Hannover 96-Fan Jan: „Ich rate jedem zu einem differenzierten Blick“ – Ein Gastkommentar

"Es baucht einen differenzierten Blick", sagt 96-Fan zur aktuellen Situation. Foto: Selim Sudheimer/Bongarts/Getty Images

Hannover – Die Fan-Wutrede auf 96Freunde sorgt für viel Gesprächsstoff. Nicht alle Anhänger sind der Meinung von Kai. So auch Jan, der uns seine Sicht der Dinge schildert.

„Es baucht einen differenzierten Blick“, sagt 96-Fan zur aktuellen Situation. Foto: Selim Sudheimer/Bongarts/Getty Images

Fantreffen als Querschnitt

Es gibt Äußerungen rund um die aktuelle Situation bei unserem Lieblinbgsklub, die mich verzweifeln und den Kopf schütteln lassen. Leider wird viel zu oft pauschalisiert. So auch in der „Wutrede“ von Kai. Wenn ich Aussagen wie „die Ultras“, „jugendliche Gralshüter“ oder „16/17 Jährige Halbwissende“ lese, würde ich am liebsten sofort wieder aufhören. Wer bei mindestens einem Fanszenetreffen war, weiß, wie breit gefächert diese  Fanszene ist. Vom Rentner bis zu den 16/17 Jährigen Halbwüchsigen ist so gut alles vertreten. Das darf nicht ignoriert werden!

Boykott keine Erpressung

Der Boykott selber war von Anfang an nicht ans Sportliche gekoppelt und auch nicht davon abhängig. Sonst würde es ihn auch gar nicht geben. Da wundert es mich schon sehr, wenn jetzt behauptet wird, der Boykott diene dazu, die Mannschaft emotional zu erpressen und sie als „Faustpfand zur Durchsetzung der Interessen“ zu missbrauchen. Diese Behauptung ist schlicht haltlos im Hinblick auf Entstehung und den aktuellen Gründe des Protests. Es geht vielmehr um fehlende Transparenz und den allgemeinen Umgang mit den Fans und ihren Interessen. Es geht außerdem um die Zukunft des Vereins und darum, was für ihn am besten ist. Erinnert sei hier an die fadenscheinige Absage der ersten Podiumsdiskussion, die Unfähigkeit des Vereins einen einfachen Fragenkatalog schriftlich zu beantworten, der Auflösung der Roten Kurve, Beschimpfung der Fans als „Arschlöcher“, sinnlose Gerichtsverfahren, und nicht zuletzt an die  Mitgliederversammlung mit der Rede von Vorstand Krause und dem unfair agierenden zwischenzeitlichen Versammlungsleiter.

Einfach „weiter so“ geht für viele Fans nicht. Foto: Alexander Koerner/Bongarts/Getty Images.

Die arme Mannschaft?

Bei dem Hinweis, dass man mit diesem Boykott der Mannschaft schade und sie aufgrund des Schweigens der Kurve keine Lust mehr hat, kocht es in mir: Reden wir da über die armen Spieler, die bei der nächst besseren Möglichkeit oder sportlichen Talfahrt den Verein wechseln? Ist das von den Leuten ernst gemeint? Was ist denn außerdem mit dem Ist des Stadions? Die Unterstützung von mehreren zehntausenden anderen Zuschauern könnte die Stille durchbrechen. Das Stadion ist allerdings – nicht erst seit dem Boykott – in eine solche Lethargie verfallen, die jetzt nun mal mehr deutlich wird.

Schaut genau hin!

Allen Parteien die gleiche Schuld an der derzeitigen Situation zu geben, ist natürlich viel einfacher als wirklich einen differenzierten Blick an den Tag zu legen. Es kann mir keiner erzählen, dass eine solch heterogene Fanszene eine gleiche Mitschuld an der aktuellen Situation trägt wie ein Vereinspräsident(!) und Vereinsvorstand(!), die eine ungleich höhere Verantwortung tragen. Es wundert mich sehr, wenn Personen pauschal diese Situation „unser aller Versagen“ nennt. 

Können wir uns abschließend noch mal dran erinnern, wo das alles angefangen hat? Was die Ursachen und was die Folgen sind? Wie heterogen diese Fanszene ist? Das nicht alles „die Ultras“ sind? Nein? Stimmt, ist ja auch einfacher.

