Nach Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt: War das Festsetzen von 96-Fans wirklich nötig?

Fans beklagen Vorgehen von Polizei

Hat die Polizei Hannover 70 96-Fans zu Unrecht eingekesselt? Foto: Dean Mouhtaropoulos/Bongarts/Getty Images.

Hannover – Rund um das Heimspiel von Hanover 96 gegen Eintracht Frankfurt ist Samstag viel los. In der Oststadt kommt es vor Anpfiff zu einer Massenschlägerei. Auch nach dem Spiel ist die Polizei aktiv. Ist das wirklich nötig?

Hat die Polizei nach dem Spiel überreagiert? Foto: firo Sportphoto/firo Sportphoto/SID/

Schlägerei vor dem Spiel

Rund eine Stunde vor Anpfiff kam es am Samstag in der Oststadt zu einem verabredeten Aufeinandertreffen von 96- und Frankfurt-Anhängern. An der Kreuzung Seume-/Rambergstraße begann eine Massenschlägerei. Nach dem Eintreffen der Polizei flüchteten beide Gruppen in verschiedene Richtungen. So gelang es den Einsatzkräften nur bei jeweils sieben Personen die Personalien festzustellen sowie Mundschutze und Vermummungsgegenstände zu beschlagnahmen.

Polizeieinsatz auf dem Schützenplatz

Nach Anpfiff kam es zu einem weiteren Polizeieinsatz. Auf dem Schützenplatz wurden 40 Heimfans an dem Fortsetzen ihres Weges gehindert.

Laut Polizeiangaben gab es die Gefahr eines Angriffs auf Gästefans, die sich im Rücken der 96-Anhängern aufhielten.

Augenzeuge schildern die Angelegenheit allerdings komplett anders. „Wir waren auf dem Weg zu einer Kneipe am Schwarzen Bären“, schildert ein Anhänger die Situation gegenüber 96Freunde.de.  Und weiter: „Wir schlugen den Weg über den Schützenplatz ein, um auf direktem Weg zu unserem Ziel zu kommen. Wir taten also genau das, was die Polizei immer von uns verlangt: Den direkten Weg zu nehmen. Vermummung habe ich nicht gesehen.“

Vorwürfe gegenüber Einsatzkräften

Was war Auslöser für den Polizeieinsatz? „Darüber kann ich nur spekulieren“, erklärt der 96-Fan, „vielleicht war man mit bisher nur sieben Personalienfeststellung nach der Schlägerei unzufrieden. Ich weiß es nicht. Wir haben uns jedenfalls friedlich verhalten.“ Nach Starten gab es dann eine Durchbruchsversuch der einkesselten Anhänger. „Aber auch der war Richtung Linden, nicht in Richtung der Frankfurter“, versichert der Augenzeuge.

Weitere Maßnahme einige Meter weiter

In Höhe der BBS 3 wurde in der Ohestraße eine weitere Gruppe von 96-Fans von der Polizei angehalten.

Limitierte Auflage. Nur wenige Tage erhältlich. Hier bestellen: www.seedshirt.de/robert-enke
Als Hoodie, Sweatshirt, T-Shirt in schwarz, grau, dunkelblau. Hier bestellen: www.seedshirt.de/robert-enke
Der Gewinn wird zu 100% an die Robert-Enke-Stiftung gespendet. Hier bestellen: www.seedshirt.de/robert-enke

Auch diese 30 Mann befanden sich nach Auskunft von Augenzeugen auf dem Weg in Richtung Schwarzer Bär. „Wir wollten nur ein Bier nach dem Spiel trinken“, so ein Betroffener. Am Schwarzen Bär befindet sich ein Pub, der gern von 96-Fans besucht wird. Die Ohestraße liegt auf direktem Weg vom Stadion und dem Schützenplatz aus in Richtung Linden. „Von unserer Gruppe ging keine Gefahr aus. Das war auf den ersten Blick zu erkennen. Dennoch wurden wir eingekesselt und die Personalien von allen festgestellt.“

Datei „Gewalttäter Sport“

Die beteiligten Einsatzkräfte begründeten ihre Maßnahme gegenüber den Fans mit dem Schlagwort „Gefahrenabwehr“. Damit lässt sich prinzipiell jeder Einsatz rund um Fußballspiele legitimieren. Für die Fans ist das besonders ärgerlich. Denn sie müssen nun mit einem Eintrag in der Datei „Gewalttäter Sport“ rechnen.

Die Datei wurde 1994, nach einem Beschluss der Ständigen Konferenz der Innenminister und –senatoren, eingerichtet und wird von der ZIS (Zentrale Informationsstelle Sport, die beim Landeskriminalamt im Bundesland Nordrhein-Westfalen sitzt) geführt. Worin liegt das Problem bei einem Eintrag in der Datei? Bei sicherheitsrelevanten Spielen kann es sein, dass entsprechende Personen nicht unbeschwert etwa in den Urlaub fahren kann. Sie könnte sogar an der Grenze oder am Flughafen an der Ausreise gehindert werden. Im extremsten Fall kann es auch im Vorfeld zu einem schriftlichen Ausreiseverbot, Meldeauflagen während eines entsprechenden Spiels, einer Gefährderansprache am Arbeitsplatz oder dem Einzug des Passes kommen.

Deshalb sollte sich die Polizei bei ihren Maßnahmen besonders sicher sein und die Verhältnismäßigkeit im Auge behalten. Das darf bei den Einsätzen am Samstag nach dem Spiel bezweifelt werden.

Fanhilfe: „Maßnahme rechtswidrig“

Auch die Fanhilfe Hannover kritisiert die Polizeiaktion scharf: Die Fanhilfe Hannover stuft die Maßnahmen als rechtswidrig ein“, heißt es dazu in einer am Sonntag veröffentlichen Erklärung. Weiter heißt es: „Im Laufe der Identitätsfeststellungen und Durchsuchungen wurden bei den Betroffenen keine Vermummungsgegenstände festgestellt. Unter den Betroffenen fanden sich zudem auffällig viele Frauen und Minderjährige. Dies ist wohl auch darauf zurück zu führen, dass seit nunmehr zwei Wochen ingesamt über 180 Personen von Stadt- und Stadionverboten betroffen sind und sich während des gesamten Spieltags in den Lokalitäten des Stadtteils Linden aufhielten.“

Sollen aktive Fans verbannt werden?

Steckt hinter allem vielleicht sogar ein Plan? Für die Fanhilfe sieht es jedenfalls so aus: „Es erhärtet sich der Verdacht, dass Auseinandersetzungen provoziert oder herbeigedichtet werden, um auch den letzten verbleibenden Teil der aktiven Fanszene aus Stadion und Stadionumfeld zu verbannen. Dies bezeugt auch die Aussage eines Betroffenen, wonach einer der Beamten ihn darauf hingewiesen habe, dass auch er bereits mehrfach festgestellt worden sei und es „ja nun bald für ein Aufenthaltsverbot reiche.“

Limitierte Auflage. Nur wenige Tage erhältlich. Hier bestellen: www.seedshirt.de/robert-enke

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.