Diese Profis profitieren vom 96-Abstieg

Hannover 96 zeigte am vergangenen Samstag wohl das stärkste Spiel der Saison – der Abstieg ist trotzdem besiegelt. Das famose 3:0 gegen den SC Freiburg hat nicht gereicht, wenigstens hat man den eigenen Fans ein ansehnliches letztes Bundesliga-Heimspiel beschert…

Die erste Frage, die einem nach dem Freiburg-Spiel in den Sinn gekommen ist, lautete: „Wieso nicht gleich so?!“ Die Mannschaft von Thomas Doll spielte befreit auf, war über die volle Distanz konzentriert bei der Sache und sogar Kombinationsspielchen funktionierten. Wir sind uns sicher, mit einer solche Leistung über die Saison hinweg stünde man nie und nimmer da, wo man jetzt steht.

 

Das Spiel gegen Freiburg war überzeugend, die vorherige Saison besiegelte jedoch den Abstieg

Hätte, hätte, Fahrradkette, die Realität sieht nun anders aus: Der Abstieg steht fest, die Planungen für die zweite Liga können offiziell starten. Präsident Kind hat bereits einen radikalen Umbruch angekündigt, bis zu 15 Abgänge sind möglich. Wie die erste 11 in der nächsten Saison aussehen könnte, ist noch nicht vorstellbar. Trotz all der Negativität des Abstiegs gibt es in den 96-Reihen einige Spieler, die vom Abstieg profitieren – sofern sie bei den Roten bleiben (dürfen)…

 

Hendrik Weydandt…

Das Wunderkind dieser Saison hat vom Manager bereits ein Wechselverbot erhalten – und selbst wenn er keins ausgesprochen hätte, „Henne“ liebt diesen Verein! In jedem Spiel ist dem 23-Jährigen anzusehen, was ihm der Verein bedeutet. Er ist mit absoluter Leidenschaft dabei und immer voll fokussiert. In der Rückrunde ist er bereits zum  Führungsspieler gereift, in der zweiten Liga dürfte ihm der Stammplatz, den er sich bereits in den letzten Spielen erkämpft hatte, über die komplette Saison sicher sein. Weydandt bringt einige Fähigkeiten mit, die in der eindeutig kampfbetonteren zweiten Liga erforderlich sind: Ein gutes Kopfballspiel, ein starkes Zweikampfverhalten inklusive gutem Körpereinsatz und er traut sich, auf dem Platz mal den Mund aufzumachen. Weydandt ist zwar erst seit dieser Saison Vollzeitprofi, er verhält sich jedoch bereits jetzt ein Spielführer mit jahrelanger Erfahrung. Darüber hinaus steht er nach fast jedem Spiel den Journalisten Rede und Antwort, an seinem Charakter können sich viele ein Beispiel nehmen! Bereits in dieser Spielzeit ist Weydandt zu einem der wichtigsten Spieler aufgestiegen, in der nächsten Saison sind wir auf unseren Goalgetter angewiesen.

 

Edgar Prib…

Trotz seiner langen Verletzung ist Edgar Prib noch immer Publikumsliebling, in der nächsten Saison könnte er endgültig den Heldenstatus erreichen, wenn mit ihm als Kapitän der Wiederaufstieg gelingt. Sein Comeback im 96-Trikot hätte kaum besser laufen können, bei seinem Startelf-Debüt gelang ihm direkt eine Vorlage. Eddy ist ein absoluter Kämpfer, das hat er bei seiner Reha erneut unter Beweis gestellt. Er war bereits fit, dann warf ihn eine erneute schwere Verletzung zurück – wenn das Wort Mentalitätsmonster zu einem Spieler passt, dann zu Prib! Der Mittelfeldspieler verfügt über eine ähnlich gute körperliche Präsenz wie Weydandt und sein starker linker Fuß könnte zur echten Waffe werden. Mit ihm könnte 96 viel Druck aus der zweiten Reihe entfachen – darüber hinaus wäre seine Weiterbeschäftigung ein positives Signal an die Fans. Sein Vertrag läuft im Juni aus, es werden aber bereits Gespräche geführt.

 

Es Pribbelt wieder bei 96: Sein Comeback hätte kaum besser verlaufen können, in der nächsten Saison will er noch einmal eine Schippe drauflegen

Florent Muslija…

Der 20-Jährige Rechtsaußen stand in der abgelaufenen Saison 16 Mal in der Liga auf dem Platz, dabei gelangen ihm zwei Treffer. Muslija konnte sich nicht dauerhaft durchsetzen, zeitweise war der Druck anscheinend einfach zu hoch und seine Spielanlage noch nicht reif genug. In Ansätzen hat er sein Potential bereits gezeigt, der Rückgang in die zweite Liga tut seiner weiteren Entwicklung mit Sicherheit gut! Auch ihm dürfte ein Platz in der ersten Elf winken – mit seinem hohen Tempo könnte er auf der Außenbahn für Wirbel sorgen. Er könnte die Abwehrspieler auf sich ziehen und mit einer präzisen Flanke den eben erwähnten Weydandt bedienen… Die Kombination mit Muslija ist alles andere als unrealistisch – wieso sollte man sich auf dem Transfermarkt umschauen, wenn man die Alternativen in den eigenen Reihen hat? Arbeiten muss er jedoch noch an seinem Dribbling, ihm verspringen zu viele Bälle und oftmals ist er zu schnell für seine eigenen Aktionen. Auch die „jugendliche Eigensinnigkeit“ muss er abstellen. Wenn ihm das gelingt, wird auch er zu einem wesentlichen Pfeiler in der Hannover-Elf werden.

