Großbaustelle Hannover: Diese beiden Spieler sollte 96 noch verpflichten

Hannover 96 muss die Winterpause nutzen, um den Abstieg zu verhindern

Horst Heldt will das Niveau des 96-Kaders in der Winterpause heben. Foto: Selim Sudheimer/Bongarts/Getty Images.

Horst Heldt hat vorgelegt: Mit Innenverteidiger Kevin Akpoguma und Offensivmann Nicolai Müller hat der Sportdirektor von Hannover 96 zwei bundesligaerfahrene Spieler verpflichtet. Vier Spieler will Hannover 96 holen, es fehlen also noch zwei. Wer könnte das sein? Diese Frage hat unseren Autor Tim Block beschäftigt. Er stellt hier seine beiden Spieler vor, die er zukünftig gerne bei Hannover 96 sehen würde. Viel Spaß beim Lesen!

Zunächst ein paar Zahlen, Daten, Fakten. Hannover 96 ist in der Bundesligatabelle weit unten angesiedelt. 11 Punkte aus nun insgesamt 17 Partien sprechen eine fast noch deutlichere Sprache als die 35 Gegentore. Das eigentlich Tragische daran ist, dass diese Entwicklung aus statistischer Sicht auch vollkommen berechtigt ist. Denn die statistischen Daten belegen, dass die Leistungen auf dem Feld – insbesondere die Offensivleistungen – keine Tauglichkeit für die Bundesliga nachweisen.

Im „Expected Goal-Ranking“ ist Hannover Drittletzter der Tabelle und auch nach Beurteilung der „Expected Goal Against–Wertung“ wird es nicht unbedingt besser, da steht Hannover 96 mit großem Abstand auf dem letzten Platz. Das bedeutet, dass es gegen 96 am einfachsten ist, zum Torabschluss zu kommen.

Dazu muss allerdings gesagt werden, dass Hannover 96 in der Hinrunde zwei Punkte zu wenig geholt, zwei Tore zu wenig geschossen und ein Tor zu wenig bekommen habt, als die – an Spieldaten orientierte Messung – angibt. Auch wenn Statistiken immer eine Kehrseite haben, sind die oben genannten Daten schon aussagekräftig genug, um über ein kollektives Problem nachzudenken und punktuelle Schwachstellen auszumachen. Ganz banal heißt es laut den Zahlen:

  1. „Wir sind vor dem Tor zu ungefährlich“
  2. „Es ist zu einfach, gegen uns Tore zu kreieren und zu schießen“

Qualitäts- und Kaderfrage

Diese vereinfachte Schlussfolgerung leitet viele Diskussionen unter den 96-Anhängern zu einer Grundsatzdiskussion – und zwar zum Thema Qualität. Jedoch würde ich mir dort von den ganzen Stammtischdiskussionen etwas mehr Differenzierung wünschen. Statt gleich der ganzen kollektiven Mannschaften die Qualität abzusprechen, wird die eigentliche Kernfrage – „Hat Spieler XY in Position A die nötige Indiviualqualität, um 100 % Leistung zu bringen und ein gutes Spiel zu absolvieren?“ – viel zu selten gestellt. Die Antwort auf die Frage nach der Individualqualität wird häufig gar nicht beantwortet. In der Hoffnung, dass die Verantwortlichen darauf die richtige Antwort finden, möchte ich mich nun ein wenig auf mögliche personelle Veränderungen konzentrieren, die meiner Einschätzung nach die grundsätzlichen Probleme eindämmen oder gar lösen könnten.

Seitens Hannover 96 war zu hören, dass man sich gerne mit drei, im besten Falle vier, neuen Spielern verstärken möchte. Im Zuge der letzten Tage ist nun auch vermehrt durchgesickert auf welchen Spielerpool man zurückgreifen will. Es sollen vorzugsweise Spieler mit Bundesligaerfahrung kommen, die eine kurze Eingewöhnungszeit benötigen und 96 schnell im Abstiegskampf helfen sollen. Im Grunde genommen ist auf den ersten Blick daran nur wenig auszusetzen. Wenn ich mich damit aber weiter auseinandersetze, kann ich nicht ganz verstehen, wo genau die Idee liegt sich, ausschließlich auf den Bundesligamarkt zu konzentrieren. Auch der skandinavische Markt, auf dem Hannover 96 so großartige Spieler wie Didier Ya Konan und Moa Abdellaoue aufgespürt hat, ist hochinteressant. Deshalb sollte „Bundesligaerfahrung“ kein zwingendes Kriterium sein.

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Auch in Anbetracht der Tatsache, dass man sehr früh in der Saison den Abstiegskampf ausgerufen hat, sollte doch wesentlich mehr Zeit und Raum für die Erschließung eines weiteren Spielerpools – wie den skandinavischen Markt – gegeben haben sein. Sollte es also einen Spieler geben, der in Dänemark genau das gezeigt hat, was Hannover 96 bisher fehlte, dann scheitert eine Verpflichtung vermutlich daran, dass die sportliche Leitung ihn gar nicht auf dem Schirm hat, weil er nicht die geforderte Bundesligaerfahrung vorweisen kann. Beides sind Faktoren, die mich als Geschäftsführer skeptisch werden lassen würden, ob der Sportdirektor nach den richtigen Kriterien sucht. Wie kann im Profifußball „Bundesligaerfahrung“ ein alles bestimmendes Kriterium sein? Sollte es nicht eher danach gehen, wer uns weiterbringt und wer nicht – unabhängig davon, ob er zuvor in Deutschland oder in Norwegen gespielt hat?

