Die Chance der Länderspielpause

Der Saisonbeginn ging für das ,,neue 96“ rund um Zimmermann und Mann aus sportlicher Sicht nach hinten los und man steht nach fünf Spielen mit einem Sieg, einem Unentschieden und drei Niederlagen auf Platz 17 der Tabelle. Vor allem die peinlichen Auftritte gegen Rostock (0:3), Darmstadt (0:4) und Dresden (0:2) zeigten dabei, dass die Spieler in unserem Kader und Zimmermanns Spielidee noch überhaupt nicht übereinstimmen, was jedoch aufgrund des noch nicht fertiggestellten Kaders irgendwo leider zu erwarten war.

von Vito Polito

Das hat sich jedoch nach dem Ducksch Verkauf und den wirklich sehr starken Transfers von Marcus Mann
von Trybull, Ondoua, Krajnc und Hinterseer auf dem Papier zumindest schon mal geändert.
Der Saisonstart ist daher natürlich mehr als nur ärgerlich und in vieler Hinsicht sogar peinlich, jedoch werden wir durch die vielen Transfers in den letzten Wochen nach der Länderspielpause auf dem Platz sicherlich ein anderes 96 sehen, dass hoffentlich auch mit Siegen und Leidenschaft überzeugen kann. Aus diesem Grund kommt uns die normalerweise (vor allem in Pandemiezeiten) unnötige Länderspielpause gerade recht, damit die neuen Spieler integriert werden können und Zimbo in gewissermaßen eine zweite Chance kriegt seinen Spielstil auf die Spieler zu übertragen.

Nach fünf gespielten Spielen scheint sich unter Zimmermann ein 4-2-3-1 bzw. ein 4-3-3 etabliert zu haben, wofür Zimbo jedoch bis zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich die Spielertypen für hatte, da es im Kader keinen gelernten Sechser gab. Dabei kann man sich natürlich die Frage stellen warum 96 dann die ersten Spiele nicht mit einem anderen System gespielt hat.

Bis dato war sein Engagement nicht wirklich vom Erfolg gekrönt

Jedoch ist die Idee dahinter wohl ziemlich eindeutig: Die Spieler sollten sich trotz des noch nicht fertiggestellten Kaders auf das Spielsystem einlassen und die Idee von Zimmermann lernen. Klar zu erkennen war dabei schon, dass Zimmermann im Angriffsspiel in der offensiven Dreierkette nicht auf die klassischen Flügel setzte, sondern z.B im ersten Spiel gegen Bremen mit Muslija, Kerk und Stolze drei Spieler auf diesen Positionen spielen gelassen hat, die eine Art Hybrid aus Zehner und Flügel geben können und ihre Positionen regelmäßig verlassen und während des Spiels rotiert haben. Dies funktionierte zwar in den ersten Spielen nicht immer, wird sich jedoch mit den Verpflichtungen von Trybull und Ondoua sicherlich ändern, da ein Sebi Ernst nun viel weiter vorne im Mittelfeld spielen kann und nun seine Stärken besser ausspielen kann.

Generell ist Ernst der Spieler dem Zimmermann im Mittelfeld am meisten Vertrauen zu geben scheint und das Problem der fehlenden Kreativität im offensiven Mittelfeld lösen kann. Er wird dabei in den kommenden Wochen sicherlich der zentrale Spieler sein und in gewissermaßen Haraguchis Rolle aus der Vorsaison übernehmen. Mit Linton Maina + einem jungen Ennali besitzt 96 zudem auch noch temporeiche Ergänzung zu diesem dynamischen Flügelspiel, die dem Spiel eine andere Ebene geben können und Zimbo die Wahl geben entweder voll auf Tempo zu setzen oder sich mit den angesprochenen ,,Hybrid Spielern“ durch zu kombinieren. Vor allem Lawrence Ennali wird sicherlich seine Chance in der Startelf kriegen, was in Augen vieler Fans auch längst überfällig ist. Spieler wie Kaiser oder Frantz werden daher hingegen wohl in Zukunft eher die Rolle von Rotations- bzw. Ergänzungspielern einnehmen, was in Anbetracht ihrer sportlichen Leistungen auch nicht weiter schlimm ist.

