Die Gründe für die 96-Krise: Immer noch kein Grund zur Panik

Hannover 96 muss gegen Stuttgart punkten

96-Stürmer Hendrik Weydandt zeigt viel Schwung und Kampfgeist, wenn er eingewechselt wird. Er sollte weitere Einsatzzeiten bekommen. Foto: RONNY HARTMANN/AFP/Getty Images

Nur ein Fehlstart – oder eine handfeste Krise? Hannover 96 steht auf dem letzten Platz der Tabelle. Ist Besserung in Sicht? Unser Autor Tim Block hat das Spiel gegen Frankfurt nochmal analysiert und sich lesenswerte Gedanken gemacht.

In den vergangenen Wochen blieb die Mannschaft von Andre Breitenreiter punktlos. Alles halb so wild. Prozesse müssen reifen und irgendwann greifen, damit es sich irgendwann in Zählbares auszahlt. Dass die Mannschaft ein Problem mit ihrer Chancenausbeute hat, würde mir keine Sorgen bereiten, wenn es so ziemlich einzige Problem wäre. Das ist es aber nicht ganz. Ich habe mich auf das Spiel Eintracht Frankfurt gegen Hannover 96 konzentriert und die taktischen sowie weitere Eindrücke aus dem Spiel zusammengefasst. 
Warm-Up Eintracht Frankfurt: 
Die Frankfurter Eintracht startete sehr durchwachsen in die neue Saison. Unruhe im Umfeld. Dann noch das Pokalaus in der ersten Runde des DFB-Pokals. Überraschend kam dann doch der relativ souveräne Sieg gegen den SC Freiburg. Zuletzt in der Europa League und gegen RB Leipzig zeigte Fankfurt, wie stark sie im Angriffspressing und im Kreieren von Großchancen ist. Mit Ante Rebic kam dann auch der Starstürmer zurück in die Mannschaft und birgt für Trainer Adi Hütte eine weitere offensive Option.

Warm-Up Hannover 96:

Bei den Roten läuft es unrund. Die Mannschaft betreibt einen hohen Aufwand in den Spielen und belohnt sich dennoch nicht. Auch defensiv ist die Stabilität nicht mehr jene wie in der letzten Saison. Die Elf von Andre Breitenreiter beginnt die Spiele oft sehr fahrig und macht schon früh in der Partie Fehler, die sie oft nicht mehr ausbügeln kann. Was schade ist, weil der Ansatz grundsätzlich der richtige ist. Das Umfeld ist auch schon vor dem Auswärtsspiel in Frankfurt unruhig. 
Taktische Aufstellung: 
Hannover 96 und Eintracht Frankfurt starten mit einer (rein systematisch) identischen Formation in die Partie. Auf dem Feld sind somit viel 1-gegen-1-Duelle zu erwarten. Aus dem 5-3-2 wird bei Hannover im Spielverlauf ein 5-2-1-2 mit Fossum als offensivere Personalie im Mittelfeld. Insgesamt ergibt die Besetzung der unterschiedlichen Positionen auch Sinn. Felipe, der gegen Haller in den Zweikämpfen aufgrund seiner Robustheit eine echte Chance haben sollte. Wallace, der seine Körpergröße und die Zweikampfstärke gut ins Duell um den zweiten Ball schicken kann. Der ballsichere Fossum ist mit seiner technisch guten  und laufstarken Art Fußball zu spielen immer eine echte Option.
Doof nur, dass die von ihm positionell erforderten Dinge, nämlich temporeiche Tiefenläufe in die Räume, einfach überhaupt nicht seinen Qualitäten gerecht werden kann. Auch die Personalie Anton als linker Halbverteidiger war nicht optimal (schließlich ist er Rechtsfuß) , weswegen Waldi auch eher nicht so oft in den Spielaufbau erfolgreich mit eingebunden werden konnte. Die meisten Angriffe liefen über unsere rechte Seite, auf der uns Filip Kostic arge Probleme bereitete. 
Spielverlauf: 
Der konsequent flache Aufbau von Hannover 96 wäre so etwas, auf das man in Hannover echt stolz sein könnte, da die Roten in der Bundesliga zu den sehr wenigen Mannschaften gehören, die das so umzusetzen versuchen und sich auch nicht beunruhigen lassen. In diesem Spiel hat Eintracht Frankfurt aber sehr gut darauf reagiert und die Mittelfeldoptionen (Wallace und Schwegler) zugestellt. Haller und Ante Rebic machen ein Zuspiel ins Zentrum für den ballführenden Spieler nahezu unmöglich, da sie durch den von ihnen geworfenen Deckungsschatten die Sicht und auch das Zuspiel erschweren. Für den Fall, dass doch ein Ball auf die beiden Sechser gespielt werden konnte, schoben Allan (28) oder De Guzman (6) nach und störten dort wiederum. Es blieb Hannover also nur ein Ball über Außenbahn. Korb und Albornoz visierten dann den Ball in den Zwischenraum an, in den sich vorzugsweise Fossum sehr gut bewegte.  
Durch die Flexibilität auf dem gesamten Feld verschafft sich die SGE einige Vorteile. Viele sind wirklich marginal und es macht auch keinen Sinn, alles niederzuschreiben. Auffällig war, dass die Duelle um den zweiten Ball vorrangig an die Hessen gingen und die Mannschaft dadurch mehr Stabilität gewann. 96 presste wesentlich tiefer und stand auch wesentlich tiefer, als es noch gegen die TSG Hoffenheim der Fall war. Das führte zu wenig Präsenz über die Außenbahnen und dadurch resultierende Unterstützung für Bebou und Füllkrug.
Die beiden 96-Stürmer übten allerdings auch zu wenig Druck auf den Ball aus, was der Eintracht ein stressfreies Durchbrechen in die zweite Reihe ermöglichte. Hieraus und auch durch die hoch stehenden Außenverteidiger der SGE kreierte sich Frankfurt mehr und mehr Aktionen im letzen Drittel. Gelang das nicht immer, so wurde der aufgerückte Hasebe mit eingebunden, der mit seiner ruhigen Art dem Spiel neue Struktur verlieh. 
Fazit und Ausblick:
Dass Hannover 96 in Frankfurt mit 1:4 unter die Räder kommt, ist hinsichtlich der mentalen Verfassung aufgrund des fehlenden Selbstvertrauens zu erklären. Nicht zu erklären ist aber, weshalb ab der Mittellinie die Mannschaft keine Ideen hat, um ansatzweise Gefahr zu entfalten. Der eingewechselte Muslija brachte zwar viel Schwung in die Partie und konnte sich auch durch eben notwendige Tiefenläufe auszeichnen. Eventuell ist er eine echte Alternative für das „Offensivdrama vom Maschsee“.
Der Trainer steht für mich dennoch nicht zur Debatte, weil ich von seiner Idee grundsätzlich überzeugt bin und ich mich sehr wohl in Geduld üben kann, bis dann irgendwann der Knoten endgültig platzt und wir aus der Ballbesitzüberlegenheit etwas Nennenswertes mitnehmen können.

1 Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.