Hannover 96 braucht einen neuen Kämpfer, doch die Fußstapfen sind gigantisch! (Teil 1)

Zwar holte Hannover 96 gegen Holstein Kiel den zweiten Saisonsieg und konnte zuletzt ein kleines Erfolgserlebnis feiern, es war jedoch ERST der zweite Sieg! Mit der bisherigen Ausbeute von acht Punkten darf niemand einverstanden sein, durch den Sieg im Nordduell hält sich zumindest der Unmut in Grenzen. Nichtsdestotrotz fehlt uns vor allem eine Personalie…

 

Zuletzt waren es Philip Tschauner und Marvin Bakalorz, doch in der aktuellen Spielzeit fehlt Hannover 96 ein Kämpfer – nicht nur auf dem Platz, sondern auch abseits des Feldes. Es stehen zwar viele erfahrene Profis im Kader (bspw. Zieler, Felipe, Prib), bis dato hat sich aber noch kein echter Führungsspieler herauskristallisiert. Auf dem Spielfeld herrscht zu wenig Kommunikation und es scheint keinen Spieler zu geben, der die Marschroute vorgibt. Kapitän Bakalorz könnte ein solcher Spieler sein, doch aufgrund seines Formtiefs saß er zuletzt nur auf der Bank. Ein Spieler mit Kämpfermentalität, im doppelten Sinne, ist Dennis Aogo. Der 32-Jährige hat das Potenzial, diese Rolle gerecht auszufüllen. Allerdings ist er erst seit knapp drei Wochen bei den Roten und hat noch viele andere Sachen um die Ohren. Gegen Kiel hat man jedoch schon gesehen, dass er angreifen will und die Mannschaft leiten möchte. Als möglicher „Kämpfer“ tritt er in große Fußstapfen, wir haben euch ein Porträt seiner Vorgänger zusammengestellt.

 

  1. Sérgio da Silva Pinto

Eine absolute 96-Legende ist Sérgio da Silva Pinto. Der mittlerweile 38-Jährige spielte insgesamt sechs Jahre (2007 bis 2013) für die Roten und stand in 193 Spielen auf dem Platz. In seinen 15.141 Minuten im 96-Dress erzielte er 24 Treffer und bereitete 20 weitere vor. Pinto war zweifelsohne ein Kämpfer auf dem Platz, bester Beweis hierfür sind seine 54 gelben Karten. Er ließ sich selbst von Krämpfen nicht aufhalten und opferte sich Woche für Woche zugunsten des Teams auf. Im zentralen Mittelfeld schuf er regelmäßig die Brücke zwischen Abwehr und Angriff. Seine Zweikampfmentalität war bemerkenswert, einen solchen Spieler wünscht sich Slomka mit Sicherheit zurück.

Auf dem Spielfeld gab er den Takt an und schuf neue Euphoriewellen. Er war der absolute Motor, allen voran in den Europa League-Jahren. Aber auch neben dem Platz war Pinto stets ein Aushängeschild des Vereins. In Sachen Medienarbeit stellte er sich immer vor seine Teamkameraden und war sich nicht zu schade, „seinen Kopf hinzuhalten“. Eine weitere, positive Eigenschaft war/ist seine Selbstkritik. Sobald er einen Fehler begangen hatte, gestand er diesen und entschuldigte sich bei den Protagonisten. Ein besonders gutes Beispiel hierfür war seine vom Verein ausgehende Geldstrafe. Auslöser hierfür war seine Tätigkeit im Spiel gegen Eintracht Frankfurt (April 2008), als Konsequenz sah er die zweite Rote Karte der Rückrunde. Präsident Kind und Sportdirektor Christian Hochstätter drückten ihm eine Geldstrafe auf, quasi als Erziehungsmaßnahme. Doch anstatt sich zu beschweren, sah Pinto seinen Fehler ein und entschuldigte sich bei den Offiziellen – eine wahre Stärke!

Die Saison 2014/15 war seine letzte als aktiver Spieler, damals bei Fortuna Düsseldorf in der zweiten Liga. Aktuell ist er als Chefscout bei Greuther Fürth tätig, wir würden uns aber sicherlich alle freuen, ihn noch einmal bei 96 zu sehen.

 

  1. Steven Cherundolo

Die wohl größte 96-Legende der letzten zwanzig Jahre ist unser US-Boy Steven Cherundolo. Die ganze Welt redet von Francesco Totti als treuester Fußballspieler aller Zeiten, dabei genügt auch ein Blick nach Hannover. Der Rechtsverteidiger spielte 15 Jahre für Hannover 96 und bestritt 415 Spiele für de Niedersachsen! Insgesamt sammelte er 34.951 Spielminuten und steuerte 30 Scorerpunkte bei. Seine Bindung zum Verein war auch nach dem offiziellen Karriereende zu erkennen, denn von 2015 bis Januar 2018 leitete er die Jugendmannschaften von 96. Der 86-fache Nationalspieler hatte bei den Niedersachsen insgesamt zehn verschiedene Trainer. Auf dem Platz übernahm er die meiste Verantwortung (auch wenn es im Kader mit Pinto einen weiteren Spieler mit Führungsqualitäten gab), nicht umsonst trug er die Kapitänsbinde. Mir persönlich fällt kein weiterer 96-Kapitän ein, der seine Aufgabe so gewissenhaft erledigt hat. Darüber hinaus war er bei seinen Mitspielern sehr beliebt und hat von allen viel Respekt entgegengebracht bekommen. Dieser respektvolle Umgang war mit Sicherheit auch ein Schlüssel zum Erfolg.