Meine persönlichen Lösungsvorschläge

Das Mittelfeld

Durch den bevorstehenden Abgang von Iver Fossum ist eigentlich klar, dass noch ein zusätzlicher Mittelfeldmann für die Zentrale gesucht wird. Da das spielerische Problem eher im Übergangsspiel und in der Mobilität liegt, gehe ich davon aus, dass man sich mit einem kreativen Spieler beschäftigt, der Räume öffnen kann, Torchancen aus dem Zentrum heraus einleitet und selber Torgefahr mitbringt. In Paderborn spielt so einer dieser Spieler, der dazu nicht bei allen Vereinen in der Bundesliga auf dem Zettel stehen dürfte. Philipp Klement, 26 Jahre alt, 1,74 Meter groß und mehr als einfach nur ein Mittelfeldspieler.

Er ist mit zehn Toren und acht vorbereiteten Toren einer der interessantesten Nischenspieler in Deutschland. Sein umsichtiges Verhalten ist beispielhaft gut, was ihm den entscheidenden Vorteil im Bewegungsspiel verschafft und ihn nahezu nie in eine Drucksituation bringt. Er kann im Mittelfeld nahezu alles. Er ist balancierter Achter, ein typischer Ankersechser, Nadelspieler, kreativer Zehner und auch dribbelstarker Außenspieler. Ein Philipp Klement würde dem Spiel von Hannover 96 also sehr guttun.

Der Sturm

Der Ausfall von Niclas Füllkrug ist ein ganz bitterer: Für ihn persönlich und eben auch für den Verein. Der nominell beste Stürmer fällt bis Saisonende aus. Aufgrund dieses Ausfalls wird Hannover 96 mit hoher Wahrscheinlichkeit einen neuen Stürmer im Winter verpflichten wollen. Die Beweglichkeit und Durchschlagskraft insbesondere im letzten Drittel des Feldes machen viele Gegner im Vorfeld der Partie schon als unsere Schwachstelle aus und spielten daher leicht um uns herum. Bobby Wood arbeitet zwar sehr viel in 90 Minuten und Asano ist auch nicht unbeweglich, aber so richtig optimal waren die Auftritte beider nicht, um zukünftige Startelfeinsätze zu rechtfertigen.

Es gibt im Angriff die eine oder andere Möglichkeit, auf die man durchaus zurückgreifen kann. Hannover 96 und das Interesse an Kingsley Schindler von Holstein Kiel ergibt da durchaus Sinn: Wenn Breitenreiter sich dazu entscheidet, mit einem Stürmer zu spielen und weitere Torgefahr durch Bebou und Schindler auf den Platz zu bringen, passt es. Eine Verpflichtung von Schindler würde somit zur anfänglichen Kaderausrichtung passen, die man im Sommer vollzogen hat. Durch Verdichten des Zentrums (einrückende Außenspieler) und aggressive Zweikampfführung soll der Ballgewinn erzwungen werden. Beim Umschaltmoment soll über die schnellen Bebou und Schindler die Linie runterausgespielt werden, die dann einen Abschlussspieler wie Hendrik Weydandt final in Szene bringen.

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Mein Fazit

Bei Hannover 96 liegt viel Arbeit auf dem Schreibtisch. In erster Linie muss sich hinterfragt werden, ob die schematische Spielanlage, mit der man einen Großteil der Hinrunde bestritten hat die richtige ist. Dabei ist nicht die Rede von 4-4-2 oder 3-5-2, sondern von dem fußballerischen Stilmittel – einer Art Grundphilosophie, an der sich die Kaderplanung orientiert. Am Anfang steht immer eine Idee, von der jeder im Klub überzeugt sein muss. Nur daran gilt es sich zu orientieren! Das gilt auch für das Transfergeschehen. Es muss mehr Gewicht haben, dass ein Spieler individuelle Fähigkeiten hat, die der Mannschaft weiterhelfen. Dieses Kriterium wiegt viel mehr als bisher bestrittene Bundesligaminuten.

Die Lieblingsfolgen vom 96Freunde-Podcast mit Altin Lala, Florian Fromlowitz und Ewald Lienen. Viel Spaß beim Reinhören!

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2 Kommentare

  1. Fossum steht vor einem Wechsel in die Niederlande. Eine Liga, die ihm sehr gut liegen sollte. Er hat einfach nicht das Durchsetzungsvermögen für die Bundesliga. Genauso wenig wie Uffe Bech und ich befürchte auch Philipp Klement. Der konnte sich in Mainz nicht mal ansatzweise durchsetzen und wird viel zu sehr gehypt nachdem er ein gutes halbes Jahr in der dritten Liga hatte und jetzt in der Zweiten. Da hätte mir ein Spieler wie – ja tatsächlich – Sebastian Rode besser gefallen. Ich denke also, dass dieser Weg, erfahrene Spieler auszuleihen, besser ist als jetzt Spieler aus Skandinavien, den Niederlanden, Polen oder der Schweiz  zu verpflichten, bei denen man immer nur hoffen kann, dass sie auf dem Niveau der Bundesliga mithalten können. 

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