Hannover sucht den Quotenwilly

Hannover 96 befindet sich in der midlife crisis. Sportlich läuft es mehr als nur durchwachsen, die Fans werden unruhig und aus den eigenen Reihen wird Kritik am Trainerstab laut. Zwar wurden diese Negativschlagzeilen von der obersten Instanz abgemahnt, angesichts des himmelweiten Unterschieds zwischen Ambition und Realität ist der Unmut jedoch (zumindest etwas) verständlich…

Die Roten warten seit sieben Spieltag auf einen Sieg, in der Zwischenzeit erfolgte der Abstieg auf Tabellenplatz 15. Ein Platz im Rennen um den Aufstieg geschweige denn im guten Mittelfeld ist derzeit Utopie. Die Blicke müssen in die andere Richtung gehen: Relegationsplatz 16, in Persona von Holstein Kiel, ist punktgleich, auf den direkte Abstiegsplatz 17 (SV Sandhausen) hat man nur zwei Zählerchen Vorsprung. Wenn es an diesem Wochenende ganz ungünstig läuft, erhält das Gespenst Einzug.

Aber dazu wird es nicht kommen. Immerhin ist sich Jan Zimmermann sicher, dass „es in Karlsruhe Punkte geben wird“. Eine sehr schöne Theorie, doch wie soll das funktionieren? Am besten, indem die Abwehr nichts anbrennen lässt – den vorne herrschen krasse Ladehemmungen. Die Niedersachsen suchen einen Quotenwilly à la Marvin Ducksch, vergeblich. Man kann getrost behaupten, dass die bisherigen Leistungen von Neuzugang Lukas Hinterseer nicht überzeugend waren. Der Österreicher brachte es in 607 Spielminuten lediglich auf eine Torvorlage. Zu jenem Zeitpunkt waren es bei Ducksch (Saison 19/20) bereits drei Tore und vier Vorbereitungen. Mitunter diese Negativentwicklung ist Schuld daran, dass nach 14 Spielen nur zehn Tore auf der Habenseite stehen. Die Quote liegt damit bei unterirdischen 0,7 Treffern pro Spiel.

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Ohne Sebastian Kerk wäre es um 96 noch stiller

Hinterseer alles in die Schuhe zu schieben wäre jedoch zu einfach. Seine Sturmkollegen haben keinen besseren Lauf. Das Mittelfeld, in erster Linie Sebastian Kerk (4 Tore, 2 Vorlagen), strahlt da doch deutlich mehr Gefahr aus. Und genau hier liegt das Problem. Wenn unser Topscorer aus dem Spiel genommen wird, hapert es. Immerhin sind die Gegner nicht doof und haben Hannovers Schlüsselspieler schnell ausgemacht. Gegen Paderborn konnte man dies gut erkennen. Zar gab es in der gegnerischen Hälfte viel Bewegung, doch die Angriffe mündeten in Ecken anstatt in großer Torgefahr. Und Torgefahr nach Standards sucht man in dieser Saison vergeblich. Einzige Waffe im Sturm könnte bei hohen Hereingaben Hendrik Weydandt sein – gegen Paderborn knallte er die Kugel einmal an die Latte. Der 1,95 Hüne weiß seinen wuchtigen Körper gut einzusetzen, er sollte die Chance von Beginn an bekommen. Zum einen ist er auf dem Papier genauso erfolgreich wie Hinterseer, zum anderen Fehlen die Alternativen.

Valmir Sulejmani fehlt die Praxis, unter Zimmermann stand er lediglich 36 Minuten in der Liga auf dem Spielfeld. Leihgabe Maximilian Beier startete zuletzt auf links, was an für sich ein gutes Konzept ist. Sofern Flo Muslija wieder ran darf, könnte er neben Weydandt starten. In Anbetracht der schwachen Chancenausarbeitung wäre eine Doppelspitze ohnehin wünschenswert. Während das Mittelfeldtrio, bestehend aus Kerk, Ernst und Ondoua, einen vermeidlich guten Eindruck hinterlassen hat, herrscht auch auf der rechten Seite Chaos. Weder Sebastian Stolze noch Linton Maina konnten Eigenwerbung betreiben. Vielleicht sollte man dem dritten Mann im Bunde, welchen man fast schon vergessen hat, wieder einbinden: Patrick Twumasi. Der 27-Jährige gilt als Verkaufskandidat Nummer eins, allerdings hat Zimmermann dem früheren Königstransfer noch nie eine Chance gegeben. Harmloser kann es immerhin nicht werden.

Stolze und Maina bleiben blass. Kann Partick Twumasi noch einmal angreifen?

Zudem wird es morgen eine Umstellung in der Abwehr geben müssen. Julian Börner sitzt nach seiner roten Karte eine zwei-Spiele-Sperre ab, somit bricht eine zentrale Stütze weg. Ihn dürfte Luka Krajnc ersetzen, welcher nach seiner Einwechslung gegen Paderborn aber ein starker Bild abgegeben hat. Der qualitative Schaden dürfte sich daher in Grenzen halten. Entwarnung gibt es bei Kapitän Marcel Franke. Die Blessur ist überstanden, gegen den KSC ist er der zentrale Anker. Mit „nur“ 18 Gegentreffern stellen die Hannoveraner eine deutlich bessere Defensive, als es der Tabellenplatz vermuten lässt. Die Verletzung von Zieler tut dieser Statistik natürlich einen kleinen Abbruch, doch sein Ersatz Martin Hansen ist mit durchschnittlich vier Paraden inklusive schnellem Reflex kein schlechter.

Nichtsdestotrotz hat unser Coach mit der Punkte-Vorhersage einen ordentlichen Erwartungsdruck geschaffen. Immerhin kennt keiner die Trainingseindrücke so gut wie er. Hannovers Vorteil: Auch beim KSC läuft es nicht rund. In den letzten vier Spielen hagelte es zwei Niederlage, der Tabellenzehnte musste gleich neun Gegentreffer hinnehmen. Das letzte Spiel ohne Gegentreffer liegt gar elf Spieltage zurück – beste Voraussetzungen für Hannovers stockende Offensive. Wenn nicht jetzt, wann dann? 

Die Lieblingsfolgen vom 96Freunde-Podcast mit Altin Lala, Florian Fromlowitz und Ewald Lienen. Viel Spaß beim Reinhören!

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1 Kommentar

  1. Ich verstehe einfach nicht, warum nicht mal der fixe Ennali eingesetzt wird.

    Zimmermann versprach mehr Talente einzusetzen…..

    Hult braucht auch mal eine Pause.  Ochs ist ein bisschen robuster und kann auch mal aus

    der 2. Reihe schießen.

    Zimmermann versprach schnelle Spiele nach vorne…….. sehe ich im Moment nicht.

    Ist unser Trainer noch der Richtige für 96?

     

     

     

     

     

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