1. FC Heidenheim – Hannover 96: So lief die Partie

Bereits vor Spielbeginn setzen unsere Roten das erste Zeichen – mit einem Sondershirt zu Gedenken an Robert Enke betritt die Elf von Interimscoach Saric das Feld. Im Anschluss die Schweigeminute inklusive anschließenden „Robert Enke-Sprechchören“ – ausgehend von Heidenheim! Eine große Geste seitens des Gastgebers.

Hannover 96 beginnt die Partie offensiv ausgerichtet – vorne stürmen Weydandt, Ducksch und Hansson. Das frühe Pressing macht sich bereits in den ersten Minuten bemerkbar. Der erste Angriff gehörte jedoch dem 1. FC Heidenheim – und schon klingelte es! Wie in den letzten Wochen ist die Abwehr von 96 unstrukturiert, ausschlaggebend diesmal ein individueller Fehler von Albornoz. Der Fehlstart nach nur drei Minuten ist perfekt. Nur wenige Sekunden später gibt es den nächsten Fehler in der Rückwärtsbewegung, dieser bleibt jedoch unbestraft. Die ersten Minuten verschläft Hannover also komplett. Innerhalb von fünf Minuten tankte sich der FC Heidenheim gleich dreimal über die Abwehrseite von Albornoz durch…

Die Gastgeber machen es jedoch auch sehr geschickt. Man lässt Hannover kommen und lauerte auf die Konter. Die 96-Verteidigung rückt angesichts des frühen Rückstands weit auf, genau hierauf spekulierte das Heimteam. Mit dem Tempovorteil hinterläuft man im Anschluss die Hannover-Abwehr. Bei eigenen Angriffen bleibt 96 in den ersten zehn Minuten derweil sehr blass. Immer wieder verdribbelt man sich in der gegnerischen Abwehr – ein Tor aus dem Spiel scheint vorerst aussichtslos. Es dauert knapp 13 Minuten bis 96 gefährlich vor das Tor kommt – Flankengeber Hansson hinterläuft die Abwehrreihe geschickt, Weydandt kann sich in der Mitte jedoch nicht durchsetzen.

Der nächste Heidenheim-Angriff (15) wird direkt wieder gefährlich. Erneute Probleme in der 96-Hintermannschaft, mit einer Glanzparade kann Zieler zur Ecke klären. Der anschließende Kopfball segelt nur knapp über die Latte. Wie auch gegen Sandhausen ist das Innenverteidigerduo Elez/Franke alles andere als präsent. Erst nach knapp 20 Minuten fängt sich Hannover und setzt sich in der gegnerische Hälfte fest. Innerhalb von drei Minuten holt man drei Ecken heraus, diesen Druck hätte man sich von Beginn an gewünscht. Der finale Pass kommt jedoch noch nicht an. Immer wieder versucht man es mit hohen Flanken auf Henne – sein Kopfballtor ist eine Frage der Zeit. Coach Saric scheint diese Schwachstelle erkannt zu haben, Heidenheim schwimmt immer mehr. Das frühe und hohe Pressing aus den Anfangsminuten setzt man gut fort, es werden die Fehler erzwungen und Hannover erarbeitet sich Räumen – gegen Sandhausen wurde dies gänzlich vermisst. Nichtsdestotrotz dauert es 24 Minuten bis zum ersten Abschluss, dieser kann jedoch leicht pariert werden.

Auch die Personalie Albornoz steigert sich. Er ackert mit nach vorne, sein Stellungsspiel nach hinten wird ebenfalls besser. In der 25. Minute fängt er einen Angriff ab und leitet den direkten Konter ein. Der Chilene rückt mit auf und knallt den Ball an den Pfosten – der Ausgleich wäre mittlerweile verdient. Ein kurzes Wort zu Saric: Unser Interimscoach stand bis dato nahezu regungslos in der Box, lediglich ermutigendes Klatschen ist zu erkennen. Impulse von Außen kann man so natürlich nicht setzen.

