Als die Vierschanzentournee quer durch Europa ging: So gelang Hannover 96 heute vor genau zehn Jahren der Coup in Sevilla

Die Spieler von Hannover 96 freuen sich mit Trainer- und Betreuerteam über den Coup in Sevilla. Foto: Imago

Wenn auf glorreiche Zeiten zurückgeblickt wird, ist das eigentlich kein gutes Zeichen. Denn das bedeutet in der Regel, dass es aktuell nicht so gut läuft und man gern in die Vergangenheit schaut. Das ist an dieser Stelle nicht wegzudiskutieren – Hannover 96 ist momentan nur ein durchschnittlicher Zweitligist. So oder so lohnt sich aber ein Blick zurück in die Saison 2011/2012. Denn es ist genau eine Dekade her, dass die „Roten“ die Europa League aufgemischt haben und bis ins Viertelfinale vorstießen. Alles begann mit der Qualifikation für die Gruppenphase dieses Wettbewerbs – exakt heute vor zehn Jahren, am 25. August 2011, gelang 96 in den Play-offs der Coup mit dem 1:1 beim FC Sevilla. In einer Serie, die bis in den April 2022 gehen und alle Spiele der Hannoveraner in der Europa League beleuchten wird, erinnern wir uns nochmal an alle internationalen Auftritte der damaligen Saison. Bevor es sich aber demnächst um ein klingelndes Telefon in Kopenhagen oder die zahlreichen Gastspiele in Belgien dreht, fangen wir in Andalusien an.

Mit einem 2:1-Heimsieg gegen den FC Sevilla eine Woche zuvor, diese Partie hatten wir im April in unserem Mehrteiler zum 125-jährigen Vereinsjubiläum von Hannover 96 ausführlich behandelt, reist die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka nach Spanien. Es befindet sich also nur ein dünner Vorsprung im Gepäck. Viele 96-Fans nehmen die Tour auf sich und begleiten ihr Team nach Andalusien. Und nachdem dieses eine druckvolle Anfangsphase der Gastgeber übersteht, gibt es großen Jubel über das 0:1. Nach einem Flankenlauf von Konstantin Rausch ist Mohammed Abdellaoue kurz vor FC-Torhüter Andrés Palop am Ball und lenkt die Kugel aus halbhoher Position ins Netz (23.).

Manuel Schmiedebach setzt sich gegen Sevillas Jose Gomez Campana durch. Foto: Imago

Noch vor der Pause gelingt Sevilla der Ausgleich, für den aber 96 sorgt. Eine Flanke in den Strafraum springt Emanuel Pogatetz unglücklich ans Schienbein, von dort springt der Ball an Ron-Robert Zieler vorbei zum 1:1 ins Tor. Dass Zieler nur vom eigenen Mann bezwungen wird, spricht für sich. Denn der 96-Keeper hält überragend und sorgt während der Partie für die starke Torwartleistung, die die Hannoveraner an diesem Abend im Estadio Ramón Sánchez Pizjuán benötigen.

Er ist bis zum Ende der Partie nicht mehr zu bezwingen. Slomkas Team bringt das Unentschieden, das wegen des Hinspielerfolgs unterm Strich ein knapper Vorsprung ist, über die Zeit. Denn 96 gelingt kaum noch Entlastung mit eigenen Angriffen. Ein Elfmeter für die Gäste könnte jedoch dafür sorgen, dass die Zitterei ums Weiterkommen vorbei ist. Denn einmal ist Jan Schlaudraff in der Schlussphase frei durch und legt den Ball an Palop vorbei. Dabei wird er vom FC-Torhüter so heftig umgesenst, dass es eigentlich in keinem Lehrvideo für die glasklarsten Elfmeter fehlen darf – Schiedsrichter Serge Gumienny aus Belgien lässt trotzdem weiterspielen. Das Lachen von Sergio da Silva Pinto, der sich ungläubig an den Kopf fasst, ist ein bekanntes Bild.

Viele Fans von Hannover 96 haben den Weg nach Sevilla auf sich genommen. Foto: Imago

Kurz danach gibt es auch lachende und ungläubige Gesichter: Denn 96 hat es tatsächlich geschafft und den hohen Favoriten in den Play-offs ausgeschaltet. Welches Schwergewicht dabei eliminiert wurde, zeigt sich vor allem bei Blick auf die Erfolge der Spanier in diesem Wettbewerb. Der FC Sevilla gewann die Europa League von 2006 bis 2020 insgesamt sechsmal. In der Saison 2011/2012 aber definitiv nicht. Dafür ging ab sofort Hannover 96 auf Europa-Reise. „Europapokaaaaal! Vierschanzentourneeeee!“, sangen die begeisterten 96-Fans. Und nicht nur die auf der Tribüne in Sevilla.

Hannover 96: Zieler – Cherundolo, Pogatetz, Haggui, Schulz – Stindl, da Silva Pinto, Schmiedebach, Rausch (89. Pander) – Schlaudraff, Abdellaoue (90. Ya Konan)

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