Zwischen Ernüchterung, Ärger und tiefem Pessimismus: Meine jetzige Gefühlswelt als 96-Fan ist bescheiden

Nach nur einem halben Jahr stand Schlaudraff bei Hannover 96 plötzlich alleine da. Der neue starke Mann in Hannover heißt nun Kenan Kocak.

„Gute Nacht, 96“, schreibt unser Kolumnist Frank. Er äußert sich mit Absicht erst ein paar Tage nach der Schlaudraff-Entlassung, um sachlich und konstruktiv zu bleiben. Sein Ärger hat sich trotzdem noch nicht gelegt. Lest hier die neue Kolumne von „Frank sieht rot“.

Mit ein paar Tagen Abstand versuche ich, mich sachlich zu den ganzen Vorgängen um unsere Roten zu äußern. Um alles zu verstehen, gehen wir die ganze Sache chronologisch an. Da wurde uns im Mai nach langer Suche das vermeintliche Traumduo für den propagierten Neuanfang vorgestellt. Mit der Personalie des Sportdirektors war ich ja einverstanden, aber die Personalie Trainer sah ich von Anfang – wie viele andere auch – sehr kritisch (um es vorsichtig auszudrücken). Zum Glück hatte sich diese ja nach dem 15. Spieltag erledigt. Kind holte dann mit Kokac einen Trainer, der bereits im Sommer unter den Kandidaten war. Warum nicht gleich so – wozu mussten wir erst den kalten Kaffee aufwärmen, der schon nach wenigen Spieltagen so bitter wurde?

Kommen wir nun zu dem, was mich diese Woche so richtig sauer gemacht hat. Das ist die Personalie des Sportdirektors. Da hatte man im Frühjahr 2019 die lobenswerte Idee: Wir machen Schlaudraff zum Assistenten in der Geschäftsführung, damit man ihn auf spätere Aufgaben bei Hannover 96 vorbereitet. Nach der Entlassung von Heldt und der Freistellung von Zuber hatte man auf dem Posten des Sportdirektors plötzlich ein Vakuum, obwohl man ja die neue Zweitligasaison planen, mit Spielern reden und einen Trainer suchen musste. Man verplemperte viel Zeit, am Ende des Tages beförderte man den jungen, unerfahrenen Jan Schlaudraff mangels Alternativen zum Chef. Es sollte eine Philosophie für die Roten entwickelt werden, damit jeder Fan draußen weiß, wofür 96 steht: Erfrischenden Offensivfußball, um die Leute wieder zu begeistern und sie ins Stadion zu holen. Tja, der Verlauf der Saison ist bekannt.

Nach nur 17 Tagen wurde die Jobgarantie wieder einkassiert

Nach Slomkas Entlassung lief Schlaudraff mit seinem Vorschlag Daniel Meyer ins Leere, Kind holte stattdessen Kocak. Die Spiele wurden besser und man dachte, es geht aufwärts. Ein bisschen freute ich mich sogar auf den Rest der Saison. Bis zu jenem Tag im Dezember: Wie aus heiterem Himmel titelte ein großes Boulevardblatt: „Schlaudraff vor dem Aus?“ Es gab dann das Statement von Kind bei Sport 1:

„Das stimmt nicht. Ich weiß nicht, wer so etwas in die Welt setzt. Jan ist unser Sportdirektor und bleibt das auch“, sagte der 96-Boss im Gespräch mit „Sport1“. „Das bleibt auch so in der Rückrunde. Man weiß nie, was alles passiert. Aber eine Entlassung ist kein Thema.“

Der vorletzte Satz ließ mich aufhorchen… wenn Kind von Jobgarantie redet, sollte der Betreffende vorsichtig sein. Man kennt das ja aus der Vergangenheit. Für mich war da irgendwie klar, dass Jan die Rückrunde nicht übersteht. Seine Transferbilanz müssen andere beurteilen. Ich finde, für einen Neuling hat er es unter diesen Voraussetzungen gar nicht schlecht gemacht. Angesichts der geringen Geldmittel war doch klar, dass er keine Mannschaft basteln kann, die um den Aufstieg mitspielt. 17 Tage nach dem Versprechen von Martin Kind im „Sport1“-Interview kam dann wie aus dem Nichts die Freistellung Schlaudraffs. Wie gesagt, ich habe zwar damit gerechnet, dass Jan die Saison als Sportdirektor nicht überlebt… aber nur 17 Tage später??

96-Pressemitteilung „Für die Weiterentwicklung des Klubs sind in den nächsten Wochen und Monaten die Weichen zu stellen: Dafür sind Klarheit, Ruhe, Geschlossenheit und Vertrauen notwendig, deshalb hat sich die Geschäftsführung mit Martin Kind und Björn Bremer nach intensiven Diskussionen zu diesem Schritt entschlossen.“

Dann setzte die 96-Geschäftsführung dem Ganzen noch die Krone auf und machte Hannover 96 zum Gespött von ganz Fußballdeutschland, denn man machte Gerhard Zuber zum neuen Verantwortlichen. Ja, genau den Zuber, mit dem man am Tag vorher noch beim Arbeitsgericht saß. Derjenige, der dem Verein Mobbing unterstellt hat, dem man den Internetzugang gesperrt hat. Diejenige, der als Kaderplaner von Heldt solche Superstars wie Walace, Wood und Jonathas geholt hat. Diesen Mann machte Kind nun „kommissarisch“ zu Schlaudraffs Nachfolger, als Krönung spricht er ihm „volles Vertrauen“ aus. Ich war gerade von der Nachtschicht aufgestanden, als ich das las… zum Glück hatte ich keinen Kaffee in der Hand, denn der wäre mir direkt aus der Hand gefallen.

Unser Trainer kommt ja ausgesprochen gut mit dem „Gerry“ aus. Das wurde ja auch vom Geschäftsführer lobend herausgestellt. Mir stellt sich hier die Frage – und das ist ganz subjektiv meine persönliche Frage – was wurde hier hinter dem Rücken von Jan Schlaudraff alles besprochen und eingefädelt? Nur zur Erinnerung, die Hierarchie lautet Cheftrainer – Sportdirektor – Geschäftsführer. Ich fände die Vorstellung, dass für bloße Machtspielchen die Hierarchie umdribbelt wurde, kein bisschen amüsant.

Erfahrene Spieler statt junge Wilde

In jedem Fall ist ja eine Umkehr bei der Zusammenstellung des Kaders erkennbar. Das junge Talent Hansson soll erstmal abgegeben werden, Soto und Muslija werden angezählt, stattdessen verpflichtet man einen 31-Jährigen. Vielleicht war das auch ein Grund für den Konflikt zwischen Kocak und Schlaudraff. Während Schlaudraff im Sommer noch darauf achtete, junge Perspektivspieler zu verpflichten, schlägt Kocak die entgegengesetzte Richtung ein… Zum Thema Martin Kind sage ich nur so viel: Er muss endlich lernen, einen starken Sportgeschäftsführer neben sich zu akzeptieren – und möglichst bald seine operative Verantwortung abgeben. Nur dann kann endlich wieder Ruhe bei uns hereinkommen. Alles Weitere wurde treffend im neuen 96Freunde-Podcast zusammengefasst.

Düstere Aussichten, ich habe wenig Hoffnung für die Zukunft, aber es ist halt meine persönliche Meinung. Trotzdem rote Grüße und denkt bei alldem dran: #niemalsallein. Auch in diesen traurigen Zeiten. Euer Frank.

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