In der 2. Liga gewinnt der Kampfgeist

Die aktuelle zweite Liga gilt als die neue Super League – in dieser ist Hannover 96 noch lange nicht angekommen. Das Unentschieden zum Auftakt gegen Werder Bremen hat Mut gemacht, doch Hochmut kommt vor dem Fall… Von einem schwerwiegenden „Fall“ zu sprechen ist wahrlich noch zu früh, der Fehlstart ist jedoch perfekt. Gegen den zweiten Aufsteiger aus Dresden wollte man die Schmach aus dem Rostock-Spiel vergessen machen – ein Satz mit X…

Sicherlich befindet sich Hannover 96 in einem großen Umbruch. Eine gute Saison mit einer sicheren Platzierung im (oberen) Mittelfeld lautet daher das Ziel. Die Ambitionen, auch bei den Fans, wurden drastisch zurückgeschraubt. Der erste Eindruck der Mannschaft vermittelt jedoch, dass man auch diesen Ambitionen nicht gerecht werden kann. Der gestrige Auftritt in Dresden war erschreckend schwach: von den 15 Torschüsschen war kein einziger eine ernsthafte Bedrohung, von der stärkeren Zweikampfquote (58 Prozent) und dem minimal größeren Ballbesitzanteil (51 Prozent) war auf dem Platz nichts zu erkennen. Die Roten ließen sich regelrecht einschnüren – von Dynamo und den Fans.

Bei den Gegentreffern durch Daferner und Mai sah die Hintermannschaft schlecht aus. Die zwei Kopfballtreffer unterstreichen, dass das Duo in der Innenverteidigung noch nicht eingespielt ist. Julian Börner ist neu in der Mannschaft und wird seine faire Zeit bekommen. Doch angesichts des minimalistischen Punkt aus drei Spielen hat man diese Zeit nicht mehr. Und das zu einem so frühen Zeitpunkt. Die Ideenlosigkeit im Spiel nach vorne hat plakativ offenbart, wieso Marcus Mann hängeringend nach einem neuen Sechser sucht. Das Spiel von Dominik Kaiser war sehr zerfahren. Im Vergleich zum Norderstedt-Spiel sank seine Passquote deutlich auf „nur“ 73 Prozent und auch sein Zweikampfverhalten (43 Prozent) war alles andere als optimal. Zu einfach konnte der Gegner durch das Mittelfeld durchbrechen – hier muss 96 schleunigst nachlegen. Angesichts der Ausgangssituation sollte der Vorstand begreifen, dass man hier Geld in die Hand nehmen muss!

Rückkehrer Sebastian Ernst kann sein Potential auf der 6 nicht entfalten

Es wird Zeit, dass Sebastian Ernst auf der 10er-Position spielen darf beziehungsweise kann. Zum einen konnte er sein offensives Potential (Schnelligkeit, Dribble-Stärke, guter Abschluss) bis dato überhaupt nicht ausspielen, zum anderen ist Hendrik Weydandt auf der 10 verloren. Der Mittelstürmer, welcher insbesondere durch seinen bulligen Spielstil positiv auftrumpft, kam gestern überhaupt nicht zum Zug. Im gegnerischen Sechzehner kann er seine Qualitäten sicherlich entfalten, doch für die Rolle des Spielmachers und Ballverteilers fehlt ihm die nötige Ausbildung. Eine Passquote von 63,8 Prozent, eine Zweikampfquote von 41,2 Prozent und 19 Ballverluste sind auf einer solch spielentscheidenden Position einfach zu wenig.

Mehr oder weniger folgerichtig hängt bei einem solchen Szenario auch Marvin Ducksch in der Luft. Auffälligste Szene war sein Ball-wegschlagen in der zweiten Hälfte, wofür er in der 81. Minute den gelben Karton sah. Immerhin konnte man bei ihm das Feuer und die Wut spüren. Attribute, welche ansonsten vergeblich gesucht wurden. Leidtragende sind gleich zwei Personen: Zum einen unser Schlussmann Ron-Robert Zieler. Er zeigt konstant gute Leistungen und ist der erhoffte sichere Rückhalt. Auch gestern hielt er das 0:2 fest – so bitter es auch klingt. Ihm ist definitiv kein Vorwurf zu machen, wo würde 96 ohne seine Reflexe stehen?

Die zweite Person ist Coach Jan Zimmermann. Nominell hat er eine gute Truppe zusammengestellt, gegen Werder und Norderstedt kaufte man den Jungs die Lust am Spiel sowie am Spielsystem ab. Für den mangelnden Einsatzwillen sowie die hängenden Köpfe kann er nichts. Seine Person ist in den kommenden Wochen extrem gefordert, die Lust am Spiel zurück an die Leine zu bringen ist jedoch eine große Herausforderung. Sofern es gegen Heidenheim die dritte Niederlage hageln sollte, brennt der Baum. Auch wenn die Ambitionen der Fans „gering“ sind und man dem neuen Gespann die Zeit einräumen will – in Hannover kann die Stimmung sehr schnell kippen…

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