Der „Fußballgott“ im NDR-Fernsehen: So war der Auftritt von Carsten Linke

Carsten Linke schonte während seiner aktiven Zeit weder sich noch Gegner. Foto: Friedemann Vogel/Bongarts/Getty Images.

Die Mitgliederversammlung bei Hannover 96 wirft ihre Schatten voraus – und die reichen sogar bis nach Hamburg. Denn wenn das NDR-Fernsehen sogar seine Sendung „Sportclub“ am Sonntagabend damit füllt, dass der obligatorische Studiogast aus dem Bereich Fußball nichts mit aktuellen Spieltagen aus den ersten drei Bundesligen zu tun hat, dann muss ein wichtiges Thema auf der Tagesordnung stehen. Dies ist im wahrsten Sinne so, denn bei 96 steht am Samstag die Wahl des neuen Aufsichtsrats auf der Tagesordnung.

Einer der Kandidaten dafür ist Carsten Linke, der ins Studio nach Hamburg zu Valeska Homburg eingeladen war. Doch noch bevor der ehemalige 96-Spieler seinen Platz am Tisch der Moderatorin einnahm, wurde er in einem kurzen Einspielfilm vorgestellt. „Fanliebling, Pokalsieger….“ Dazu wird der DFB-Pokal eingeblendet. Pokalsieger? Dass Linke den Spitznamen „Fußballgott“ in Hannover trägt, weiß man in der Stadt. Dass er aufgrund seiner authentischen Art und Hingabe für den Verein schon zu seiner aktiven Zeit zu einem Liebling der Fans aufgestiegen ist, ebenfalls. Aber Pokalsieger war Linke nie. Zur Zeit des DFB-Pokalsiegs 1992 gehörte er noch lange nicht zum Kader, wechselte erst während der Saison 1995/1996 nach Hannover. Erster böser Fauxpas des NDR bei den weichen Fakten – wie sollte also erst das Gespräch zu den knallharten Fakten verlaufen?

Zunächst ging es aber noch gar nicht um den Machtkampf hinter den Kulissen beim eingetragenen Verein. Linke sollte seine Einschätzung zur aktuellen Situation in der Bundesliga abgeben („In den letzten zwei Spielen gab es eine Leistungssteigerung“) und blickte optimistisch voraus („Es ist noch alles drin, gerade wenn es einen Sieg gegen Schalke gibt“). Homburg hakt nach. „Ist der Kader bundesligatauglich?“ Linke überlegt einen Moment. Er sieht so aus, als wolle er eigentlich mit „Nein“ antworten, das würde aber seinen zuvor geäußerten Optimismus torpedieren. Daher gibt er sich diplomatisch. „Sané zu ersetzen, war von vorneherein schwer. Aber man hätte noch zwei bis drei Spieler holen müssen. Und aus dem Mittelfeld gibt es zu wenig Torgefahr.“

Und jetzt kommt Homburg endlich zum Thema, dem Grund für die Einladung von Linke? Mitnichten! Bevor dieser sagen kann, was er eigentlich will, wird erstmal einer seiner Gegenkandidaten vorgestellt: Karsten Surmann, der mit seiner Gruppe der Martin-Kind-Fraktion zugeordnet wird und freundlich gegenüber Investoren eingestellt ist. Ein kurzer Film zeigt den Kapitän der 92er Pokalsiegermannschaft beim Hallentraining mit Kindern. Während des Einspielers werden auch kurz Sinn, Prozedere und Arithmetik des kommenden Samstags erklärt – weiß in Hannover jeder, aber eben nicht jeder NDR-Zuschauer: Elf Kandidaten stehen zur Wahl für fünf Plätze im Aufsichtsrat, dieser bestimmt den neuen Präsidenten des Gesamtvereins und damit den Nachfolger des nicht mehr kandidieren Martin Kind. Es entsteht ein Machtvakuum, heißt es in dem Bericht, den die Kind-Opposition um Carsten Linke nutzen und durch die Mehrheit im eingetragenen Verein Einfluss auf die ausgegliederter Fußballabteilung nehmen will.

Zurück im Studio, jetzt wird es endlich spannend. Oder doch nicht? Homburg vergleicht Surmann und Linke – und fragt diesen: „Wo unterscheiden sich Ihre Meinungen? „Soweit liegen wir gar nicht auseinander“, sagt Linke – und enttäuscht die Zuschauer, die auf eine Kampfansage gehofft haben. „Das Zwei-Säulen-Modell soll erhalten bleiben. Wir treten an als Aufsichtsrat des eingetragenen Vereins an, in die Profiabteilung regieren wir nicht rein.“

Der 53-Jährige führt danach aus, was für seine Fraktion ausschlaggebend ist: der Ausnahmeantrag von Martin Kind. „Es gibt einen Mitgliederbeschluss, der sollte vorlegt werden – das war für Herrn Kind aber nur eine Empfehlung. Es sollte für Mitglieder einsehbar sein, wenn der Klub verkauft wird.“ Endlich ist das Spiel in Schwung gekommen. Linke agiert wie zu seiner aktiven Zeit: kämpferisch und unaufgeregt, ohne großen Schnörkel. Der Ball liegt wieder bei Valeska Homburg, und die Moderatorin setzt sofort nach. „Was ist Ihr Motiv? Läuft es zu undemokratisch?“ Linke antwortet umgehend. „Ja, das ist das Hauptmotiv. Demokratie wird in diesem Verein nicht gelebt. Und wenn Mitgliederbeschlüsse nur Empfehlungen sind, dann stimmt etwas nicht.“

Was folgt ist der Ausblick. Homburg: „Was wird am 23. März passieren?“ Linke: „Ich hoffe, dass wir drei Personen in den Aufsichtsrat bekommen, um dann dafür zu sorgen, dass Dinge aus den letzten Jahren transparent gemacht werden. Und dann können die Mitglieder entscheiden, ob das so ok ist oder nicht.“ So oder so, die Versammlung am Samstag verspricht Spannung. Apropos: Spannend dürfte die Frage sein, ob dem NDR am Tag danach die Ereignisse in Hannover einen Nachbericht wert sind oder ein Kamerateam sogar zur direkt Versammlung erscheint.

1 Kommentar

  1. Ich wünsche mir für den 23.03. eine emotionale Mitgliederversammlung . Darüber hinaus wünsche ich mir eine offene, ehrliche, und vor allem ein Fairen Umgang untereinander. Es ist mir darüber hinaus fast egal, wer in den neuen Aufsichtsrat gewählt wird, solange bei allen Entscheidungen, das wohl, und der Erfolg von Hannover 96, an erster Stelle steht. Ich persönlich finde das Hannover Modell von Hr. Kind absolut in Ordnung. Was ich allerdings auch sage, ich werde jegliche Entscheidung akzeptieren. Bitte liebe Mitglieder, lasst uns streiten, aber ohne Persönliche Beleidigungen. Lasst Hannover 96 wieder eine seriöse Adresse sein.                                                                    Euer Harry96

    Denkt immer daran. Niemals allein.              96 Alte Liebe

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