Ich war tatsächlich so verrückt und habe mir ein ganzes Spiel unserer Erzfeinde angeschaut. Hier müsste jetzt eigentlich so ein völlig fassungslos-entsetztes Gesicht zu sehen sein, wie es YouTuber gerne einblenden, um Klicks zu generieren. Oder eine Warnung: Bitte, bitte nicht nachmachen!
Nächstes Wochenende ist Derby-Zeit in Niedersachsen und da lässt man sich als Schreiberling auch gerne mal etwas Besonderes einfallen. Dass meine Frau mir infolgedessen einen saftigen Vogel zeigte und sich die Kinder ernsthaft Sorgen machten, gehört zum Job dazu. Ein Kumpel hatte sogar angeboten, mir eine Woche vorher ein blau-gelbes Trikot zu leihen und mich quasi undercover zum Heimspiel gegen Kiel an die Hamburger Straße mitzunehmen. Dazu war ich dann aber doch nicht bereit.
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Deshalb also Fürth gegen Peine Ost – vor dem heimischen Fernseher. Total rausgeschmissene Zeit, aber hey, was kostet die Welt!
Hannover 96 gg. BTSV: Viel Kampf, wenig Ertrag
Nach den letzten fünf Spielen steht die Zonenrand-Truppe mit gerade einmal vier Punkten auf dem vorletzten Platz der Formtabelle. In der tatsächlichen Tabelle gurkt man einen Platz über dem Relegationsrang herum – gerettet bislang nur durch die geringere Zahl an Gegentoren. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden.
Auswärts fühlt man sich scheinbar wohler als zu Hause, und das, obwohl der baufällige „Tempel“ angeblich eine derart massive Trutzburg sein soll. Die Eintracht wird auch in dieser Saison wohl wieder nur gegen den direkten Abstieg spielen, denn spielerisch ist – sofern man das überhaupt so nennen darf – keine Verbesserung gegenüber den Vorjahren zu erkennen.
So setzte es in Fürth beim Duell „Not gegen Elend“ eine verdiente Niederlage, weil sich Felix Klaus‘ altes rotes Ehrgefühl offenbar doch noch einmal regte und er mit zwei Treffern für richtig schlechte Laune an der Oker sorgte. Gerade hatte man nach dem 1:0-Sieg gegen Kiel noch gehofft, etwas Rückenwind zu bekommen, da hagelte es schon die nächste Klatsche. Wie so oft erwiesen sich die Gegner als effizienter und abgezockter als die schläfrigen „Löwen“.
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Es wartet der erste große Name
Dabei muss man betonen, dass der BTSV – abgesehen von Hertha BSC – bislang noch nicht einmal auf die ganz großen Namen oder die formstarken Mannschaften getroffen ist. Na, das kann ja noch lustig werden in der Stadt, deren lokaler Bierbrauer zum Jahresende Insolvenz angemeldet hat. Der hat scheinbar auch keinen Bock mehr auf das Gekicke.
Laut Statistik kassiert der BTSV durchschnittlich 1,9 Gegentore pro Spiel. Das wiegt umso schwerer, wenn man bedenkt, dass man mit Osnabrück, Fürth oder Bochum bislang nicht unbedingt den ganz großen Tormaschinen gegenüberstand. Zwar kreiert die Eintracht durchschnittlich 3,4 Großchancen pro Spiel, vergibt diese aber meistens auf ungeschickte Weise.
Kämpfen, kratzen und kontern – das sind die Kernkompetenzen der Gelb-Blauen. Bei fünf Niederlagen aus acht Ligaspielen und dem sofortigen Ausscheiden aus dem Pokal ist das allerdings eher brotlose Kunst.
Jeden Tag 96 – direkt aufs Ohr:
Solange unsere Roten der aufgeheizten Atmosphäre am Sonntag eine Zeit lang standhalten können, dürfte Braunschweig spielerisch nicht allzu viel mehr einfallen. Mit gerade einmal 104 Kilometern Laufleistung und 97,4 Sprints pro Spiel kann man gegen Sandro Wagners neue Intensität kaum anstinken. Auch 47 Prozent Ballbesitz und eine Passquote von 79 Prozent lassen nicht gerade auf kreative Lösungen hoffen.
Hannover 96: Die richtige Reaktion gezeigt
Zwar hinken auch unsere Roten bislang ihren eigenen Ansprüchen hinterher und mussten zudem einen turbulenten Trainerwechsel verkraften. Entscheidend dürfte jedoch die Reaktion sein, die Hannover im Samstagabendspiel zeigte.
Trotz eines schmerzhaften Rückstands kurz vor dem Pausenpfiff bewiesen Kapitän Thordarson und seine Jungs Moral und erkämpften sich noch ein hochintensives Unentschieden. Ein Punkt, der sich nach den vergangenen Wochen beinahe wie ein Sieg anfühlte und endlich wieder für starke statistische Werte sorgte.
Allen voran überzeugte Abwehrchef Jean Hugonet, der es sogar in die „Sofascore Elf des Tages“ schaffte. Zwar rutschte ihm das 0:1 äußerst unglücklich durch, insgesamt hinterließ die Defensive mit dem Franzosen, Boris „Trashtalk“ Tomiak und Virgil Ghita gegen die quirligen Hamburger aber einen soliden Eindruck.
Und dann wäre da noch die Sache mit der Choreo …
Eigentlich wollte ich noch über den Verlust der Choreo aus einer Eventhalle östlich von Peine schreiben und darüber, welchen Imageschaden dieser Vorfall wohl in den Köpfen der dortigen Fanszene hinterlassen dürfte. Aber das würde hier den Rahmen sprengen. Nach der Rauchtopf-Aktion unter den Tribünen in Elversberg war das definitiv ein weiteres würdiges Highlight aus der Landeshauptstadt im Vorfeld des Derbys. Die Stimmung steigt!
Die Lieblingsfolgen vom 96Freunde-Podcast mit Altin Lala, Florian Fromlowitz und Ewald Lienen. Viel Spaß beim Reinhören!
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