„Ein Träumchen“: Finanziell saniert und voller Demut greift die Arminia nach der Tabellenführung

Bodenständig: Bielefelds sympathischer Trainer Uwe Neuhaus.

Zugegeben, die folgenden Zeilen handeln nur am Rande von Hannover 96. Ab und an tut es aber auch mal gut, einen Blick über den Tellerrand zu werfen – erst recht, wenn es sich um gute Freunde handelt. 

Denn nicht erst seit dem 6:0 gegen Peine-Ost, das Hannover 96 im Mai 2017 den Aufstieg sicherte, ist uns die Arminia aus Bielefeld eng verbunden. Niemandem würden wir die Tabellenführung mehr gönnen – außer uns selbst natürlich. Und weil das nächste Spiel von Hannover 96 erst am Montag stattfindet, werfen wir mal einen Blick auf die Alm.

Nur knapp die Insolvenz abgewendet

Vor dem Topspiel gegen den VfB Stuttgart herrscht große Euphorie beim Tabellendritten Arminia Bielefeld. Doch Präsident Hans-Jürgen Laufer hat nicht vergessen, dass der Verein vor nicht einmal zwei Jahren nur knapp an der Pleite vorbeigeschrammt ist. Unbesiegt, 15 Punkte, Platz drei: Arminia Bielefeld hat in Ostwestfalen eine Welle der Euphorie ausgelöst. Die Ersten träumen nach sieben Spielen schon von der Rückkehr ins Fußball-Oberhaus, und bei einem Sieg am Freitag (18.30 Uhr) gegen den VfB Stuttgart winkt sogar die Tabellenführung.

Auch für den Präsidenten Hans-Jürgen Laufer fühlt es sich „sehr gut“ an. Dabei vergisst der 70-Jährige jedoch nicht, dass der Traditionsklub vor knapp zwei Jahren nur knapp die Insolvenz abwenden konnte.

„Als ich angetreten bin, habe ich immer gesagt, dass es meine Aufgabe sein wird, den Verein zu entschulden“, sagte Laufer dem Sport-Informations-Dienst SID: „Dass es in der Form gelungen ist, konnte ich damals nicht ahnen und vor allem nicht in der Zeit.“

„Ostwestfälische Antwort auf 50+1“

Damals, vor 21 Monaten, im Dezember 2017, stand die Arminia mit dem Rücken zur Wand: Ein größenwahnsinniger Neubau der Osttribüne, der 19 statt geplanter elf Millionen Euro verschlang, ein angehäufter Schuldenberg von über 30 Millionen Euro – nur durch die „ostwestfälische Antwort auf 50+1“, einem Zusammenschluss von Unternehmen aus der ganzen Region, die den Klub finanziell unterstützten, konnte der Verein von seinen Altlasten befreit und gerettet werden.

„Wir gehen mit dem, was man uns hier in Bielefeld geschenkt hat, sehr demütig um“, sagte Laufer und betonte, dass die Arminia es „aus eigener Kraft nie geschafft hätte. Wir haben zwar immer fleißig dran gearbeitet, aber es war immer ein Ritt auf der Rasierklinge.“

Finanziell saniert, sportlich erfolgreich, voller Demut

Was damals im tristen Bielefelder Winter wohl niemand für möglich gehalten hätte, ist heute Realität: Die Arminia ist finanziell saniert. Sportlich ist mit Trainer Uwe Neuhaus, der im Dezember vergangenen Jahres auf Jeff Saibene folgte, „der Erfolg in Bielefeld eingekehrt“, lobte Laufer: „Ich hoffe und wünsche mir, dass er bei uns bleibt.“

Mit Stuttgart kommt der Tabellenführer und Topfavorit auf den Aufstieg auf die altehrwürdige Alm. Auch wenn Laufer „ein spannendes Spiel und einen knappen Ausgang – für uns“ erwartet, tritt er auf die Euphoriebremse. „Wir sind happy, aber wir bleiben schön mit beiden Beinen am Boden und schauen, wie jetzt die nächsten Spiele ausgehen“, sagte Laufer, dessen Mannschaft beim Erstligaabsteiger Hannover 96 einen 2:0-Achtungserfolg gefeiert hatte.

Die Überraschungsmannschaft dieser Saison?

Die Fans dürfen trotzdem „eigentlich immer träumen, am besten 28.000, damit 2000 nicht ins Stadion kommen“, sagte Laufer mit einem Schmunzeln: „Ich werde jetzt nicht das Wort Aufstieg in den Mund nehmen. Es wäre natürlich ein Träumchen. Aber wir wollen jetzt erstmal nach wie vor konzentriert an der Sache arbeiten.“

Doch: „Wie heißt es immer so schön: es gibt immer in der Saison eine Überraschungsmannschaft“, sagte Laufer, „mal gucken, wer es diese Saison wird.“

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