Kaum Spiele gegeneinander – trotzdem gibt es Anekdoten rund um Duelle zwischen 96 und Wehen Wiesbaden

Artur Sobiech, hier während der Saison 2015/2016 mit seinem Mitspieler Hiroshi Kiyotake, traf im Test gegen Wehen Wiesbaden doppelt.

Noch gibt es keine gemeinsame Historie zwischen Hannover 96 und dem SV Wehen Wiesbaden, die man als lang und ausführlich bezeichnen kann. In der HDI Arena treffen beide Vereine am Samstag (13 Uhr) sogar zum ersten Mal überhaupt in Hannover in einem Liga-Pflichtspiel aufeinander. Und doch hat diese Partie bereits vor dem Anpfiff eine besondere Note.

Die Hessen müssen auf ihren Trainer Rüdiger Rehm verzichten. Der SVWW-Coach fehlt wegen einer Gelbsperre. Rehm ist damit der erste Trainer im deutschen Profifußball, der Opfer der neuen Regel ist, wonach auch die Übungsleiter sanktioniert werden können. Diese Regel hat nun erstmals ihre Auswirkung in Hannover – mit einem Innenraumverbot für den früheren Profi von Waldhof Mannheim.

Es ist nicht die einzige Besonderheit im Zusammenhang mit Hannover 96 und dem SV Wehen Wiesbaden. Das war schon im Hinspiel am 17. August so. Die Ausgangslage: Es liegt ein Fluch über Hannover 96. Auswärts kann die Mannschaft einfach nicht mehr gewinnen. Der letzte Sieg in einem Ligaspiel ist lange her, die Hannoveraner warten seit 30 Spielen auf ein Erfolgserlebnis in der Fremde. In der Brita-Arena in Wiesbaden ist es nun soweit. Mit drei Punkten im Gepäck fahren die 96er nach Hause. Marvin Ducksch bringt die Gäste vor der Pause in Front, nach dem Wechsel legt der ehemaliger Kieler das 2:0 für Florent Muslija auf. Per Handelfmeter sorgt Ducksch für das 3:0 und damit die Entscheidung. Mit diesem Sieg ist bei 96 auswärts zumindest ein wenig der Knoten geplatzt. Bis zur Winterpause gelingen noch drei weitere Siege außerhalb von Hannover, 96 entscheidet die Begegnungen in Kiel, Dresden und St. Pauli für sich.

Weniger positiv aus 96-Sicht ist eine Partie in Erinnerung zwischen beiden Vereinen, als diese zum ersten Mal überhaupt ein Fußballspiel gegeneinander bestritten. Und trotz eines 2:1-Erfolgs – denn dieser ist nicht überzeugend, die enttäuschenden Wochen danach heute noch in Erinnerung. Zur Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte in der Bundesliga weilt Hannover 96 im Trainingslager in der Türkei. Erster Testspielgegner am 11. Januar 2016 in Belek ist der SV Wehen Wiesbaden. Es ist zugleich das erste Spiel unter Trainer Thomas Schaaf, der in der Winterpause verpflichtet wird und große Hoffnungen auf den Klassenerhalt weckt. Das erste Tor erzielt aber der Drittligist. Luca Schnellberger bringt den Außenseiter in Führung. Erst nach der Pause wird 96 stärker und gewinnt letztendlich die Partie. Artur Sobiech schnürt einen Doppelpack innerhalb von zwei Minuten – und das durchaus sehenswert. Der Pole trifft per Kopf und Hacke zum 2:1. Es bleibt ein seltenes Erfolgserlebnis unter Schaaf, der noch im März wieder entlassen wird. Seine Nachfolger Daniel Stendel schafft nicht mehr das Wunder von Hannover. Am Ende der Saison steigt 96 ab.

Zum Zeitpunkt des Testspiels war der SVW, der seit 2007 unter diesem Namen antritt und aus dem im Taunussteiner Stadtteil Wehen beheimateten Verein SV Wehen 1926 Taunusstein  hervorgegangen ist, Stammgast in der 3. Liga. Für weitere Duelle, die sogar Endspiele waren, muss man noch weiter zurückblicken in die Vergangenheit. Am 27. Juni 1964 steht Hannover 96 im Finale um die Deutsche Amateurmeisterschaft. Gegner im Ischelandstadion in Hagen ist der SV Wiesbaden – der zwar nichts mit dem heutigen Gegner SV Wehen Wiesbaden zu tun hat, aber Wiesbaden hat im Amateurbereich einfach einen positiv besetzten Platz in der 96-Historie inne. Zum zweiten Mal nach 1960 sichern sich die Hannoveraner den nationalen Titel der Nicht-Berufsfußballer. Unter der Regie von Trainer Hannes Kirk, er ist Mitglied der 1954er Meistermannschaft von 96, gelingt vor 10 000 Zuschauern ein 2:0-Sieg. Gegen den Favoriten aus Hessen erzielt Karl-Heinz Esch drei Minuten vor der Halbzeitpause das 1:0. In der 79. Minute schließt Michael Ferenz einen Alleingang zum Endstand ab. Nach dem Spiel feiern die Amateure ihren Sieg, einen Tag danach die Profis den Aufstieg in die Bundesliga. Ein Wiedersehen mit dem SV Wiesbaden gibt es für die Amateure übrigens schon ein Jahr später: 1965 verteidigen die 96er ihren Titel. Gegner beim 2:1-Erfolg in Siegen, zudem Esch beide Tore beisteuert: der SV Wiesbaden.

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