In der 35. Minute dann mal wieder ein Heidenheim-Angriff, diesmal war ein Anton-Fehler der Auslöser. Das Ergebnis spiegelt es wieder, Hannover stellt sich selbst ein Bein. Ohne die individuellen Fehler sähe das Ganze deutlich ansprechender aus. In der 41. Minute ein sinnbildliches Bild im Angriff: Hannover stochert sich irgendwie durch, dann kommt es zum drei gegen drei am Sechzehner. Immer wieder unterlaufen Fehlpässe (von beiden Seiten) und Hannover versucht es im Tiki-Taka. Der einfache Ball wäre die bessere Lösung, so spielt sich der Absteiger einen Wolf.

Dann ist Halbzeit. Hannover verschlief die ersten 20 Minuten komplett, danach wurde man von Minute zu Minute besser. Der Pfostentreffer von Albornoz war die mit Abstand beste Chance. Wenn man im zweiten Durchgang an der Leistung der letzten Minuten anknüpft, kann die Partie noch gedreht werden.

Weiter geht’s, keine Wechsel auf beiden Seiten. Es ist ein Spiegelbild der Anfangsphase des ersten Durchgangs: Heidenheim bekommt eine Ecke, die Ordnung in der Hintermannschaft stimmt erneut nicht – die Folge: Tim Kleindienst kann die Unordnung nutzen und erzielt das 2:0 für Heidenheim. Viel schlechter kann man nicht starten! Zu früh gefreut! Hannover fängt sich direkt den nächsten Konter, Franke kann sich nur mit einem Schubser im Strafraum behelfen – Rot und Elfmeter für Heidenheim. Da bringen auch die Proteste der Roten nichts, nun ist Zieler gefordert… Der Strafstoß ist jedoch zu platziert, 3:0 für Heidenheim. Die Vorentscheidung. Die im Vorbericht angesprochene Moral ist genau der Knackpunkt. Nach der roten Karte für Franke und den drei Gegentoren ist sie natürlich noch mehr im Keller als zuvor.

Nun häufen sich die individuellen Fehler wieder, die Absprache geht ebenfalls den Bach runter. Hansson spielt einen total unnötigen Fehlpass im Mittelfeld und lädt zum Konter ein, erst Zieler kann die Situation entschärfen. In der 61. Minute wechselt Hannover gleich doppelt: Es gehen Hansson und Ducksch, für sie kommen Horn und Stendera. Bei einem Stand von 0:3 defensiv zu wechseln tut auch nicht jeder… Die Köpfe bei Hannover hängen immer tiefer und dabei sind noch 25 Minuten zu spielen. Es geht jetzt darum, den Schande so klein wie möglich zu halten. Die 96-Fans haben derweil ihren Support eingestellt, angesichts der Leistung sehr verständlich. Auffälligster Akteur in der Offensive ist aktuelle Haraguchi. Der Japaner versucht auf dem rechten Flügel für Gefahr zu sorgen, allerdings finden auch seine Hereingaben keinen Abnehmer.

Quasi im direkten Gegenzug klingelt es dann erneut! Heidenheim nutzt die Überzahl geschickt aus und überbrückt das gesamte Mittelfeld mit einem hohen Ball – 4:0 für Heidenheim, unglaublich! Nur zwei Minuten später muss Zieler wieder ran, ohne ihn hätte es schon häufiger geklingelt. Zehn Minuten vor dem Ende können die Gäste froh sein, dass Heidenheim ein paar Gänge zurückgeschaltet hat, spielerisch kann man trotz 60 Prozent Ballbesitz nicht mithalten. Als letzter Notnagel wird Muslija in die Partie geworfen, für ihn geht Albornoz vom Feld. Ändert wird dies natürlich nichts mehr. Bis zum Abpfiff passiert nichts mehr, ein erneuter Tag zum vergessen!

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