20 Kommentare

  1. Wieder einer der sich besser einen anderen Verein suchen sollte. Solche Leute werden als Statuten in Dorfkicks gerade gesucht, füllt doch die Bratwurstbuden und haltet da die Klappe. Übrigens auf den Dörfern ist auch weniger Polizei, nur so als Tipp. 

     

     

    • Lieber Holger,

      rätst Du das den anderen 40.000 Schweigern im Stadion auch? Nein? Warum nicht? Und was sind eigentlich Statuten in Dorfkicks? Oder meintest Du Star-Tuten? Oder Standtüten? Oder Stadt-Uten? Ich bin so gespannt.

    • Ein sehr gutes Beispiel für einen "Ich will nur Erstligafußball, der Verein ist mir egal, kann ruhig ein Konstrukt in der Hand eines Investors sein"-Schreiber.

      Was für Statuten meinen Sie überhaupt?

  2. Egal wer Recht hat! (Vereins-)Politik hat nichts im Stadion zu suchen! Zumindest nicht in den 90 Minuten!

    Wer die Mannschaft nicht unterstützen will soll wegbleiben!

    • …und wer die Mannschaft, den Verein, das Konstrukt oder wen auch immer unterstützen will, könnte im Stadion selbst für Stimmung sorgen und nicht die Schuld bei anderen suchen.

  3. Ich wünsche mir, dass diese verfahrene Situation bald, spätestens Anfang nächster Saison, ein Ende hat. Es gibt auch andere Formen des Protestes, diese Form des Protestes ist nicht alternativlos…

    Kann sich jemand noch daran erinnern, wie wir damals im alten H31 gesungen haben "Jeden Cent für Kind, bis wir alle pleite sind!", weil König Martin die Eintrittspreise hochgesetzt hat? Jaaa, ich weiß, das war eine andere Situation als heute, aber Eines haben wir damals nicht vergessen: Die Mannschaft! 

    Jetzt mögen andere sagen, sie hätten die Mannschaft auch jetzt nicht vergessen, aber ich wiederhole mich: die Mannschaft nicht zu unterstützen geht in meinen Augen überhaupt nicht!!!

    Zu den 96-Fans, die nicht aktiv Stimmung machen: selbst in Dortmund macht auch nur ein gewisser Teil der gelben Wand Stimmung, auf den Tribünen sitzen die Leute auch da und gucken das Spiel! Oder schaut Euch jedes Spiel von Bayern München an. 

    Also zeigt nicht beleidigt mit dem Finger auf andere, wenn Euch selbst nichts Besseres einfällt! Und vor allem bezeichnet nicht, wie häufiger auf Twitter gelesen, die Fans, die nicht aktiv Stimmung machen, als "…andere "Fans"…", das macht die Situation nicht besser!

    Außerdem muss die aktive Fanszene damit rechnen, dass die Stammtischfrage aufkommt, was sie dann überhaupt noch im Stadion will?!

    Im Moment des Anstoßes geht es um den Sport, den wir alle wo lieben und um die Mannschaft, nichts weiter!

    • Lieber Oststadtbewohner,

      es gibt andere Formen des Protests, richtig, nur sind sie entweder nicht wirksam (Demo), werden verboten (Plakate) oder einfach ignoriert (Mitgliederentscheid). Was bleibt also noch übrig, wenn man etwas bewirken will?

      Erst die Strategie des Ruhigbleibens hat bundesweit auf die Situation im Verein aufmerksam gemacht. Oder glauben Sie, daß überregionale Medien sonst darüber berichtet hätten? Und ohne diese Berichte wäre Martin Kind sicher längst am Ziel und hätte sich das Vereinsvermögen endgültig billig unter den Nagel gerissen. 

      Klar muß die Mannschaft das ausbaden, aber es ist eben wie beim Üstra-Streik: Da streiten Arbeitgeber und Arbeitnehmer auch auf dem Rücken der Kunden – und doch wird es allgemein akzeptiert.

      Und nur weil der Großteil der Zuschauer sich schon immer passiv berieseln läßt, heißt das nicht, daß er das Exklusivrecht dazu hätte. Was Sie diesen Stimmungsverweigerern zugestehen, müssen Sie dann auch bei uns tolerieren. Und wenn sich angeblich so viele tausend Zuschauer darüber ärgern, warum kriegen sie dann nicht endlich mal selbst den Hintern hoch, jetzt erst recht?

