Zwei Jokertore und „Johnny G“ statt „Nellie the Elephant“: Ein (fast) perfekter Fußballabend

Die eingewechselten Ochs und Weydandt treffen

Die Jokerrolle liegt ihm: Weydandt wurde in der 75. Minute eingewechselt und erzielte das 3:1 für Hannover 96. Foto: Getty Images

Sie können es also doch noch! Nach zuletzt zwei Last-Minute Unentschieden zuhause schlagen die Roten Holstein Kiel mit 3:1. Damit holt Hannover am 24. Spieltag den zweiten Heimsieg der Saison. Nur ein Detail störte an diesem Abend viele 96-Fans. Von Maxi Wilsmann.

„Johnny G“ statt „Nellie the Elephant“

Wer Hannover 96 auf den Social Media-Kanälen verfolgt, wird mit Sicherheit auch vom Interview mit dem Winterneuzugang John Guidetti mitbekommen haben. In diesem Interview wird auch der Song “Johnny G” von “Badpojken” und “Frida Green” angesprochen – ein Song, der tatsächlich von unserem Stürmer handelt und ordentlich gute Laune macht. Im Interview wird Guidetti gefragt, wie er es finden würde, wenn sein Song nach einem Tor im Stadion gespielt werden würde – und was soll man sagen, er schien gefallen an der Idee gefunden zu haben, denn es dauerte im Spiel gegen Kiel gerade mal elf Minuten, bis der bullige Stürmer zur Führung einköpfen konnte. Statt “Nellie the Elephant” war dieses mal also “Johnny G” aus den Lautsprechern zu hören.

Spielunterbrechung durch Banner

Doch bevor Guidetti Hannover in Führung brachte, unterbrach Schiedsrichter Sascha Stegemann das Spiel bereits zum ersten Mal. Es war zu erwarten, dass auch hannoversche Anhänger sich dem Protest vieler Fankurven gegen den DFB, dargestellt als Problem in Person von Dietmar Hopp, beteiligen würden. Und gegen Proteste und meinungsstarke Plakate spricht schließlich nichts, wenn sie kreativ ausfallen – erfahrungsgemäß stoßen Proteste ja auf mehr Zustimmung, wenn sie kreativ und bunt gestaltet sind. Ob jedoch Proteste mit Fadenkreuz-Plakaten etwas zum Besseren bewirken? In der Nordkurve wurden zwei Plakate mit Hopps Gesicht im Fadenkreuz und dem Konterfei von Mateschitz im Fadenkreuz hochgehalten. Dazu zwei Spruchbänder mit der Aufschrift “Keine Akzeptanz für Redbull & Hoffenheim”. Nachdem der Schiedsrichter auf die Plakate aufmerksam wurde, beseitigten die Fans diese aber schnell, sodass in der restlichen Zeit der Fußball im Mittelpunkt stand.

Während der restlichen ersten Hälfte waren die Spieler von Hannover dann allerdings ein wenig zu harmlos, sodass keine weitere Großchance dazukam. In einigen Szenen wirkten die hannoverschen Spieler nach der Führung erstaunlich unkonzentriert. Da aber auch von den Störchen aus Kiel wenig kam, ging es mit einer 1:0-Führung in die Katakomben.

Erstes Tor für Hannover 96: Winterneuzugang Ochs steht goldrichtig

Nach dem Wiederanpfiff hätte Hannover dann auf 2:0 stellen müssen, doch Guidetti, Maina, Anton und der zur Halbzeit eingewechselte Prib ließen einige Chancen liegen. Für mehr Spritzigkeit kam in der Folge Philipp Ochs für Cedric Teuchert, aber Ochs blieb, zumindest vorerst, wie in seinen bisherigen Auftritten, zunächst eher blass. Stattdessen tauchte Kiel auf einmal wieder vor dem Hannoveraner Tor auf. Nach einer Ecke war es dann mal wieder soweit: Keine gute Verteidigung, eine Unsicherheit beim sonst starken Zieler und Kiel traf zum 1:1 in Person von Jae-Sung Lee.

Im Gegensatz zu den meisten bisherigen Auftritten zogen sich die Roten in der Folge aber nicht zurück. Nach einer kurzen starken Phase der Kieler wurde Hannover wieder stärker – und die Mannschaft belohnte sich. Nach einer Flanke von Sebastian Jung platzierte Edgar Prib einen Kopfball eigentlich perfekt in den Winkel, aber der Kieler Keeper Gelios konnte aus der Ecke fischen. Direkt daneben stand aber der eben erwähnte Philipp Ochs – und plötzlich schob der sonst recht unauffällige Winterneuzugang zur erneuten Führung ein. Auch beim Youngster selbst schien das eine Art Befreiung gewesen zu sein, denn in den restlichen zehn Minuten spielte der Flügelflitzer deutlich stärker.



Statt Frust dieses Mal Freude über einen späten Treffer

Trotzdem trauten viele dem Braten noch nicht so richtig, denn knappe Führungen hat man in dieser Saison ja schon genug aus der Hand gegeben – zuletzt beim Spiel gegen Wiesbaden (2:2) und gegen Hamburg (1:1). Deshalb sorgte es für Überraschung und Freude, als der eingewechselte Hendrik Weydandt nach einem wunderschönen Pass von Linton Maina plötzlich frei vor Kiels Torwart Gelios auftauchte. Weydandt überwand den Keeper mit einem Schlenzer, der zwar an die Latte gelenkt wurde, dann aber die Torlinie überquerte. Der heranstürmende Edgar Prib wurde von den Fans zwar bejubelt, offiziell wird das Tor aber Weydandt zugeschrieben. Somit stand es nach 91 Minuten 3:1 – und so sollte es auch bleiben.

Ein Heimsieg, La-Ola Welle und 96-Walzer inklusive. Auch wenn zweite Liga und Montagsspiele nicht das schönste sind, Hannover hat an diesem Abend endlich mal wieder viel dafür getan, dass es ein (fast) perfekter Fußballabend war. Wenn man jetzt noch über 90 Minuten den Gegner kontrolliert und keine Spielunterbrechung provoziert hätte, wäre es ein zu 1896% perfekter Abend gewesen. Aber wir wollen uns ja nicht beschweren, schließlich war die Vergangenheit deutlich anstrengender.

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