemacht. Unter Slomka hatte er zumeist das Nachsehen, nun fehlt ihm die Praxis. Dabei machte der 32-Jährige gar keinen schlechten Eindruck, eine durchschnitts-Passquote von 91,8 Prozent und eine Kopfballquote von ca. 70 Prozent rechtfertigen seinen Startelf-Anspruch. Allen voran die letztere Eigenschaft wird bei den Standards dringend benötigt. Julian Korb konnte zuletzt ebenfalls nicht überzeugen, für ihn dürfte ein Rückkehrer die Abwehr komplementieren. Sebastian Jung, welcher lange aufgrund von Adduktorenbeschwerden ausfiel, scheint wieder fit zu sein. Auf der rechten Abwehrseite wird insbesondere seine Schnelligkeit und seine Flankengenauigkeit gebraucht. 

Über mehr Flanken würden sich auch unsere Stürmer Weydandt und Ducksch freuen. Gegen Heidenheim hingen sie beide komplett in der Luft, allerdings kamen aus dem Mittelfeld auch kaum brauchbare Zuspiele. Weydandt kämpft, unabhängig vom Ergebnis, unermüdlich – von Ducksch ist dies nicht zu behaupten. Der ehemalige „Mister 100 Prozent“ ließ sich von der negativen Gesamtstimmung beeinflussen und wirkte abwesend. In den letzten beiden Partien gelang ihm kaum etwas, seine Schussquote lag bei 15 Prozent und auch seine Zweikämpfe gingen regelmäßig verloren (lag bei 30 Prozent). Nichtsdestotrotz dürfte er auch gegen Darmstadt auflaufen – mangels Alternativen. Eine Alternative wäre Cedric Teuchert gewesen, er verletzte sich jedoch im Abschlusstraining und zog sich einen Jochbeinbruch zu. Er wird heute operiert und auf unbestimmte Zeit ausfallen. An dieser Stelle alles gute und eine schnelle Genesung, Cedi! Henne hingegen ist gesetzt, unser Topstürmer (5 Tore) konnte gegen Heidenheim zwar auch keine Akzente, er ackerte aber unermüdlich und war, mal wieder, der mit Abstand beste Hannoveraner. In seiner Rückwärtsbewegung hat er beispielsweise drei Konter der Heidenheimer abgefangen, solche Arbeitstiere gibt es im derzeitigen Kader leider zu wenige.

Auch im Mittelfeld muss sich einiges tun, die Zuspiele in die Spitze waren zuletzt absolute Mangelware. Gegen Heidenheim probierte man es mit dem Duo Hansson(LM)/Haraguchi(RM), das Experiment ging jedoch komplett schief. Beide Spieler hingen komplett in der Luft und konnten keine Akzente setzen. Hansson Schnelligkeit geriet komplett ins Vergessen, denn er ließ zu viele Bälle verspringen. Dem Japaner gelangen derweil nur 52 Prozent seiner gesamten Aktionen, zu wenig für Liga zwei. Marc Stendera dürfte mit ziemlicher Sicherheit zurück in die Startelf rücken, an seiner Seite wird ein dribbelstarker Spieler benötigt. Die Verpflichtung von Kenan Kocak dürfte Florent Muslija zurück ins Rampenlicht rücken.

Hoffnungsträger Florent Muslija könnte zurück in die Startelf zurückkehren. Das Flügelspiel könnte somit forciert werden.

Der Nationalspieler durfte gegen Heidenheim nur neun Minuten ran, zuvor spielte er sogar nur bei der Reserve. Heute wird er seine Einsatzzeit bekommen, vielleicht sogar von Beginn an. Er wird auch gebraucht, denn Muslija kann die nötige Kreativität in das Spiel bringen. Seine Passquote liegt bei starken 79 Prozent und er ist für seine steilen Pässe in die Spitze bekannt. Er musste sich zuletzt ebenfalls viel Kritik gefallen lassen, man sollte Muslija jedoch die Chance geben.

Nichtsdestotrotz ist die Mentalitätsfrage nach wie vor ausschlaggebend. Unter Slomka und unter dem Interimsduo ließ das Team mächtig die Köpfe hängen, Platz 16 ist schlichtweg beschämend. Mit Kenan Kocak sollte nun frischer Wind in die Mannschaft kommen – dies muss man gegen Darmstadt auf den Platz bringen! Die gegnerische Defensive war zuletzt ebenfalls nicht die stärkste, 30 Prozent der gesamten Saisongegentore kassierte man in den letzten beiden Partien. Mit der Rückkehr von Jung und Muslija könnte man das Flügelspiel stärker forcieren. Hannover kann es sich heute nicht erlauben, hinter drinzustehen und abzuwarten, die Niedersachsen müssen die Initiative ergreifen und von der ersten Sekunde Druck ausüben. Die Darmstädter zählen auswärts zu den schwächsten Teams der Liga, diesen Vorteil muss man ausnutzen.

 

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