Das „System Kind“ hinterlässt im Verein nichts als verbrannte Erde – Ein Kommentar

Martin Kind lässt den Verein fallen. Foto: Oliver Hardt/Bongarts/Getty Images.

Es war das Jahr 1997, als der Verein Hannover 96 zuletzt so am Abgrund stand. Insolvent, oder nicht, es drohten die Lichter auszugehen bei dem zweifachen Deutschen Meister und Pokalsieger von 1992. Doch Dank eines Unternehmers aus der Region, ereilte die „Roten“ nicht das Schicksal von Waldhof Mannheim, dem 1. FC Saarbrücken oder anderer Traditionsklubs.

Kind hat 96 gerettet

Martin Kind hat 96 seinerzeit gerettet. Und es wurde eine Ehe geschlossen, von der beide Seiten profitieren sollten. Der Fußballklub stieg auf bis in die Bundesliga auf und begeisterte zwischenzeitlich auf seiner Reise durch Europa. Und der Hörgeräteunternehmer freute sich über kostenlose Werbung für seinen Konzern. Nicht nur das: Durch den Kauf der Markenrechte, schuf sich Kind einen Wert weit über seine Investitionen hinaus.

Streben nach nationaler Marke

Stets trieb Martin Kind scheinbar eine Sache an: 96 sollte eine nationale Marke werden. Doch wahrgenommen wurde der Bundesligist aus Hannover bestenfalls immer nur als eine graue Maus. Ein Fußballklub ließ sich eben einfach nicht führen, wie ein erfolgreiches Hörgeräteunternehmen. Diese endgültige Erkenntnis erlangte der Klubchef wohl kurz nach den Reisen durch Europa.

Irgendwo falsch abgebogen

Es ist beinahe schon tragisch, welche Schlüsse Kind daraus gezogen zu haben scheint. Wie heißt es so schön: „Im Moment des größten Erfolges, lauern die schlimmsten Fehler.“ So auch an der Leine. Nach und nach wurde der Stammverein um seine Anteile an der Profispielbetriebsgesellschaft gebracht. Die dafür gezahlten Summen waren, verglichen mit Marktbegleitern, nicht mehr als lächerlich. Zeitgleich wurde der „Kampf“ gegen die treusten Anhänger immer vehementer geführt. Kind war einfach falsch abgebogen.

50+1

Und sein Weg führte ihn immer weiter in die Sackgasse. Ihm wurde es immer mehr zu einem Dorn im Auge, dass der Stammverein die Geschicke des Wirtschaftsunternehmen bestimmen muss. So verlangen es die Lizenzsierungsbedingungen der Deutschen Fußball Liga. Also „erstritt“ sich Patriarch mit der DFL einen Kompromiss und glaubte so, im Jahr 2017 endlich vollends „Besitzer“ von Hannover 96 zu sein.

Verein nur Mittel zum Zweck

Der Hannoversche Sportverein von 1896 e.V., dessen Präsident er bis heute ist, war für ihn all die Jahre nicht mehr als ein Mittel zum Zweck. Er engagierte sich nur, um nicht die Macht über sein Unternehmen „Hannover 96′“ zu verlieren. Das wurde spätestens im Sommer 2017 klar. Der Präsident Martin Kind, wollte dem Geschäftsmann Martin Kind, 51 Prozent an der Hannover 96 Management GmbH verkaufen. Diese Gesellschaft stellt das letzte Bindeglied zwischen Stammverein und Profifußball dar. Nur durch den 100 prozentigen Vereinsbesitz und somit uneingeschränkte Geschäftsführungsbefugnisse, ist bis heute die 50+1-Regel in Hannover erfüllt. Vorstand und Aufsichtsrat (mit Ausnahme von Ralf Nestler und Sebastian Kramer) folgten blind.

