Darum hat Schatzschneider der Sieg gegen Stuttgart 200 Mark gekostet

Martin Kind (links) und Dieter Schatzschneider schauen gemeinsam ein Spiel.

Natürlich gab es schon Spiele von Hannover 96 gegen den VfB Stuttgart, die mehr Spektakel geboten haben als dieser 2:0-Erfolg über die Schwaben in der Saison 1988/1989 – schließlich endeten in der jüngeren Vergangenheit die Duelle zwischen diesen beiden Mannschaften auch mal 4:2, 3:3 oder 2:4. Dennoch: Dieses Spiel sorgte für Gesprächsstoff, den man aus heutiger Sicht mit einem Augenzwinkern betrachten kann.

Hannover 96 befand sich im zweiten Jahr nach dem Aufstieg im Abstiegskampf. An diesem 25. Februar 1989 sollte sich die Rückholaktion von Dieter Schatzschneider bezahlt machen, der langjährige Torjäger gehörte dem Kader der „Roten“ seit dem Herbst 1988 wieder an. Zum 2:0-Sieg gegen den VfB steuerte der „Lange“ zunächst die 1:0-Führung bei, als er einen Fehler von Eike Immel ausnutzte. Der ehemalige Nationaltorhüter ließ den Ball nach einer Flanke von Jürgen Prange aus den Händen rutschen, Schatzschneider war zur Stelle und staubte ab. „Da muss eben ein Torjäger stehen“, sagt Schatzschneider heute im Rückblick auf das Spiel und schmunzelt. Auch am zweiten Treffer, den Siggi Reich nach der Pause per Elfmeter erzielte, war der bullige Stürmer direkt beteiligt – Schatzschneider holte den Strafstoß heraus.

Etwa zehn Minuten vor Schluss tat Trainer Hans Siemensmeyer das, was man als Trainer schon damals getan hat: Stürmer raus, Abwehrspieler rein. Netter Nebeneffekt: Schatzschneider sollte sich bei der Auswechslung den verdienten Applaus der Zuschauer abholen – auch das war damals schon so, gute Idee also vom Coach. Beim Spielertausch für Karlheinz Geils gab es nur zufriedene Gesichter. Bis auf Dieter Schatzschneider.

„Ich habe mich damals gefragt, ob der Trainer irre ist“, erinnert sich Schatzschneider heute und lacht. Denn was Siemensmeyer nicht wusste: Der Stürmer hatte einen Vertrag, der ihm Einsatzprämien nach absolvierten Spielminuten garantiert. „Diese Auswechslung hat mich damals rund 200 Mark gekostet.“ Zum Streit kam es aber nicht. Dafür sorgte Werner Bock, der erklärte, „dass der Dieter für zwei gerannt ist – natürlich bekommt er das volle Geld.“ Nicht nur deswegen hat Schatzschneider den damaligen Vizepräsidenten in positiver Erinnerung. „Das war ein toller Mensch, er hatte das Herz an der richtigen Stelle.“

Am Freitag ab 20.30 Uhr wird Schatzschneider von der Tribüne der HDI-Arena aus den aktuellen 96ern die Daumen drücken, dass es mit einem Heimsieg gegen den VfB klappt. Und wenn für Martin Harnik oder Ihlas Bebou aus gutem Grund kurz vor Schluss eine Auswechslung auf Grund vorheriger Tore oder Vorlagen Sinn machen sollte, dann wird Schatzschneider bestimmt zusammen mit den 96-Fans richtig laut Applaus spenden.

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