Angekommen im Aufstiegskampf? Die große 96-Analyse

Es sah für einige Zeit so aus, als ob Hannover 96 die zweite Liga nicht so im Sturm erobern würde, wie von einigen zunächst angenommen worden war. Die ersten beiden Spieltage waren beeindruckend, gerade das 4:0 auf dem Betzenberg. Doch danach wurde es ein wenig ruhiger. Das Unentschieden in Bielefeld nach der Niederlage gegen Dynamo Dresden lies Böses befürchten:

Schon lauerte eine Trainerdiskussion hinter der nächste Ecke. Doch danach folgten gute Spiele und Ergebnisse, die man jeweils zu Null gewinnen konnte. Die Minikrise mit den beiden Auswärtsniederlagen gegen Union und Nürnberg wurde mit einem furiosen Sieg im Pokal gegen Düsseldorf wettgemacht und der Sieg nach Rückstand gegen die Würzburger Kickers war eine gute Einstimmung auf das wichtigste Spiel der Hinserie: Das Derby.

Nach 0:2 Rückstand schaffte 96 das, was viele Beobachter nicht für möglich gehalten hätten: Hannover ließ sich nicht weiter abschießen wie vor zweieinhalb Jahren, sondern schaffte tatsächlich den Turn-Around und hätte am Ende fast noch die 3 Punkte einfahren können. Das Spiel lässt in mehrfacher Hinsicht auf eine positive Zukunft und vor allem einen guten Abschluss der Hinrunde hoffen.

Eine Einschätzung:

Auch im jüngsten Test gegen den Regionalligisten aus Jena, der im neuen Jugendstadion in der Eilenriede souverän mit 4:0 gewonnen werden konnte, zeigte man eine engagierte Leistung. Es war vor allem aber auch die Möglichkeit für einige Spieler, die zuletzt nicht im Rampenlicht standen oder stehen konnten, sich zu beweisen und sich wieder in den Fokus von Trainer Daniel Stendel zu schieben.

Ein kleiner Exkurs am Rande: Selbstverständlich ist und bleibt Stendel der richtige Trainer für Hannover 96. Diejenigen, die sich nach den unschönen Ergebnissen in der Fremde gegen den Ex-Stürmer aussprachen, sollten vielleicht ernsthaft darüber nachdenken, ob Hannover 96 der richtige Verein für sie ist. Wir sind der schwarz-weiß-grüne HSV und wir bauen etwas Neues auf. Wir wälzen nicht die Schuld auf den Trainer ab und verbrennen die beste Perspektive, die wir seit Jahren haben.



Zurück zum Test: Noah Joel Sarenren Bazee konnte erstmal wieder in der Startelf stehen und überzeugte auf ganzer Linie. Was er zum Ende der letzten Saison andeuten konnte, bestätigte er abermals mit seiner Vorlage zum 1:0 und seinem Treffer zum 2:0. Er ist eine ernsthafte Konkurrenz auf der Außenbahn, sowohl für Kenan Karaman als auch für Artur Sobiech. Der Pole ist nach seiner Verletzung immer noch nicht auf dem Stand des Endes der vergangenen Saison.

Da Karaman in bester Form ist (in der man ihn eigentlich nicht auf die Bank setzen kann!) und auch noch den Vorteil hat, sehr flexibel zu sein und variabel als Mittelfeldantreiber und als Stürmer agieren zu können, könnten wir Artur „Schnecke“ Sobiech in den nächsten Partien auf dem Spielberichtsbogen auf der Bank wiederfinden.

HANOVER, GERMANY - APRIL 15: Noah Joel Sarenren Bazee of Hannover in action during the Bundesliga match between Hannover 96 and Borussia Moenchengladbach at HDI-Arena on April 15, 2016 in Hanover, Germany. (Photo by Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images)
Darf wohl schon am Samstag gegen Aue ran: Noah Joel Sarenren Bazee. Foto: Stuart Franklin/Bongarts/Getty

Und es gibt noch einen weiteren Spieler, der langsam in Hannover angekommen zu sein scheint:







 Niklas Füllkrug. Zunächst war „Fülle“ in Liga und Pokal glücklos. Auch im Testspiel gegen Kiel hatte er Pech und verletzte sich. Doch jetzt scheint es, als sei er (endlich!) darauf aus Tore zu schießen – wie in seiner besten Zeit bei Nürnberg. Gegen Jena sah das zumindest schon recht gut aus. Er war sehr aktiv, energisch und strahlte permanent Gefahr aus. Dies zeigt sich natürlich auch durch seine beiden Tore, die er sich mit einem selbst rausgeholten Elfmeter und einem Tor nach eigener Balleroberung selbst erarbeitetet. Dazu kommen ein Pfostenschuss und die Vorlage des Tores von Sarenren Bazee. Alles in allem: Eine sehr solide Leistung, mit der sich „Fülle“ definitiv wieder für eine Chance in der Liga empfohlen haben dürfte. Wenn diese beiden Tore nicht der Brustlöser waren, können wir uns sicher sein, dass er in den nächsten Partien irgendwann kommen wird und Fülle so noch wichtiger für unsere Roten wird.

