Derby und innere Zerstrittenheit

Es ist mal wieder so weit, es ist Derbyzeit. Auch wenn das Rückspiel wieder ohne Fans stattfindet, ist man doch im Derbymodus. Und die Vorzeichen auf ein erfolgreiches Derby, diesmal in der verbotenen Stadt, stehen richtig gut. Der Optimismus von mir rührt aus den teilweise guten Leistung der Mannschaft aus den letzten Spielen. Auch wenn sie jede Konstanz auf eine Serie vermissen lässt. Für das Derby gibt es nichts anderes als einen Sieg…

Wenn am Ende ein dreckiges 1:0 rausspringt ist es mir auch wurscht. So eine Gala wie beim 4:1 im Hinspiel kann man wohl nicht erwarten. Jeder kennt die Auswärtsstärke unserer Roten. Ich hoffe jeder einzelne Spieler weiß um die Bedeutung, wenn es gegen Peine Ost geht. Da gilt es zu kämpfen und zu beißen. Schönspielen kann man gegen andere Gegner. Gewinnst du beide Derbys, sind 50 Prozent des Saisonziels für mich erreicht.

Choreografie beim Niedersachsen-Derby im November 2013. Foto: Getty Images

In meiner letzten Kolumne habe ich geschrieben, ich werde mich nach Transferschluss zu den getätigten Neuverpflichtungen äußern. Nun ist der Markt seit Montag dicht und mein Fazit zu den Wintertransfers fällt folgendermaßen aus: Wer mich kennt, der weiß, dass ich es mir nicht so einfach mache. Herr Kind, Herr Zuber, Herr Kocak, wir müssen mal wieder reden. Und es gibt viel zu bereden.

Aber bevor ich dazu komme noch ein paar Worte zur Hinrunde. Die nach einem holprigen Start, wo man viele unnötige Punkte hat liegen lassen, sich dann zum Ende doch noch zum besseren wendete. Das Einzige was in den letzten Spielen fehlte, war die Konstanz in den Leistungen. Und so riss man gute Ausgangspositionen, in denen man sich hätte oben festsetzen können, mit miesen Spielen und unglücklichen Aktionen wie das Eigentor in Karlsruhe wieder ein. Auf Grund dieser Inkonstanz war der Aufstieg at Acta gelegt. Obwohl man, wenn man jetzt ein bisschen Konstanz in die Leistung bekommt, vielleicht eine Serie startet und wenn oben der ein oder andere patzt, dann ist bei noch 15 Spielen alles drin. Da ist natürlich viel Wenn und Hoffnung und Träumerei drin. Wenn man am Ende beide Derbys gewonnen hat und unter den ersten sechs landet, dann ist die Saison doch gar nicht so schlecht verlaufen. Wenn man dann sogar zweiter oder dritter ist nimmt das gerne mit.

Kommen wir nun zu den ach so erfolgreichen Wintertransfers der Roten. Oder besser gesagt, wie schiebe ich den schwarzen Peter für die Untätigkeit dem anderen in die Schuhe. Ich habe volles Verständnis, dass man in der derzeitigen Situation das Geld nicht mit vollen Händen rauswirft für irgendwelche Spieler, die sonst wo auf der Tribüne sitzen. Das dieses Handeln in Hannover selten von Erfolg gekrönt war hat die leidige Vergangenheit bewiesen. Wie sagte mal ein Politiker: „es ist besser nicht zu regieren, als schlecht zu regieren“. Das ein Trainer immer Spieler möchte, die die Qualität des Kaders aufwerten, ist logisch. Das ein Geschäftsführer mit glänzender sportlicher Inkompetenz dann nur aufs Geld schaut, geschenkt. Das dann ein Sportdirektor da ist, mit dem man kurz vorher noch vor Gericht gestanden hat, tja ist Hannover. Aber das dieser dann nicht die Stärke hat, die Wunschspieler des Trainers zu verpflichtet, sofern sie ins Budget passen, das passt ins chaotische Bild der Roten.

Das man unterschiedlicher Auffassung ist liegt in der Natur der Sache. Der eine möchte immer die beste Mannschaft auf dem Platz haben und die besten Spieler für sein System, alles im Rahmen der Möglichkeiten natürlich. Auf der anderen Seite ist der Geschäftsführer, der das große Ganze im Blick hat und auf die Finanzen schaut. So weit so gut, dagegen hat niemand was. Wenn am Ende des Tages das bestmögliche für den „Verein“ herumkommt, sind alle zufrieden. Und wenn sich dann der sportliche Erfolg noch einstellt hat man alles richtig gemacht. Wenn man dann mit diesem Ergebnis vor die Presse tritt und genau das verkündet, ist alles gut. Spielen muss dann die Mannschaft.

