Auch wenn er mit seinem Telefon nervt: Darum ist „der Martin ein Pfundskerl!“

Martin Kind und sein Telefon - das kam auch in der Talkshow zur Sprache. Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images.

Dass sie befreundet sind, weiß man in Hannover. Nun weiß es auch die deutsche Fernsehnation. ZDF-Moderator Markus Lanz hatte in seine nach ihm benannte Talkshow zwei Granden aus der hannoverschen Wirtschaft eingeladen: Dirk Roßmann und Martin Kind. Am Mittwochabend ging es in der Sendung gar nicht so viel um Hannover 96, sondern auch um Politik und Wirtschaft. Dennoch war die Talkrunde kurzweilig und amüsant – auch weil viele Anekdoten über sowie von Roßmann und Kind für Abwechslung sorgten und damit einen Bezug zu Fußball und 96 hatten. In vielen sozialen Medien, die sonst eher Kind-kritisch eingestellt sind, gab es am Tag nach der Sendung ein positives Echo.

Außer den beiden Gästen aus Hannover saßen auch Florian Kurz, Enthüllungsjournalist und Chefredakteur der österreichischen Wochenzeitung „Falter“, sowie Verfassungsrichterin Juli Zeh im Studio. Die aktuellen politischen Ereignisse in Österreich, wo die sogenannte Ibiza-Affäre für Skandal und Staatskrise gesorgt haben, standen natürlich zuerst im Vordergrund. Über eine halbe Stunde sprach Lanz mit Kurz und vermutlich hätte man mit den spannenden Erzählungen des Österreichers auch komplett die 75-minütige Sendung füllen können, doch zwischendurch merkte Lanz an, dass er auch noch mit Dirk Roßmann und Martin Kind reden wolle.

Natürlich sprach er mit den Hannoveranern auch viel über Politik und Wirtschaft – aber wenn es ums Geld geht, dann ist natürlich 96 nicht weit. Ob er in den 20 Jahren seines Engagements einen zweistelligen Millionenbetrag in den Verein gepumpt habe, wollte Lanz wissen. Roßmann ging dazwischen und lachte. „Ach! Natürlich!“ Lanz präzisierte. „Ein mittlerer zweistelliger Millionenbetrag?“ Kind lachte die Frage weg. „Zahlen vergesse ich immer, ganz besonders im Fernsehen.“

Wer nun dachte, Roßmann würde seinen Freund aus Großburgwedel vor dem Publikum bloß stellen, der irrte. Der Drogeriediscount-König sprang ihm zur Seite und nannte als Beispiel das Engagement von Kind für Hannover 96. „Er ist der größte 96-Fan überhaupt, muss dann aber beleidigende Plakate im Stadion sehen. Was erträgt er da?“ Kind habe Rückgrat und lasse sich nicht in die Enge treiben. „Daher ist es für mich eine Aufgabe, an seiner Seite zu stehen und zu sagen: ,Martin, du bist ein Pfundskerl`.“

Lanz will es von Kind genau wissen. „Wie gehen Sie damit um?“ Der Hörgeräte-Unternehmer lacht. „Der liebe Gott hat mir gute Gene geschenkt. Ich kann immer gut schlafen.“ Bekannt ist trotzdem, dass ihm der Bundesliga-Abstieg von 96 viel innere Unruhe bereitet hat. Daher sagt er in der Talkshow trotzig: „96 gehört in die Bundesliga. Aber hier in Hamburg haben sie ähnliche Probleme“, sagte Kind. Lanz versteht, tut aber unwissentlich. „Ich weiß nicht, was Sie meinen.“ Ob der Moderator Fan des Hamburger SV ist und daher unter dem Nichtaufstieg des HSV leidet, kam in der Sendung zwar nicht zur Sprache. Jedoch wird die Show in Hamburg-Altona aufgezeichnet. „Hamburg ist eine tolerante Stadt, die auch zwei Zweitligisten verträgt“, betonte Lanz.

Und dann zog der Leiter der Talkrunde noch einen interessanten Vergleich, der für Anekdoten sorgte. „Sie sind unterschiedlicher wie man nicht sein kann“, sagte er in Richtung der beiden neben ihm sitzenden Personen. Roßmann ergriff das Wort. „Das stimmt. Er immer mit seinem Smartphone! So etwas habe ich gar nicht.“ Kind konterte. „Ich muss dir meins ja immer geben, damit du telefonieren kannst.“ Bekanntermaßen sind die beiden Freunde auch Tennis-Kumpels, spielen gemeinsam in der selbst gebauten Halle in Großburgwedel. Und auch dort ist das Telefon von Kind, im wahrsten Sinne, Gesprächsthema. „Immer muss er zum Handy. Man kann mit ihm nicht in Ruhe Tennis spielen“, sagt Roßmann. „Mal ruft der Sportdirektor an, mal jemand anders.“ Markus Lanz lacht. Aber er verpasst eben leider auch die Situation, um mit Schlagfertigkeit zu punkten und auf die am Anfang April erfolgte Entlassung von Horst Heldt anzuspielen. „Das mit dem Sportdirektor muss aber schon über sechs Wochen her sein“, wäre ein überragende Antwort gewesen. Es blieb aber der einzige Schönheitsfehler einer ansonsten gelungenen Sendung.

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