Hannover 96 überzeugt – aber nur mit dem nächsten persönlichen Highlight

Nun mal Butter bei die Fische: Wer vor dem Fürth-Spiel noch ernsthaft an den Aufstieg geglaubt hat, ist ein wahrer Träumer. So schön die erste Bundesliga auch wäre, eine weitere Saison in der Zweitklassigkeit wird den Niedersachsen guttun. Abgesehen davon, dass die kommende Spielzeit mit Kandidaten wie Schalke, Nürnberg und Co. sehr attraktiv sein wird, würden die Roten im Oberhaus gnadenlos abgeschossen werden. Das hat das gestrige Spiel erneut gezeigt. Die Mannschaft von Kenan Kocak agierte deutlich zu passiv und überließ Fürth die Spielkontrolle. Bei allem Respekt vor den Franken, doch wer gegen die Kleeblätter das Handtuch wirft, hat in der ersten Bundesliga auch nichts zu suchen.

Das 2:2-Unentschieden ist vor allem aufgrund der ersten Hälfte schmeichelhaft. Die Gäste hatten phasenweise über 65 Prozent Ballbesitz, nur aufgrund einer weitgehend konzentrierten Abwehrarbeit und einem guten Michael Esser hielt man im ersten Abschnitt die  Null. Der sehenswerte Treffer von Genki Haraguchi aus der 41. Minuten fiel aus dem absoluten Nichts. Zum einen eine sehr überraschende Führung, zum anderen zeigt es, wie sehr der Japaner den 96ern in der kommenden Saison fehlen wird. Denn die Bude war eine saubere Einzelleistung des Nationalspielers, anders hätten die Roten es auch nicht zustande gebracht. Genki will in die Bundesliga, ergo wird alles auf getrennte Wege hinauslaufen. Der Vertrag läuft aus, Abnehmer gibt es genug und Fantasieren über die glorreiche Zeit von Hannover 96 lohnt sich nicht.

Haraguchi war am gestrigen Samstag erneut der Unterschiedsspieler – Die Zeichen stehen jedoch auf Abschied

Im zweiten Abschnitt das gleiche Bild: Aggressiv agierende Franken, die sich derweil berechtigte Hoffnungen auf den Aufstieg machen, drängten harmlose Hannoveraner hinten ein. Die guten Konterchancen verpufften zu häufig, oder aber im letzten Drittel versagten Marvin Ducksch die Nerven. Der Ausgleich in der 68. Minuten durch Nielsen war die logische Konsequenz. Dass dann ein gewisser Doumbouya, zu dem wir gleich noch kommen, drei Minuten nach seiner Einwechslung die erneute Führung der Hausherren besorgte, war ebenso schmeichelhaft wie die Aktion von Genki. Sein Kopfballtreffer kam nur aufgrund des Zurückziehens eines gegnerischen Innenverteidigers zustande.

In den restlichen 20 Minuten ging beiden Teams auf einem sehr fragwürdigen Geläuf die Puste aus. In Sachen Mentalität kann man den Hannoveranern keinen Vorwurf machen, doch für den objektiven Beobachter schienen die Franken etwas mehr Körner in der Reserve zu haben. Erneut gelang den Kleeblättern der (verdiente) Ausgleich, Leidtragender war der ansonsten gut spielenden Basdas. Er war es nämlich, der den Schuss von Abiama unhaltbar abfälschte. Am Ende stand also ein Unentschieden, über welches man sich an der Leine hätte freuen müssen. Aufgrund der doppelt hergegebenen Führung und der unsicheren Spielweise hat der Punktgewinn jedoch ein unschönes Geschmäckle.

Aber wie gesagt, der Aufstieg war schon im Vorfeld dieser 90 Minuten kein ernsthaftes Thema mehr. Dementsprechend kann man die Spielzeit in Ruhe ausklingen lassen und sich auf die schönen Momente konzentrieren. Und diesen gab es! Auch wenn Hannover 96 in den letzten Jahren punktetechnisch zu Wünschen übrig lies, Platz für persönliche Highlights gibt es immer. Das gestrige hat seinen Ursprung in Guinea. Die Rede ist von Stürmer Moussa Doumbouya, welcher einen schier atemberaubende Werdegang hingelegt hat. 

Der 23-Jährige kam einst als Flüchtling aus Guinea nach Deutschland. Kaum einer von uns kann sich vorstellen, was die Flucht bedeuten mag. Es ist eine Entscheidung gegen das „alte“ Leben, folglich wird man unglaublich viel zurücklassen müssen. Der Stürmer hat dieses Risiko gewagt – und die folgende schwere Zeit mit Bravour gemeistert. Die Integrationsprobleme und die Suche nach Arbeit eingeschlossen. Doumbouya lebt erst seit 2017 in Deutschland und fasste durch eine Ausbildung zum Dachdecker Fuß. Hierzulande schnürte er vorerst für Eintracht Celle die Fußballschuhe. Mit 34 Treffern in 29 Spielen war er der Hauptverantwortliche für den Aufstieg in die Oberliga – ganz nebenbei avancierte er in seiner ersten Spielzeit in Deutschland gleich zum Torschützenkönig.

Es folgte der Wechsel in die U23 von Hannover 96, seine Verpflichtung erinnerte ein wenig an jene von Hendrik Weydandt – auch wenn die beiden Typen definitiv nicht zu vergleichen sind. Auch hier machte Doumbouya schnell auf sich aufmerksam, wohlgemerkt parallel zu seinem täglichen Knochenjob als Dachdecker. In der aktuellen Spielzeit erzielte er für die zweite Garde vier Tore in fünf Spielen. Nachdem diese aufgrund der Corona-Pandemie unterbrochen/abgesagt wurde, holte Kocak ihn zu den Profis. Nur 42 Minuten später hat Doumbouya eine Vorlage und einen Treffer auf seiner Habenseite – der siebte Fußballhimmel hat seine Pforten für den Stürmer geöffnet! An seinem Jubel nach dem 2:1 war zu erkennen, wie dankbar er sowohl Kocak als auch Co-Trainer Serhat Umar für diese einmalige Chance ist. Eins steht fest: Die Nummer 33 wird uns auch in den kommenden Wochen viel Spaß bereiten und könnte in den kommenden Jahren eine tragende Rolle übernehmen. Den nötigen Biss hat er allemal.

 

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