Eine Legende bei Hannover 96: Rechtsverteidiger Steve Cherundolo. Der US-Amerikaner spielte nie für einen anderen Bundesligaverein als Hannover 96. Foto: Getty Images

Cherundolo suchte regelmäßig das Gespräch mit dem Trainer und vertrat die Interessen des Teams. Ähnlich wie Pinto war auch er sich nicht zu schade, die Meinung gegenüber den Verantwortlichen zu äußern. Bei den Anhängern war „Steve“ überaus beliebt, vor allem seine Wohltätigkeitsaktionen neben dem Platz kamen sehr gut an. Cherundolo war beispielsweise einer der Initiativgeber für „Kinderherz Hannover“ – unser KämpferHERZ wird immer seinen Platz in Hannover haben.

 

  1. Altin Lala

Apropos Francesco Totti, auch Altin Lala kann im Bereich der treusten Profis mithalten. Der Albaner stand 14 Jahre bei 96 unter Vertrag, dass Duo Cherundolo/Lala ist tief verankert in den 96-Geschichtsbüchern. Von 1998 bis 2012 kickte Lala für die Niedersachsen, im Anschluss folgte noch ein kurzes Intermezzo bei der zweiten Mannschaft der Bayern. Der mittlerweile 42-jährige absolvierte 320 Partien für die Landeshauptstädter, unter dem Strich stehen 24.581 Minuten und 24 Scorerpunkte. Altin Lala war in erster Linie für seinen unermüdlichen Einsatz im defensiven Mittelfeld bekannt, trotz seiner körperlichen Nachteile (175 cm, 68 kg) raubte er den gegnerischen Offensivreihen regelmäßig die Nerven. Auf dem Platz war er zwar nicht so lautstark wie beispielsweise Cherundolo, dafür aber genauso beliebt bei den Fans. „Altin la,la,la,la,la,la,la,la“ dürfte wohl bei jedem Hannoveraner einen Ohrwurm auslösen. Lala war für die Mentalität und die gute Atmosphäre im Kader sehr wichtig – ist es aber auch noch heute. Immer wieder hat er Gastauftritte bei 96, beispielsweise bei den Facebook-live-Videos oder auf dem YouTube-Account der Roten.

Die künftige Entwicklung rund um seine Person dürfte sehr interessant sein, denn Altin Lala ist in ein spannendes Projekt involviert. Der Ex-Hannoveraner Fabian Ernst kaufte sich vor kurzem den dänischen Zweitligisten Naestved BK, sein Kumpel Altin Lala sondiert für ihn den osteuropäischen Markt und soll neue Spieler vermitteln. Ziel ist natürlich der schnellstmögliche Aufstieg in die erste Liga.

 

  1. Leon Andreasen
Leon Andreasen bleibt Hannover nach wie vor treu

Auch wenn Leon Andreasens‘ Kariere durch viele Verletzungen geprägt war, der 36-Jährige ist ein weiteres Hannover Urgestein. Mittlerweile ist er ein Aushängeschild der ganzen Stadt, denn der Däne ist aktuell im Mode-Business aktiv und lebt noch immer in seiner Herzensstadt Hannover. Andreasen kam 2009 zu 96 und beendete hier seine Karriere im Jahr 2016. Aufgrund der vielen Verletzungen kam er „nur“ auf 97 Pflichtspiele, in denen spulte er jedoch sein komplettes Repertoire ab. Er war sehr Zweikampfaffin und hatte das Auge für den freien Mitspieler. Bekannt war er für seine Steilpässe auf dem Flügel und seine Freistöße. Viele der 19 Scorerpunkte konnte er durch den ruhenden Ball sammeln. Abseits des Platzes zeigte er sich vor allem Fan-nah. Egal ob nach dem Training oder nach dem Spiel, Leon ging auf die Fans zu und stand Rede und Antwort. Wenn ich an Leon Andreasen denke, kommen mir sofort die Bilder der Boykott-Zeiten in den Sinn. Andreasen war einer der ersten Spieler, die am Zaum standen und versuchten, den Fans die Situation zu erklären. Gleiches gilt für den Unmut nach der empfindlichen Derbyniederlage gegen Eintracht Braunschweig (0:3) – Leon war sofort da! Andreasen ist nach wie vor ein häufiger Gast in der HDI-Arena und ein bekennender 96-Anhänge. Wir hoffen, dass dies so bleibt!

 

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