Hannover 96 nach dem Magdeburg-Debakel: Viel Arbeit für Sandro Wagner

Am Ende hatte Neutrainer Sandro Wagner viele wichtige Themen erkannt, die er in den kommenden Wochen intensiv mit seinen Spielern angehen muss. Somit hatte die derbe Klatsche in Magdeburg wenigstens etwas Positives. Auch die Erkenntnis, dass der 1. FC Magdeburg nach dem Abgang von Christian Titz in der vergangenen Saison zunächst in ein tiefes Loch inklusive Fast-Abstieg stürzte, könnte ein Mutmacher sein.

An der Börde landeten die Roten trotz zarter Hoffnungen auf einen positiven Trainereffekt einen jähen Bauchklatscher. Die vermeintlich sicher geglaubten Punkte-Lieferanten zeigten unsere Defizite schonungslos auf und gewannen verdient. Damit haben wir nun bereits mehr Auswärtsniederlagen kassiert als in der gesamten vergangenen Saison.


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Die Hurra-Euphorie der Roten war bereits nach drei Minuten mit dem 1:0 der Hausherren dahin und schlug direkt in eine Negativspirale um. Über 90 Minuten fand Hannover nicht zu seiner sonst so gewohnten dominanten Spielweise. Diese schien sich Christian Titz zum Abschied exklusiv in seine Koffer gepackt zu haben. Ohne den Titz-Ball wirkten seine ehemaligen Spieler wie aufgescheuchte Hühner, die auf dem ganzen Platz nach Ideen und einer eigenen Identität suchten.

Immer wieder sah man Sandro Wagner angesichts des extrem verunsicherten Gekickes die „Brust raus!“-Geste machen. Besonders im Gedächtnis blieb eine Standardsituation vor Magdeburgs Sechzehner, die mit wenigen Ballkontakten bis zu Leo Weinkauf zurückgespielt wurde. Keine Körpersprache, keine Energie, keine Ideen.

Dabei löffelt das Team gerade einmal die Konsequenzen der über mehrere Monate hinweg gemachten Fehlplanungen aus. Was wir erleben, ist kein Pech, sondern das knallharte Ergebnis fehlender Qualität.

Drei Gründe für die Niederlage

Es gibt drei Aspekte, die es bei der Niederlage am Samstag zu betrachten gilt.

Erstens: die schwachen Transfers der vergangenen beiden Transferfenster.

Es war naiv zu glauben, dass ein neuer Trainer mit dieser defizitären Personaldecke einen riesigen Umschwung herbeizaubern könnte. Und, liebe Freunde, mit diesem Kader werden wir mindestens noch bis zur Winterpause auskommen müssen. Dass Nawrocki, Yokota, Aseko und Leopold nicht adäquat ersetzt wurden, bringt uns nun in eine wirklich gefährliche Lage.

Zweitens: die lange Länderspielpause zur Unzeit.

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Zwar gab sie Sandro Wagner ganze drei Wochen Zeit, um erste Verbesserungen vorzunehmen. Dumm nur, dass gleich mehrere Spieler mit ihren Nationalmannschaften unterwegs waren und mit Bundu, Gindorf und Hugonet drei wichtige Akteure verletzungsbedingt nicht vollumfänglich am Mannschaftstraining teilnehmen konnten.

Als vollständige Mannschaft konnte das Team am Ende der Woche gerade einmal zwei Trainingseinheiten absolvieren. Magdeburg war zudem erst das zweite Spiel unter Wettkampfbedingungen für das „neue“ 96. Die viel zitierten drei Wochen Zeit klangen ambitionierter, als es die Realität tatsächlich zuließ.

Drittens: Mal wieder ist der Trend nicht Hannovers Freund.

Magdeburg zählt – ebenso wie Nürnberg, Berlin und inzwischen auch St. Pauli – zu den formstarken Mannschaften kurz nach Saisonstart. Das Momentum ist aktuell ihr Freund. Hannover hingegen scheint das unverdaute Trauma des verpassten Aufstiegs mit in die neue Saison geschleppt zu haben und muss nun Spieltag für Spieltag um therapeutisch wichtige Erfolgserlebnisse kämpfen.

Jeder gewonnene Tabellenplatz wird zum Big Point für die Seele. Jede Niederlage wiegt aktuell umso schwerer. Die dreiwöchige Pause hatte die Hoffnungen offenbar ziemlich hochgeschraubt.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass sich unsere Mannschaft in Magdeburg schlichtweg hängen gelassen hat. Egal, wie viel man sich vorgenommen hatte: Das von Sandro Wagner versprochene Feuer, für das einer für den anderen durchs Feuer gehen sollte, war nicht mehr als ein laues Lüftchen.

Ein Saisonstart mit fatalen Folgen?

Dieser schlechteste Saisonstart seit dem Abstieg in die 2. Liga im Jahr 2019 ist bereits jetzt eine echte Bürde für den weiteren Saisonverlauf. In dieser Form könnte der Oktober in einem Fiasko enden. Wir sollten uns daher auf einen langen, schmuddeligen Winter im Tabellenkeller einstellen.

Was jetzt passieren muss

Okay, versuchen wir uns auch einmal an ein paar Lösungsideen.

Die nächsten Tage werden entscheidend sein. Es gilt, Leuchttürme innerhalb der Mannschaft zu finden, die ihre verunsicherten Kollegen durch stürmische See lotsen. Reden ist sicherlich gut – genau dafür wurde der „Menschenfänger“ Wagner schließlich geholt. Spieler wie Roggow und Weinkauf müssen unbedingt gestärkt werden.

Die flache Hierarchie aus Titz-Zeiten muss der Vergangenheit angehören. Stattdessen sind klare Ansagen und eine breite Brust gefragt.

Auch die Defensive muss stabilisiert und das Umschaltspiel konkretisiert werden. Oudenne und der hoffentlich genesene Gindorf auf der linken Seite – damit könnte ich leben. Und auch Neubauer auf rechts wäre für mich eine Option, denn viele Alternativen haben wir ohnehin nicht.

Ein Blick nach Magdeburg zeigt, was möglich ist

Wie ein Team miteinander funktionieren und Feuer spucken kann, bewies am Samstag der 1. FC Magdeburg, der im Sommer selbst noch knapp am Abstieg vorbeigeschrammt war. Ein Blick auf die Leistungsdaten nach dem Spiel reichte bereits aus, um in Demut zu versinken. Dort wurde deutlich, wie eine Mannschaft trotz einiger Ausfälle füreinander arbeitet und kämpft.

Die Blau-Weißen haben aktuell eben auch das Momentum auf ihrer Seite. Und wenn das der Fall ist, gelingen plötzlich auch Dinge, die zuvor vielleicht nicht funktioniert hätten. Genau das muss sich Hannover 96 jetzt erst wieder erarbeiten – und zwar auf die schmerzhafte Tour.

Die Lieblingsfolgen vom 96Freunde-Podcast mit Altin Lala, Florian Fromlowitz und Ewald Lienen. Viel Spaß beim Reinhören!

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