Hannover 96 e.V.: Aufsichtsräte distanzieren sich von Vorstand

Es rumort im Verein Hannover 96

Hannover – Die Mitgliederversammlung von Hannover 96 wirft ihre Schatten voraus. Die Interessengemeinschaft Pro Verein 1896 unterstützt von einzelnen Mitgliedern eingebrachte Anträge zur Tagesordnung. Das ruft den Verein auf den Plan. Seine Reaktion lässt nicht lange auf sich warten und zeigt ein grundlegendes Zerwürfnis innerhalb der Vereinsgremien.

Schreiben an Mitglieder

„Schreib mal wieder“ hieß einst eine Werbebotschaft der Deutschen Post. Genau das hat sich der Vorstand von Hannover 96 zu Herzen genommen. Die Mitglieder erhielten wenige Tage vor der diesjährigen Mitgliederversammlung einen Brief ihres Vereins. Darin wurden die Adressaten aufgerufen besonders einem Antrag am Donnerstag die Zustimmung zu verweigern.

Brief des Vorstands an seine Mitglieder Seite 1
Seite 2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In dem eingebrachten Antrag geht es um das Mitbestimmungsrecht der Mitglieder bei der Veräußerung von Anteilen an der Hannover Management GmbH, die sich, zur Wahrung der 50+1 Regel, im hundertprozentigen Vereinsbesitz befindet. Martin Kind hatte angekündigt die Gesellschaft vom Verein übernehmen zu wollen. Das soll nach Wunsch von Pro Verein 1896 nicht ohne Mitgliederbeteiligung möglich sein.

Erfolgreiches hannoversches Modell

In dem Schreiben von Hannover 96 heißt es dazu „Das 96-Modell hat sich auch für den Verein vollends bewährt, es fußt auf einem wirtschaftlich stabilen Profifußballbereich und verantwortungsbewussten Entscheidungen in Vorstand und Aufsichtsrat des e.V. Dazu zählt auch, die Möglichkeiten für die Weiterentwicklung des Profiunternehmens zu schaffen – die Ausnahmereglung von der 50+1-Regel, gekleidet in eine bewährte, hannoversche Lösung, ist dafür eine elementar wichtige Voraussetzung

Aufsichtsräte auf Distanz

Das sehen nicht alle Mitglieder des in der Passage angesprochenen Aufsichtsrat ebenso. Im Gegenteil. Es handelt sich bei dem Brief  nicht um ein mit allen Gremien abgestimmtes Vorgehen. Die beiden Aufsichtsräte Ralf Nestler und Sebastian Kramer distanzieren sich in einer ersten Stellungnahme entschieden von dem Brief und sehen ein vereinsschädigendes Verhalten, sowie, wegen des erheblichen Portoaufkommens, eine Verschwendung von Vereinsvermögen.

Auch Pro Verein 1896 hat auf das Schreiben reagiert. Dem mutmaßlichen Verfasser wird „Vereinsschädigung“ und „Entdemokratisierung“ vorgeworfen. Weiter heißt es: „Falsch ist, dass sich durch eine Ausnahmegenehmigung, und damit die endgültige Trennung zwischen Verein und Profigesellschaft, irgendein positiver sportlicher oder wirtschaftlicher Effekt für den e.V. oder die Profigesellschaft ableiten lässt. Richtig ist, dass zahlreiche Vereine der beiden Bundesligen derartige Paragraphen in ähnlicher Form in ihren Satzungen verankert haben. Der vorgeschlagene Paragraph zur Satzungsänderung ist beispielsweise nahe an einen Paragraphen aus der Vereinssatzung von Borussia Dortmund angelehnt. Es ist nicht bekannt, dass Borussia Dortmund oder einer der anderen Vereine mit der aktuellen Struktur rechtliche Probleme hätten.

 

Außerdem wird bezweifelt: „dass die formale Trennung zwischen Verein und Profifußball elementar wichtig wäre.“ Denn  „der Verein ist weder durch das Steuerrecht noch durch Haftungsgründe bedroht, wenn die Verbindung beibehalten wird.“ Auch in den 14 Jahren Bundesliga gab es eine positive Entwicklung der Profifußballgesellschaft, die sich auch zukünftig  „wirtschaftlich ungehindert weiterentwickeln“ kann.

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