Aber Hannover wäre nicht Hannover, wenn hier nicht genau das Gegenteil der Fall wäre. Auf der einen Seite steht Martin Kind, der in jedes ihm vorgehaltene Mikrofon etwas anderes plappert. Er ändert seine Meinung stimmungsabhängig. Einmal will der noch aufsteigen, um dieses Ziel zehn Minuten später beim Gegentor zu widerrufen und die Saison quasi für beendet erklärt. Wohlgemerkt am 15 Spieltag! Dann heißt es man wolle nochmal aktiv werden, wenn man oben dran ist. Dieses Gebot nimmt man wenig später aber wieder zurück.

Der eine Wunschspieler des Trainers war Dursun von Darmstadt. Er geistert nun schon länger durch die Katakomben des Niedersachsenstadions. Man gab zum Schein ein Angebot ab, was Darmstadt mit einem Lächeln dankend ablehnte. Und so Kocak seinen Wunschspieler nicht bekam. Der zweite Wunschspieler des Trainers war Ekici. Er ist Vereinslos und auf Grund dessen ließ man ihn wochenlang mit trainieren. Weil man sich nicht über eine Verpflichtung einig wurde, zog er genervt von dannen. Wer ihn von den zwei Akteuren letztendlich nicht haben wollte weiß nun keiner. Das Kocak mit dieser Entscheidung nicht einverstanden war hat er öffentlich kundgetan. Da man auf den Außen durch den Ausfall von Maina dünn besetzt ist, fasste man kurz eine Rückkehr von Felix Klaus ins Auge. Man zögerte zu lange, sodass dieser jetzt in Düsseldorf spielt.

Kurz vor Ladenschluss kam dann vom Geschäftsführer das Go für einen neuen Spieler. Da nahm das Drama volle Fahrt auf. Zuber schlug Spieler vor, die der Trainer dankend ablehnte. So kam was kommen musste, es blieb ruhig an der Transferfront. Dafür war das Rauschen im Blätterwald umso lauter. Kocak machte es wie meistens, er schob öffentlich den schwarzen Peter auf Zuber ab. Er gab ihm öffentlich die Schuld, dass er seine Wunschspieler nicht bekam. Anstatt es intern in der Geschäftsstelle zu klären, trug man den Streit öffentlich aus. Entweder täusche ich mich aus der Ferne, oder der Einzige, der hier die Öffentlichkeit sucht, ist der Trainer. Macht er gerne, Probleme öffentlich auszutragen. Na klar lud Kind, wie es so seine Art ist, beide öffentlich zum „Friedensgipfel“ ein. Dass das Verhältnis zwischen Zuber und Kocak nicht mehr das Beste ist, sollte jedem nach dem verkorksten Trainingslager zum Saisonstart bewusst sein.

Vielleicht redet der Trainer jetzt hinter dem Rücken des amtierenden Sportdirektors mit dem anderen Sportdirektor, der noch auf der Lohnliste der Roten steht. In dieser Sache hat er Erfahrung, sage nur die „Geheimgespräche“ von Zuber und ihm hinter dem Rücken von Jan. Anstatt sich auf den Rest der Saison mit dem bestehenden Kader zu konzentrieren, um möglichst gut abzuschneiden, vollführt man Grabenkämpfe um Macht und Deutungshoheit. Typisch 96.

Es erinnert stark an die letzte Zeit von Schmadtke und Slomka. Dabei stehen eigentlich wichtige Entscheidungen für die Zukunft an. Wo will man sportlich hin?! Will man in die Bundesliga? Dann sollte man alles versuchen um mit Hübers und/oder Haraguchi zu verlängern und um beide einen schlagfertigen Kader mit Aufstiegsambitionen zu bauen. Lässt man beide ziehen, bleibt man ein durchschnittliches Zweitligateam und das auf längere Zeit, weil man ab dem dritten Jahr nicht mehr die finanziellen Möglichkeiten hat. Außerdem steht da noch die Suche nach einem neuen Haupt- und Trikotsponsor an. Das ist in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten schon eine Aufgabe die vollen Einsatzbraucht. Und da ist das Abschneiden in dieser Saison von großer Bedeutung. Spielst du Bundesliga oder hast mindestens die Aussicht nächstes Jahr aufzusteigen, dann hast du ganz andere Argumente als eine graue Maus in der zweite Liga. Ich habe die leise Hoffnung, dass sich alle Protagonisten der Lage bewusst sind und ihre Egoismen dem großen und ganzen unterordnen. Und man miteinander anstatt übereinander in den Medien redet! Ich werde die ganze Lage weiter beobachten und mich immer wieder zu Wort melden. Ich habe die Hoffnung, dass man bald mal nur was Positives schreiben kann.

Auf ein geiles Derby.

Euer Frank

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