 

Linton Maina…

Apropos Tempo, mit Linton Maina steht noch ein anderer Tempodribbler bei Hannover 96 unter Vertrag. Der 19-Jährige hat bereits ein Wechselverbot erhalten, das Jahr in der zweiten Liga kommt aber auch seiner weiteren spielerischen und mentalen Entwicklung zugute. In 19 Ligaspielen gelangen ihm in dieser Saison zwei Vorlagen und ein Treffer – diese Statistik wird er im nächsten Jahr ausbauen! Je nach System kann Maina im Mittelfeld oder auf dem Flügel auflaufen – seine enorme Geschwindigkeit spricht allerdings für die offensivere Position. An seinen Hereingaben lässt sich noch einiges verbessern, die Voraussetzungen für einen Topscorer sind aber vorhanden! Maina ist zweifelsohne ein großes Talent, nun gilt es, dieses Talent zu entfachen – und genau hierfür ist die zweite Liga gut! Auch für ihn dürfte ein Platz in der ersten Elf vorhanden sein.

 

Timo Hübers…

Auch Innenverteidiger Hübers wird nicht wechseln. Der 22-Jährige kam als ein junger Hoffnungsträger zu 96, in dieser Spielzeit setzte er aufgrund eines Kreuzbandrisses jedoch keinen Fuß auf das Spielfeld. In der Sommerpause muss er nun wieder an das Spiel herangeführt werden, seine Veranlagung ist allemal gut. Der 1,90-Meter große Hildesheimer hat in Hannovers Jugend und in der zweiten Mannschaft vom 1. FC Köln (Regionalliga West) bereits bewiesen, dass er eine echte Herausforderung für die gegnerischen Angreifer ist. Auch er verfügt über eine starke Mentalität und eine gute Physis – all das, was ein guter Abwehrspieler braucht. Seine Größe ist außerdem ein gutes Mittel gegen Flanken. Seine Entwicklung wird spannend, wenn er verletzungsfrei bleibt, wird er seine Spielzeit in der nächsten Saison erhalten!

 

Iver Fossum…

Fossum hat schon seit Jahren mit dem gleichen Schicksal zu kämpfen, er bekommt schlichtweg keine Konstanz in sein Spiel. Er hat immer wieder gute Momente und Ideen, im Gegenzug unterlaufen ihm aber auch total unnötige Fehler. In dieser Spielzeit stand er nur 9-Mal auf dem Platz, ein Scorerpunkt blieb ihm verwehrt. Das Tempo in der ersten Liga scheint etwas zu hoch zu sein – da kommt die zweite Liga doch recht gelegen. Der Norweger muss die Sommerpause nutzen, um an seiner Passquote zu arbeiten. In vielen Situationen agierte er überhastet. In der letzten Zweitligasaison war Fossum einer der absoluten Leistungsträger und fungierte als Schaltzentrale im zentralen Mittelfeld. In 25 Spielen gelangen ihm zwei Vorlagen und ein Treffer – gerne wünschen wir uns so ein Ergebnis in der nächsten Saison!

 

Leo Weinkauf…

Die Torwartposition wird wohl neu zu besetzen sein: Michael Esser überzeugte in dieser Spielzeit und würde gerne noch einmal einen Vertrag bei einem Bundesligisten unterzeichnen. Interessenten sind auch vorhanden – ist dies die Chance für Leo Weinkauf?

Weinkauf kam vor der Saison aus München (Bayern II) und machte im Training stets einen guten Eindruck – das ihm zugeschriebene Talent kommt nicht von ungefähr. In der abgelaufenen Saison lief er für die zweite Mannschaft von 96 auf und verpasste keine einzige Spielminute. Weinkauf spielte 8-Mal zu null und hielt das Team oftmals im Spiel. Der wahrscheinliche Abgang von Esser eröffnet ihm eine neue Chance auf einen Stammplatz bei den Profis. Für die erste Liga würde es wahrscheinlich noch nicht ausreichen – doch Liga zwei spielt ihm in die Karten.

 

Sebastian Soto…

Sebastian Soto könnte der nächste Stern am 96-Himmel werden. Der Mittelstürmer spielte in der abgelaufenen Saison für das U19-Team der Hannoveraner und kam in 23 Partien auf 16 Tore und sechs Vorlagen – ein Traumwert für den 18-Jährigen. Die U19-Bundesliga kann man natürlich nicht mit der zweiten Bundesliga vergleichen, dennoch ist Soto technisch sehr begabt und verfügt über den berühmt-berüchtigten Torinstinkt. Es wird vor allem interessant sein, ob er körperlich mit den Profis mithalten kann. Seine Einsatzzeit wird er definitiv bekommen!

 

 

2 Kommentare

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.