Kind und die DFL

Doch die DFL machte dem Klubchef einen Strich durch die Rechnung. Er hatte die Bestimmungen des selbst erstrittenen Kompromisses schlicht nicht erfüllt. Ganz im Gegenteil. Aus DFL-Kreisen war zu vernehmen, dass man entsetzt war, wie wenig Kind in all den Jahren den Stammverein gefördert hatte. Er durfte die Anteile an der Management GmbH nicht kaufen. Das brachte Kind jedoch keinesfalls zum Umdenken. Im Gegenteil. Er änderte schnell im Alleingang die Satzung der Profispielbetriebsgesellschaft und beraubte dem Verein seiner uneingeschränkten Geschäftsführungsbefugnisse. Ein klarer Affront gegen die DFL.

Verein nur noch Ballast

So zeigte der Hörgeräteunternehmer endgültig sein wahres Gesicht. Der Verein scheint für ihn in all den Jahren nur ein notwendiges Übel gewesen zu sein. Jetzt ist er nur noch Ballast. Dank der Initiative dreier Mitglieder, muss der Vorstand innerhalb der kommenden fünf Wochen eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. Die Abwahl der drei zum „System Kind“ gehörenden Aufsichtsräte gilt als sicher. Und wie reagiert das „System Kind“? Die Aufsichtsräte wollen bei der kommenden turnusmäßigen Wahl, Ende März 2019, nicht wieder antreten. Lapidar heißt es dazu nur: „Alle drei werden für den kommenden Aufsichtsrat nicht mehr kandidieren. Auf der nächsten Mitgliederversammlung wird die Mehrheit entscheiden, welche Mitglieder die Zukunft des Vereins gestalten sollen.“ Auch der Präsident selbst hatte bereits angekündigt, nicht weiter für sein Amt zur Verfügung zu stehen.

Wer braucht schon den Verein?

Der Stammverein wird also fallengelassen. Denn er wird nicht mehr benötigt. Er kann, zumindest auf den ersten Blick, keine Gefährdung mehr darstellen. Aufsichtsrat und Präsident hauen sozusagen in den Sack. Wie müssen sich die 3.500 aktiven Sportler bei 96 fühlen? Oder die Abteilungsleiter, die sich vor allem in den letzten beiden Jahren so vehement haben vor den Karren spannen lassen? Das scheint Kind völlig egal. Die Braut ist eben alt und hässlich geworden. Sie hat quasi ausgedient. So kommt es, wie bei vielen Scheidungen: Ein Partner bleibt vollends auf der Strecke.

Rechnung ohne den Wirt

So weit, so schlecht. Doch es kommt noch schlimmer. Kind scheint die Rechnung seiner Scheidungsfeier, ohne den Wirt (DFL) gemacht zu haben. So einfach wird die Liga seine Umgehung der 50+1-Regel nicht akzeptieren. Damit wäre sämtlichen Verstößen schließlich Tür und Tor geöffnet. Damit ist die Bundesligalizenz in ernster Gefahr. Auch wenn Kind seine Augen davor weiterhin verschließen will und sich seinen Äußerungen nach völlig im Recht sieht.

Nichts als verbrannte Erde

Auch den letzten kindgetreuen Mitgliedern, wird allmählich ein Licht aufgehen. Sie wurden nur missbraucht. Und gleichzeitig wurde der Stammverein tief gespalten. Zu fundamental wurden die Kämpfe auf den vergangenen Mitgliederversammlungen ausgetragen. Eine Versöhnung untereinander wird Zeit brauchen. All das hat das „System Kind“ zu verantworten. Denn schon lange geht es nicht mehr um das Wohl des Stammvereins, sondern vielmehr um das Wohl des Patriarchen.

Imageschaden nicht zu beziffern

Ein weiterer Kollateralschaden betrifft das Image von Hannover 96. Seit mindestens einem Jahr, ist 96 nämlich nicht mehr die graue Maus der Bundesliga. Nein, man wird nur noch als völlig zerstrittener Klub mit einem sich nicht bremsen lassen wollenden Chef wahrgenommen. „Kind muss weg“ wird in jedem Stadion gebrüllt, in dem die Roten zu Gast sind. Dieses Negativimage wird man an der Leine so schnell nicht mehr los. Und damit ist man am Ende der Liaison des Hannoverschen Sportvereins von 1896 e.V. mit Martin Kind noch viel weiter davon entfernt, eine national positiv besetzte Marke zu werden, als noch im Jahr 1997.

