Wird Pyrotechnik ab 2017 in deutschen Stadien legal sein?

Es war ein Vorstoß, mit dem keiner gerechnet hatte: Der Bundesvorstand der Freien Demokratischen Partei (FDP) hat beschlossen, sich für die Legalisierung von genehmigter Pyrotechnik einzusetzen. Deshalb könnte es schon 2017 bengalische Feuer legal in deutschen Stadien geben.

Na klar, man muss die FDP nicht ernst nehmen. Zu oft hat sich die Partei (Mövenpick-Affären, Guido-Mobil, 18%-Kampagne) in der Vergangenheit lächerlich gemacht.

Doch jetzt akzeptiert der Bundesvorstand um Parteichef Christian Lindner und Wolfgang Kubicki einen Vorschlag, der aus der eigenen Basis gewachsen ist – und noch dazu aus der niedersächsischen bzw. hannoverschen Basis.

Worum geht es?

In vier Sätzen, kurz gesagt:



„Der Einsatz pyrotechnischer Mittel ist ein Bestandteil der Fankultur“, sagt Lars Alt, Vorsitzender der Jungen Liberalen Niedersachsen. „Eine Legalisierung soll mit zuvor angemeldeten Rauchfackeln in einem abgegrenzten Stadionbereich umgesetzt werden. Explizit ausgenommen hiervon sind alle Feuerwerkskörper, Böller und nicht-löschbare Pyrotechnik, die unter das Sprengstoffgesetz fallen.“

Ein kontrolliertes Abbrennen der bengalischen Lichter in dafür vorgesehenen Stadionbereichen würde mehr Sicherheit bedeuten, so der FDP-Politiker.

Auch im Hannover-Block gegen Braunschweig wurde viel Pyro abgebrannt. Foto: Magnus Weidtke
Auch im Hannover-Block gegen Braunschweig wurde viel Pyro abgebrannt. Foto: Magnus Weidtke

Abgesehen davon, dass man viele Punkte des Vorschlags kritisch beleuchten sollte, stellt sich die Frage: Könnte dieser Vorschlag Realität werden?

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Ja, möglicherweise.

Aus vier Gründen:

1. Nächstes Jahr wird wieder gewählt (Bundestagswahl im September 2017). Dass die FDP den Einzug in den Bundestag schafft, gilt als nicht unwahrscheinlich. Im zdf Politbarometer liegt sie konstant bei 5%.



2. Die nächste Regierung könnte zum Beispiel schwarz-gelb werden (abhängig von der Stärke der Union) oder schwarz-grün-gelb (zurzeit rechnerisch wahrscheinlicher). Die FDP wäre in diesen beiden Szenarien also in der Regierung.

3. Da die FDP bereits schlechte Erfahrungen damit gemacht hat, Versprechen zu brechen, wird sie es dieses Mal wohl nicht tun. Zumindest nicht, wenn ein Vorschlag breite Unterstützung in der Basis findet, so wie die Legalisierung der Pyrotechnik, die seit über einem Jahr von den Jungen Liberalen vehement gefordert wird.

4. Der niedersächsische Chef der Jungen Liberalen, Lars Alt, der den Vorschlag durchgebracht hat, sympathisiert mit Modellprojekten, in denen Pyrotechnik legal ist. Die Wahl von Lars Alt (gebürtig aus Wolfenbüttel) für weitere Modell-Projekte könnte möglicherweise auf Wolfsburg, Hannover oder Braunschweig fallen, da dies nahe seiner parteipolitischen Basis ist und ihm somit Aufmerksamkeit sichert.

Natürlich ist noch nicht gewählt, und angesichts der fehlerhaften demoskopischen Vorhersagen (Brexit, Donald Trump) sollte man nicht mal sicher sein, ob die FDP es überhaupt in den Bundestag schafft.

Aber wenn sie es in den Bundestag und in die Regierung schaffen sollte, könnte der Vorschlag tatsächlich umgesetzt werden – vielleicht mit einem niedersächsischen Verein als Versuchskaninchen.

Nichtsdestotrotz sollte hier nochmal betont werden: Nur weil die FDP etwas fordert, muss es nicht zwingend Realität werden…

 

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