      • Hallo, Thomas! 

        Erstmal schön, dass man erstmal grundlegend eine sachliche Antwort erhält. 

        Tolerieren ja, aber es macht mich maßlos traurig. Wenn man mal im Stadion (zugegeben habe ich für die bald abgelaufene Saison aus mehreren Gründen leider keine Dauerkarte) ein "HSV!" oder "HANNOVER!" an, wird man teilweise nur blöd angeguckt oder der Vordermann sagt (leider so gehört) "Ich werde gleich taub hier!" oder, so passiert in der letzten Saison nach dem Spiel gegen 1860, muss man sich Maßregeln lassen, warum man der Mannschaft nach dem Spiel applaudiert…

        Ich bin auch ohne DK ein Roter mit Leib und Seele und mein größter Wunsch ist es, dass sich diese Entwicklung irgendwie (ich weiß nicht wie, ich habe kein Rezept) auflösen lässt: ein Stadion mit einer lauten Stimme auf der einen Seite, Protest auf der anderen. 

        Andererseits ist es eine Entwicklung, die den gesamten Profifußball zu erfassen scheint und in Hannover äußert sich dieser Protest momentan noch am lautesten…

        • Lieber Oststadtbewohner,

          was Du beschreibst, deutet ja aber auf ein Problem gerade mit den grundsätzlich passiven Zuschauern hin, die sich bespaßen lassen wollen – aber bitte auf Abstand. So was kenne ich aus dem Nordkurvenunterrang nicht, habe aber schon mehrfach von der Westtribüne von solchen Erlebnissen gehört. Das geht überhaupt nicht, völlig klar.

          Beenden könnte das Schweigen der Nordkurve Martin Kind, indem er von seinen Allmachtsphantasien abließe, dem Verein sein Vermögen wiedergibt (vor allem die Markenrechte), das er unter Wert eingestrichen hat, bzw. einen angemessenen Preis dafür bezahlt und seinen Kritikern auf Augenhöhe begegnet, statt sie arrogant abzutun und mit immer neuen Taschenspielertricks zu bekämpfen.

  4. Meinen Dank an meinen Namensvetter. Ich begrüße den Kommentar sehr und unterstütze ihn vollumfänglich. Von den übrigen Kommentaren lese ic hhier nur, dass man hier alleine Kind die Schuld zuweise. Ja, sieht so aus. Aber das eben auch mit Argumenten. Man kann das anders sehen, dann aber bitte mal einen belegbaren Grund aufzeigen und ohne Plattitüden wettern.

  5. Tach,

    erst geht Heldt, dann Breitenreiter und dann noch ein paar Spieler. Kann man schon nachvollziehen, bei diesem bescheuerten Chaos! Wer hat da noch Lust mitzumachen? Wie kann man als Präsident nur sagen das einem die Ultras völlig egal sind? Das ist eine Aussage die einfach nicht reparabel ist. Und warum halten sich Ultras nicht an ihre Abmachungen die vorher so vielzählig besprochen wurden?

    96 geht unter, so oder so, da kein gemeinsamer Nenner mehr gefunden wird, wie denn auch?!

    Ich kann mich mit keinem anderen Verein identifizieren, von daher ist es sehr bedauerlich was passieren wird.

    Ich tippe auch das am letzten Heimspiel nochmal so richtig aufgefahren wird, ach ja…geht ja nicht mehr, da selbst Banner mit Gemüse drauf mittlerweile verboten sind.

    Was für ein dämliches Affentheater!

    96 Hiebe an statt Liebe!

     

    • Zunächst einmal: Es waren nicht die Ultras, von denen aus bei 3 Heimspielen das Gepöbele angefangen hat. Ich denke, man kann es als natürliche Wutreaktion (Schalke Spiel: Wut aus der Sommerpause, HSV: Spruchband Abhänger, BMG: Podiumsdiskussion-Absage) und gleichzeitig aber auch als ungeschickt abtun. Allerdings gab es nach dem HSV und BMG Spiel Fanszenetreffen, wo noch mal an die Abmachungen erinnert wurde, danach wurden sie auch jeweils wieder eingehalten.