4 Kommentare

  1. Sehr einseitiger Artikel. Beide Seiten hinterlassen verbrannte Erde, die gegnerische Seite versucht sich in Diffamierungen und einseitiger Berichterstattung

    Kind agiert sicherlich nicht glücklich in der Öffentlichkeit, aber ist sicherlich nicht unloyal oder agiert zum eigenen Vorteil. Ganz unrecht hat er sicherlich nicht, andere Vereine sind 96 meilenweit vorraus, aber man muss sich entscheiden, was man in Hannover zukünftig will. Solche Artikel wie hier sind aber unter aller Kanone

    • Es ist kein Artikel. Es ist ein Kommentar. Der ist natürlich einseitig, weil er die persönliche Meinung des Autors darstellt. Da kann es nicht um Ausgewogenheit gehen, wie es bei Artikeln nötig ist.

  2. Sorry, aber das ist kein Kommentar und auch keine Meinung, das ist einfach nur Polemik.

    Wenn man schon spekuliert, dass die DFL den Roten die Lizenz entziehen könnte, dann sollte man aber auch die Folgerungen daraus skizieren. Ein Lizenzentzug in der laufenden Saison wäre bei laufendem Spielbetrieb wohl kaum vorstellbar, weil die Vereine, die gegen 96 gewonnen haben, und das sind ja nun bisher schon einige, benachteiligt würden. Lässt man aber 96 in offensichtlicher Kenntnis eines gravierenden Lizenzverstoßes weiterspielen, wäre das aber Wettbewerbsverzerrung, was ebenfalls die anderen Klubs nicht so hinnehmen dürften. Würde man dagegen 96 dann die Lizenz für die neue Saison verweigern, wäre dieses juristisch durchaus problematisch, weil man ja bereits Kenntnis von einem offensichtlichen Lizenzverstoß in der Vorsaison hatte. Da es dabei immer um Millionenumsätze geht, wird sicherlich niemand eine solche Entscheidung einfach hinnehmen.  Darüber hinaus würden, falls dann irgendwann 50+1 einmal juristisch gekippt wird, bei einem Lizenzentzug Schadenersatzforderungen auf die DFL zu kommen, die diese (und vielleicht auch die Liga) wirtschaftlich nicht überleben würde.

  3. Na ja, das sehe ich ein wenig anders:

    Was den Lizenz-Entzug "erst" zum Ende der Saison angeht, das ist machbar, denn eine solche Entscheidung benötigt Informationen, Dokumente, Bewertung, Anhörun-gen, juristische Absicherung, Gremien-Zusammenkünfte.

    Die Verweigerung einer Neu-Erteilung wäre gar kein Problem. Eine Neuerteilung ist immer eine jedes Jahr auf der Basis der dann vorliegenden veränderten Verhältnisse neu zu treffende Entscheidung; im vorliegenden Fall insbesondere wegen der zwi-schenzeitlich erfolgten doch massiven Veränderungen.

    Noch ein Wort zu meinem alten Freund Werner (77) : Der ist seit Menschengedenken Mitglied bei "96", hat dort selbst jahrelang bis Alte Herren gespielt und argumentiert immer: "Was der Kind doch alles für "96" getan hat – was der alles von seinem eige-nen Geld da reingesteckt hat".

    Gern würde ich Werner mal die tatsächlichen Investments auf den Tisch legen – doch die werden nirgends bekannt. Wohl nicht ohne Grund.

    Weil sicher viele "Altgediente", die PRO sind, mit demselben Argument kommen, sollte man die ruhig mal etwas nachdenklich machen …

    .. und sie auf die ersten Erkenntnisse der DFL verweisen, diese durch 20 (Jahre) teilen und das, was übrigbleibt dem (Image- / Werbe- / ggf. Zins-Gewinn) gegenüberstellen und dann gucken, was noch übrigbleibt …

    Boyd

     

     

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