Frantz will noch in dieser Spielzeit den Ton angeben – künftig dürfte die Konkurrenz zu groß sein

Ebenso wie der Neuzugang Sebastian Stolze, der sich auf den Flügeln wohl hinter Muslija, Ochs, Ennali und Maina anstellen muss. Abschreiben sollte man ihn trotzdem nicht. Eine mögliche Option wäre hierbei ebenfalls Muroya auf den rechten Flügel zu verschieben, um auf den Außenbahnen für noch mehr Tempo zu sorgen. Genauso wie Sebastian Kerk, der im 96-Dress ebenfalls noch nicht wirklich überzeugen konnte und sich auf der Zehner Position ganz klar wohl hinter Sebi Ernst anstellen muss. Auf den Außenverteidigerpositionen zeichnet sich hingegen ein anderes Bild ab, wo 96 mit Dehm, Hult und Muroya gleich drei Spieler auf einem ähnlichen Niveau besitzt und vor allem mit Dehm einen Spieler hat der extrem variabel einsetzbar ist. Ebenso wie in der Innenverteidigung, wo durch die Verpflichtung von Krajnc und dem jungen Lamti sogar eine Möglichkeit besteht auf eine 3er bzw. 5er Kette umzubauen, was aufgrund einem eher offensiv denkenden Außenverteidigeren wie Muroya ebenfalls eine realistische Option wäre.

Franke ist dabei der Spieler der in jeglicher Hinsicht in der Defensive gesetzt sein wird, während sich Börner
und Krajnc um den zweiten Spot in der Innenverteidigung streiten müssen. Ein Marc Lamti wird dabei wohl eher nur auf sporadische Einsatzzeiten kommen, was jedoch aufgrund seines noch sehr jungen Alters nicht weiter schlimm ist, solange er so gut es geht an die Mannschaft herangeführt wird. Auf der Stürmerposition besitzt 96 dabei ebenfalls mit Weydandt und Beier + Stürmer X vielleicht drei unterschiedliche Spielertypen, die das Spiel auf unterschiedliche Weise beleben können. Hier muss sich
jedoch zeigen wen Marcus Mann noch verpflichten kann. Hier muss sich auf jeden Fall noch definitiv etwas tun, da bei allem Respekt und persönlicher Wertschätzung Henne Weydandts Qualitäten als Stürmeroption Nummer eins für eine komplette Spielzeit nicht reichen werden. Ebenso wie man nicht die ganze Last auf die Schultern des gerade erst 18-jährigen Beier legen kann. Hier wird Lukas Hinterseer Abhilfe schaffen. 

Mit den eben angesprochenen Transfers und dem System von Zimmermann könnte 96 nach der Länderspielpause vielleicht so auflaufen:
4-2-3-1
       Hinterseer/Weydandt/Beier
      Maina /Ernst Muroya/Ennali
               Ondoua Trybull
  Hult (falls gesund) Börner Franke Dehm
                          Zieler

In der Theorie klingt dieser Kader bzw. diese Aufstellung gar nicht so schlecht es liegt jedoch jetzt an Zimbo
das Potenzial dieses Kaders mit den neuen Spielern auszuschöpfen und ggf. auch an seiner Taktik zu
arbeiten. Oft fehlte es nämlich im offensiv Spiel an Zwang und Gefahr nach vorne, da man häufig gesehen hat, dass
das Konzept noch nicht ganz in den Köpfen der Spieler war und eben ein klarer Strafraumstürmer der für 15
Tore+ sorgen kann fehlt. In der Defensive muss dazu noch mehr Stabilität reinkommen, wo man mit Julian Börner definitiv jemand verpflichtet hat der neben Kapitän Marcel Franke eine tragende Rolle spielen kann und seit dem ersten Tag in der Mannschaft schon sehr viel Verantwortung übernimmt.

Nichtsdestotrotz ist trotz des sportlichen Misserfolges was die Transferpolitik angeht seit Marcus Manns Ankunft ein extremer Schritt nach vorne gemacht worden, der jetzt nur noch sportliche Früchte tragen muss. Der Saisonstart ist zwar ärgerlich und nicht veränderbar, die Saison sollte man jedoch nicht schon zu den Akten legen und Zimmermann und Mann bei ihrer Arbeit vertrauen.

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