Die Talenteschmiede ist nicht das Problem von Hannover 96

Als Anhänger von Hannover 96 ist man negative Schlagzeilen gewohnt. Der sportliche Erfolg bleibt in dieser Saison mal wieder aus, fehlende Sponsoren und teils unverständliche Taktikspielchen verstärken den schlechten Ton. Die Transferpolitik der Roten wird seit Jahren von oben  blockiert, nichtsdestotrotz schaffen es nur wenige „junge Rote“ zu den Profis. Woher resultiert dieses mangelnde Vertrauen in die eigenen Talente? 

An den jüngsten Leistungen des Nachwuchsbereiches kann es definitiv nicht liegen. Mehrere Nachwuchskräfte schafften den großen Sprung, doch die Profistation der Profis blieb zumeist nur ein kurzes Sprungbrett. Wenn wir uns die Werdegänge von Waldemar Anton, welcher zweifelsohne das Aushängeschild der roten Talenteschmiede ist, Konstantin Rausch, Janni Serra oder aber auch Niko Gießelmann anschauen, stellen wir eins fest: Den aufstrebenden Talenten wird zu wenig Vertrauen geschenkt. Und falls die Verantwortlichen dies doch tun, knickt man bei der Preisfrage viel zu schnell ein – typisch Hannover 96. Ein jüngstes Beispiel ist der Abgang von Sebastian Soto. Der US-Boy pochte (zu Recht) auf Spielzeit, diese wurde ihm nicht gewährt. Um sein Talent nicht zu verschwenden, entschloss er sich für einen Wechsel. Seitdem geht es wieder bergauf, in 15 Spielen erzielte der 20-Jährige sieben Treffer.

Keine Liebesbeziehung: Mit Sebastian Soto verließ eines der größten Talente der vergangenen Jahre Hannover 96. Zuvor hatte es Ärger zwischen Soto und den 96-Trainern Kocak und Slomka gegeben. Foto: Imago

Neben Waldemar Anton ist noch ein weiterer Verteidiger aus der 96-Jugend im deutschen Oberhaus aktiv – Niko Gießelmann. Der inzwischen 29-Jährige kickt beim neuen Big City Club Union Berlin. In der aktuellen Spielzeit konnte er zwölf Ligaeinsätze verbuchen, zuletzt fiel er jedoch aufgrund einer gebrochenen Schulter aus. Dass die Niedersachsen den Linksverteidiger unterschätzten, wird an seiner Abgabe im Sommer 2013 erkenntlich. Nach nur einer Saison bei den Profis und insgesamt sechs Jahren Hannover 96! Bei den späteren Stationen Greuther Fürth, Fortuna Düsseldorf und nun Union Berlin hinterließ und hinterlässt er jedenfalls ordentlich Eindruck.

Janni Serra reiht sich ebenfalls in die Reihe ehemaliger Hannoveraner ein. Zu gerne würde man sich seine Person im Jahr 2021 im Dress der Roten wünschen. Derzeit ist er mit Holstein Kiel auf dem besten Weg in die erste Liga, mit sieben Treffern und drei Vorlagen zählt der Stürmer zu den besten Spielern seiner Mannschaft. Auch bei ihm zog Hannover 96 viel zu schnell die Handbremse und ließ ihn nach nur einer Spielzeit in der U17 ziehen. Zwar hieß der Abnehmer Borussia Dortmund, doch grade im Jugendbereich sollte man an der Leine über genug Ressourcen verfügen, um etwaige Spieler zu halten.

Die Liste lässt sich noch deutlich ergänzen, allerdings wollen wir an dieser Stelle keinen Roman veröffentlichen. Unter dem Gespann Kocak/Zuber gab es noch keine solchen Fehler, doch die letzten Wochen ließen nichts gutes Erahnen. Die vielseits gelobten Talente Niklas Tarnat, Simon Stehle, Orrin McKinze Gaines II und Mick Gudra mussten auf der Bank schmoren. Lediglich Moussa Doumbouya kam zweimal hintereinander zum Einsatz. Die aktuelle Spielzeit ist ohnehin gelaufen, das sture Beharren auf Altbewährtem macht meiner Ansicht nach wenig Sinn. Hoffentlich rächt sich dieses Verhalten nicht.

 

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1 Kommentar

  1. War unser Trainer nicht mit dem Ziel junge, hungrige Spieler in einer komplett neuen Mannschaft an den Start zu stellen.

    Deshalb würden doch so viele Spieler abgegeben, und weggeschickt. Totaler Umbruch hieß es. Nun ja, wie wir sehen ist eigentlich nichts passiert. So viel zu unserem Trainer. Mein Tip, holt ganz schnell Andre Breitenreiter zurück. Der kann ganz gut mit jungen Spielern. Ausserdem sollte er auch Zeit bekommen, und nicht gleich, wenn es ein paar Spiele nicht läuft wieder entlassen zu werden.

    Zu den Sponsoren: Hat der neue Vorstand nicht noch vor seiner Wahl getönt wie viel Sponsoren nur darauf warten, dass der jetzige Vorstand gewählt ist, um dann voll einzusteigen?????

    Wo sind sie denn alle????? Ok, also war das auch nur Wahlgeplenkel.

    Ich wünsche mir für die nächste Saison einen Trainer, der die Jungs begeistern kann, der nicht zum lächeln in den Keller geht. Ich erinnere mich noch an die OK nach dem Spiel beim Club. Wenn ich das Ergebnis nicht schon vorher gewusst hätte, wäre ich davon ausgegangen, dass unsere Roten mit 2:5 verloren hätten. So kann man eine Mannschaft einfach nicht motivieren. Dann wünsche ich mir, dass endlich mit den wichtigen Spielern um eine Vertragsverlängerung verhandelt wird, und möglichst viele junge Talente in ein Gerüst eingebaut werden, die die 96 im Herzen tragen.

    Eine schöne Woche wünscht euch allen    euer Harry96

    Niemals allein     96 Alte Liebe

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