      Ich glaube nicht, dass beim letzten Heimspiel noch viel passiert. Glaube auch nicht, dass in der Sommerpause viel passieren wird. Vielleicht kickt Kind&Co. die aktive Fanszene aus dem Block, aber das wäre nur n Schuss ins eigene Bein und kaum relevant.

  6. Wenn ich die gegenseitigen Schuld- bzw Unschuldzuweisungen lese, kriege ich einen Hals. Insbesondere diese blöden „Kind muss weg“ Plakate und Rufe halten mittlerweile alle in meinem Bekanntenkreis für dämlich und nervig. Sollten sich auf beiden Seiten doch noch Leute mit Sinn und Verstand und ohne vorherige Schuldzuweisungen bereit erklären im Sinne des Vereins eine Lösung zu finden, so wäre das beachtenswert und für die Anhänger dieses Vereins auch wünschenswert.  Nichts gegen Protest und andere Meinungen, aber konstruktiv und fair.  Wenn man einen „Kind muss weg“ Rufer einmal fragt, wer es denn nach MK machen soll, bekommt man meist auch nur ein Schulterzucken.  Wir hatten hier schon genug profilierungssüchtige Präsidenten, aber im Gegensatz zu den Vorgängern wurde in der Zeit von MK etwas geschaffen. Wie bereits in einen Kommentar vorher erwähnt, haben wir uns früher so manchen Holzspan in den Hintern gerissen.  Ich hoffe das die handelnden Personen auf beiden Seiten einen Kompromiss finden, damit wir uns einmal wieder auf das wesentliche, nämlich den Fußball mit Freude und Leid konzentrieren können.

     

     

  7. Mit Befremden nehme ich aus der Ferne die Vereinspolitik von H96 wahr. Ein Investor aber auch fan des Vereins steht einer Masse von einfachen Fans in meiner Wahrnehmung unverzeihlich gegenüber. Die einfachen Fans fühlen sich auf gedeih und Verderb dem Investor ausgeliefert und möchten nicht, dass der Verein sich aufgrund des Handelns des Investors sich komplett diesem ausliefert und dadurch auf dessen Wohlwollen angewiesen ist, sie fühlen sich ausgegrenzt und als einfache Verhandlungsmasse. Ist das der Sinn eines Vereins? Ich würde mir als Außenstehender wünschen, dass man sich auf den Sinn eines Vereins besinnt, unterschiedlichste Menschen schließen sich aufgrund ihres Hobbys zusammen und üben diese gemeinsam aus und zelebrieren ihre Leidenschaft im Vereinsleben. H96 gab es vor uns allen und soll es auch nach uns geben. Diesen Wunsch haben alle Angehörigen des Vereins. Ihr müsst verdammt noch einmal miteinander reden, dazu gehört aber auch das Herr kind sich zurück nimmt und versteht, dass man als handelnde Person ernst nimmt und nicht versucht diese zu unterdrücken, bzw. den Fan fast zu erpressen. Herr kind, sie gehen langsam stramm auf die 80 Jahre zu, sie haben mit ihrer Firma ihr Lebenswerk erschaffen, auch weil sie die Entscheidungen getroffen haben und dafür im Erfolg aber auch Nichterfolg mit den Konsequenzen rechnen mussten. Ein Verein funktioniert aber anders. Sie werden nicht ewig leben und sind nicht unfehlbar, auch nicht ihre Nachfolge. Gestehen sie den Vereinsangehörigen zu, ihre Wahl der Möglichkeiten zu behalten, und besinnt euch alle auf das was euch eint, die Liebe zu eurem Verein.

     

    Gruß aus Nürnberg.

    Wer Fehler findet darf sie behalten, bin handytippser

  8.         Da hat er mühsam alle erdenklichen Gründe zusammengekratzt für  die Begründung des Boykottes.

          Seit 15 Jahren lebe ich in Hannover und als ich das erste Mal zu Stadion ging, war z.B am Maschsee  jeder Baumstamm oder Lichtmast mit einem verunstaltetem Bild von Martin Kind und der Unterschrift :"Not my President",beklebt.

         Die Fan-Szene in Hannover wird immer einen Grund finden zu boykottieren, zu stören oder Randale zu machen. Nach Kind wir es eben einen Anderen treffen.

                                                                                                                          

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.