Die zweite Garde hat es drauf – macht es sich 96 in seiner Komfortzone bequem?

Der Sieg gegen den 1. FC Nürnberg hat ungewohnte Gefühle ausgelöst. Fünf Tore in einem Spiel gab es schon lange nicht mehr, dazu fünf verschieden Torschützen. Neben den alt Bekannten wie Ducksch und Haraguchi, welche ohnehin die goldenen Matchwinner im Kader von Hannover 96 sind, hat es einen besonders für Florent Muslija und Patrick Twumasi gefreut. Beide konnte sich mit einem Treffer für das Vertrauen bedankt. Allen voran der genesene Twumasi konnte an seiner starken Form anknüpfen – der Knoten scheint endlich geplatzt zu sein.

Die individuellen Akteure kommen sichtbar besser in Fahrt – passend zur Rückrunde. In der Offensive ist man, gemessen an der Konkurrenz der zweiten Liga, gut aufgestellt. Das hat man spätestens am Sonntag gesehen. Das Dreiergespann Haraguchi, Ducksch, Twumasi macht wahrlich Spaß, die Leistungssteigerung des Letzteren zaubert ein Lächeln in das Gesicht. Endlich mal ein saisonaler Rekordtransfer, welcher sich zu lohnen scheint. Vorausgesetzt, es kommt jetzt nicht zu einem Einbruch. Einzig die rechte Seite ist nach wie vor ein Dorn im Auge vieler, denn Kingsley Schindler kann nicht überzeugen. Zwar wird er nicht negativ auffällig, allerdings kann er das 96-Angriffsspiel nicht bereichern.

Man wartet sehnsüchtig auf das Comeback von Linton Maina, doch am Sonntag hat sich auch sein Buddy Florent Muslija zurück in den Fokus gekickt. Mit einem schönen Freistoßtor machte er den Deckel drauf, seine Tempovorstöße und Quirligkeit im gegnerischen Abschnitt offenbarten sein Talent. Mit der Gewährleistung von genügend Spielzeit könnte Kocak dafür sorgen, dass sich eben dieses Talent (endlich) dauerhaft etabliert und Muslija zu einem „kompletten“ und stabilisierten Spieler reift. Denn dann  könnte der 22-Jährige zu einem absoluten Leistungsträger werden. Da lege ich mich fest.

Hoffnungsträger Florent Muslija hat sein Talent gegen Nürnberg endlich mal wieder auf den Platz gebracht.

Auch in der Defensive läuft es gut. Zwar kassierte man gegen Nürnberg zwei Buden, allerdings muss man den Ausfall von Franke und Bijol berücksichtigen. Gemessen an der Abstinenz der beiden Stützen sah das Defensivspiel doch gar nicht schlecht aus.

Doch eins wäre definitiv verfrüht: Erneut in Aufstiegsträumereien zu verfallen. Nach wie vor hängt man sechs Punkte hinter dem Relegationsplatz und sieben Punkte hinter einem direkten Aufstiegsplatz zurück. Dem Ziel, welches man von Beginn an forcierte, läuft man somit noch immer (deutlich) hinterher. Jene Aufstiegsträumereien würden Unruhe in die Mannschaft bringen – und genau das will der Präsident Kind nicht.

Doch Moment, jene Worte verwendete Martin Kind in einem anderen Kontext. Er lobte die zweite Linie, gleichzeitig hakte er jede Personaldiskussionen ab. Sie wurden „Unruhe“ in das Team bringen. Da hat er natürlich recht, doch vor wenigen Tagen kündigte Kind noch an, bei einer „realistischen Chance auf den Aufstieg“ würde man definitiv noch investieren. Ist diese realistische Chance passé?! Die Antwort: Nein. Am Mittwoch beginnt die Rückrunde mit 17 Spieltagen, aktuell benötigt man zwei Siege mehr als Holstein Kiel. Da haben Mannschaften schon ganz andere Dinger binnen einer Rückrunde gerissen.

Herr Kind verwirrt also erneut. Hat sich 96 im Mittelfeld eine neue Komfortzone geschaffen? Den eigenen Jungs eine Chance zu geben ist Lobenswert und dürfte alle Fans freuen, doch den eigenen Ambitionen wird man so nicht gerecht. Man stelle sich nur einmal vor, Spieler wie Ducksch, Haraguchi, Bijol, Hübers oder Franke würden längerfristig ausfallen. Dann hätten die Roten ein richtiges Problem. Und dann könnte der (falsch angewandte) Sparkurs erneut zu einem selbstgemachten Strick werden… Man möchte nach wie vor Aufsteigen, das steht außer Frage. Doch der abgedrehte Geldhahn dürfte dieses Ziel in weitere Ferne rücken.

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