Ihr Schwarzseher, ihr Möchtegern-Fans! Absteiger Nummer 1? Von wegen!

Über Doppelmoral, Daniel und Dreistigkeit

Horst Heldt ist Sportdirektor bei Hannover 96. Foto: Getty Images

Nach dem umjubelten Aufstieg sind wir als Absteiger Nr. 1 von den sogenannten „Experten“ gesehen worden. Und in die Rubrik dieser „Experten“ schließe ich alle Schwarzseher mit ein, die im Rahmen der Vorbereitung meinten, wir würden mit Horst Heldts Kaderzusammenstellung nicht ligatauglich sein. Die neueste Ausgabe der Kolumne „Frank sieht rot“ unseres Kolumnisten Frank Meyer.

Und siehe da – was ist passiert? Sportlich gesehen kann man es eigentlich ganz kurz machen: „Es läuft“. Wir waren bis Samstag einschließlich der letzten Saison seit März ungeschlagen. Mit 12 Punkten stehen wir auf dem fünften Platz. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Was kann man in der jetzigen sportlichen Situation negativ sehen? Eigentlich nichts. Und es ist eine Klatsche ins Gesicht der sogenannten „Experten“.

Der Kader von Hannover 96, den Heldt und Breitenreiter jetzt auf die Beine gestellt haben, hat Hand und Fuß – auch ohne große Namen.

Wer Realist ist, weiß auch, dass es nur um den Klassenerhalt gehen kann. Alles Weitere ist ein schönes Bonbon, das jeder Fan der Roten gerne mitnimmt.

Die Niederlage in Gladbach, so unverdient und unglücklich sie auch war, wird diese Mannschaft nicht umhauen. In der letzten Saison ist das Team menschlich und moralisch zusammengewachsen. Das sieht man jeden Spieltag aufs Neue. Zwar sollte niemand den Klassenerhalt als Selbstläufer betrachten, aber wenn die Mannschaft so weitermacht, könnte man diesen tatsächlich vorzeitig erreichen.

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Klar, es wird Niederlagen und vielleicht auch mal eine herbe Klatsche geben, doch das ist für mich kein Beinbruch. Das war es auch unter Breitenreiters Vorgänger nicht – denn Niederlagen gehören zum Sport dazu. Dass ich die unwürdige Entlassung von Daniel Stendel, die durch die Hetzjagd einer großen Boulevardzeitung eingeleitet wurde, kritisch gesehen habe, ist hinreichend bekannt.

Und dennoch – angesichts der positiven Entwicklung unter Breitenreiter und Heldt (endlich mal wieder ein Sportdirektor, der diesen Namen verdient!), muss ich meine Meinung ändern: Die Entlassung von Daniel Stendel war eine schmerzvolle, aber richtige Maßnahme. Auch wenn die Art und Weise, wie die Entlassung zustande kam, trotzdem abstoßend war.

Es könnte ja alles so schön sein, wenn…

… ja wenn dieses eine leidige Thema nicht wäre. Dass ich ein Befürworter von 50+1 bin und Martin Kinds Vorgehen ablehne, habe ich bereits in meiner letzten Kolumne erläutert – ich möchte hier nicht nochmal drauf eingehen. Was mich jedoch tierisch aufregt, ist das Verhalten einiger Zuschauer, die jetzt fordern, die aktive Fanszene möge sich aus dem Stadion verziehen („Ultras raus“), weil man sie nicht zum Anfeuern bräuchte.

Die ersten Spiele hat das Anfeuern ohne Unterstützung der Ultras zwar zaghaft geklappt. Unverschämt waren jedoch die Pfiffe von einigen Westtribünen-Zuschauern gegen die eigene Mannschaft beim Stand von 0:0 gegen Köln. Sorry, liebe „Anhänger“, wenn das Anfeuern ist, lasst es lieber ganz bleiben. Sowas ist noch schlimmer als das Schweigen der Fanszene!

Was mich hoffnungsvoll stimmt, ist jedoch, dass der Vorstand mittlerweile etwas auf die abgelehnten Mitglieder zugeht. Wenn das Versprechen stimmt, dass die 119 abgelehnten Mitgliedschaften neutral geprüft und rückwirkend akzeptiert werden, kann der Vorstand verloren gegangenes Vertrauen wiederherstellen. Des Weiteren bin ich gespannt, ob und in welcher Form der Vorstand auf den Fragenkatalog der 90 hannoverschen Fanclubs antwortet. Damit befasse ich mich dann in einer der nächsten Ausgaben meiner Kolumne „Frank sieht rot“.

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4 Kommentare

  1. Tja, was die Mitgliedschaftsanträge betrifft habe ich meine Zweifel ob es jetzt noch etwas nützt. Soweit ich mitbekommen habe sind diese aus einer Not heraus (die Abstimmung) "inszeniert" worden (mal ehrlich: wie finden sich sonst soviel Menschen auf einmal mit Begeisterung dafür wieder…) um eben eine Mehrheit der Stimmen zu sichern. Da die Abstimmung ja nun (zu Gunsten von MK) vorbei ist, kann er getrost sagen "Na gut, dann herzlich Willkommen im Club", aber rückwirkend werden diese Mitglieder vermutlich nicht abstimmen können und MK somit nicht gefährlich werden….

     

    oder er habe ich da was mißverstanden?

  2. "Was mich jedoch tierisch aufregt, ist das Verhalten einiger Zuschauer, die jetzt fordern, die aktive Fanszene möge sich aus dem Stadion verziehen („Ultras raus“), weil man sie nicht zum Anfeuern bräuchte."

    War es nicht vielmehr so, dass "Ultras raus" eine Antwort auf "Kind muss weg" war? So war jedenfalls meine Wahrnehmung. Das bestätigt sich auch darin, dass gegen Köln keine "Ultras raus"-Rufe zu hören waren, weil nämlich die Ultras nicht "Kind muss weg" riefen.

    Insofern: Zeit zum Abregen. 

    • Genau so ist es.

      Meiner Meinung nach auch eine direkte Reaktion auf die "Antistimmung" bzw. dessen Zeitpunkte. 

      Ich behaupte auch mal ganz frech, diese Rufe hätte es ohne dieses doch fragwürdige Verhalten einiger Ultras nie gegeben.

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