Bei Niklas Füllkrug waren die Erwartungen sehr hoch und auch darunter litt der Ricklinger in seiner bisherigen Zeit bei den Roten. Einer, an den überhaupt keine Erwartungen mehr gestellt wurden, ist Felipe.

Der Brasilianer, der einst aus Lüttich kam, wird von vielen Fans meist mit Fouls, Elfmetern, roten Karten, weiteren Patzern und allen voran Verletzungen in Verbindung gebracht. Und das wohl zurecht. Jedoch übersahen viele oft, dass Felipe, wenn er gebraucht wurde, auch oft solide Spiele ablieferte. Dass er das Potential hat, ein guter Verteidiger zu sein, sollte den letzten Fans spätestens nach seinen Leistungen in den vergangenen Wochen bewusst geworden sein.

Aufgrund der Personalproblematik bekam Felipe seine Chancen und durfte in der zweiten Liga an der Seite von Stefan Strandberg in der Innenverteidigung ran. Er machte seine Arbeit sehr gut. Felipe ist technisch gut, physisch sehr stark und gefährlich durch seine Lufthoheit. Und vor allem: Er ist Linksfuß. Dies bringt ihm einen Vorteil gegenüber zum Beispiel Florian Hübner, da er so die linke Innenverteidigerposition sehr gut bekleiden kann. Wenn er weiter so solide agiert, könnte man Felipe in Zukunft öfter in der Startelf sehen. Und allein schon durch seine Haare hat er Potenzial zum Publikumsliebling. Es wäre eine Cinderella-Story.



Apropos Florian Hübner: Mit dem ehemaligen Sandhäuser holten die Roten vor der Saison einen erfahrenen Zweitligaspieler. Doch der vielen Fans durch die Webshow „Hübi und Baka“ sehr sympathisch gewordene 25-Jährige ist momentan nur Ersatz. Schlimmer noch, eigentlich ist er nur Reserve. Gerade durch die Verpflichtung von Stefan Strandberg kurz vor Ende der Transferperiode ist Hübner in der Reihenfolge der Innenverteidiger weit nach hinten gerutscht. Auch wenn er gegen Jena solide spielte: Momentan ist man mit den starken Strandberg, Anton, Sané und Felipe zu gut besetzt.

Auf der Torhüterposition schien Ron-Robert Zielers Abgang zunächst ein großes Loch zu reißen. Doch diese Einschätzung hat sich relativiert. Philipp Tschauner wurde vor der Saison zur Nummer 1 erklärt und hatte dies mit starken Leistungen gerechtfertigt. Sahin-Radlinger konnte von der Verletzung des Ex-Paulianers profitieren, überzeugte aber nicht vollends, auch wenn sein gehaltener Elfmeter gegen Würzburg seine Aktien bei den Fans steigen ließen. Dementsprechend wird Tschauner bis auf weiteres das Tor der Roten wieder hüten. Sahin-Radlinger, der im Test gegen Jena ebenfalls ran durfte, bekam in der 2. Halbzeit allerdings nicht viel zu tun. Sein peinlicher Aussetzer gegenüber Vollzugsbeamten an seinem Geburtstag (Polizisten geschubst und beleidigt; seine Frau war mit Alkohol am Steuer unterwegs) geriet durch das Testspiel zumindest etwas aus dem Rampenlicht. 

Auf den übrigen Positionen gibt es nicht viel Neues. Miiko Albornoz und Edgar Prib streiten sich um die Linksverteidigerposition. Prib, der im Derby sehr aggressiv und energisch agierte und bereits zur Halbzeit mit einer gelben Karte im Gepäck ausgetauscht wurde, scheint momentan die Nase vorn zu haben. Auf der rechten Seite ist die Situation komplizierter.

Nachdem Fynn Arkenberg im Pokal eine grandiose Leistung zeigte, wurde im Derby und gegen Würzburg auf Waldemar Anton gesetzte. Der junge Defensivallrounder profitiert unter Stendel vor allem durch seine Flexibilität und spielte schon auf der Sechs, in der Innenverteidigung und zeigte nun auch auf der rechten Seite seine Qualitäten. Eher schlecht scheint es momentan für Oliver Sorg auszusehen. Dieser stand zuletzt nicht einmal mehr im Kader und hat mit Arkenberg und nun auch Anton Konkurrenz aus der eigenen Jugend, die ihm im Nacken sitzt beziehungsweise mittlerweile schon eher vor die Nase gesetzt wird.

Im Test gegen Jena zeigte sich Sorg formverbessert, es bleibt also ein spannendes Rennen auf der rechten Abwehrseite und damit auch Innenverteidigung, weil an Anton – egal auf welcher Position – momentan kein Vorbeikommen zu sein scheint.

Teil 2 der großen Hannover 96-Analyse von unserem Gastautor Maxi Fiedler lest ihr morgen hier!

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