Auch die Doppelspitze bringt keinen Erfolg – Hannover weiter ohne Sieg

Hat sich seinen Auftakt bei 96 sicherlich besser vorgestellt.
RRZ lernt immer weiter dazu und schaltet sich geschickt in das Aufbauspiel ein - unser Schlussmann rechtfertigt seinen Stammplatz

Vom ersten Heimspiel der Saison haben sich alle sicherlich mehr erhofft – am Ende stand jedoch nur ein 1:1-Remis gegen Regensburg auf der Anzeigetafel. Dies ist bitter, doch anstatt auf der Mannschaft rumzuhacken, sollte man lieber analysieren, woran es gelegen hat. Diesen Satz habe ich zwar bereits nach dem Stuttgart-Spiel geschrieben, aber es ist erst der Saisonanfang. Am zweiten Spieltag ist noch niemand auf- bzw.- abgestiegen…

Unabhängig vom späteren Ausgang muss man sagen, dass Coach Slomka aus dem Stuttgart-Spiel gelernt hat. Es folgte eine taktische Umstellung auf ein 3-5-2-System, die Doppelspitze war die passende Antwort auf die schwache Offensivleistung im ersten Spiel. Neuzugang Marvin Duksch durfte sein Startelf-Debüt feiern, einen wirklichen Grund zum Feiern gab es für ihn aber nicht. In seinen 86 Spielminuten gelang ihm nur ein Torschuss (dieser hätte gut und gerne reingehen können), er konnte nur 21 Prozent seiner Zweikämpfe gewinnen und auch die Luftduelle, welche eigentlich zu seinen Stärken gehören, gingen verloren. Der einzig wirklich positive Aspekt – und das ist das wesentliche für Stürmer – ist sein Scorerpunkt. Er bereitete den Treffer von Hendrik Weydandt in der 66. Minute vor. Apropos Hendrik Weydandt, sein Auftritt war deutlich besser, als der die Woche zuvor. Von seinen insgesamt drei Schüssen gingen zwei auf das Gehäuse, die Torquote lag als bei 50 Prozent. Auch innerhalb des Sechszehner sorgte er immer wieder für Gefahr und war sehr präsent. Der größte Kritikpunkt geht hier an den Trainer: Der Torschütze wurde in der 71. Minute ausgewechselt und durch Jonathas ersetzt, danach ging die Torgefahr deutlich zurück. Bei einer 2:0-Führung könnte man einen solchen Zug nachvollziehen, im Endeffekt hat jeder gesehen, was passiert ist…

Trainer Slomka war von seinen Scorerqualitäten überzeugt – doch Akzente konnte Jonathas nicht setzen

Nichtsdestotrotz war der Angriff deutlich agiler als gegen Stuttgart. Dies liegt größtenteils an den beiden Youngstars Muslija und Maina. Auch wenn man es von den Ergebnissen her noch nicht wirklich glauben kann, es könnte ihre Saison werden. Coach Slomka zog Muslija diesmal in das offensive Mittelfeld vor, ein Schachzug, der durchaus aufging. Seine Zweikampfquote lagt bei knapp 54 Prozent, er behauptete viele Bälle und war sich nicht zu schade, den ballführenden Gegner frühzeitig anzugreifen. Er selber kam nur zweimal zum Abschluss, da ist man eigentlich mehr von ihm gewohnt. Eine weitere Stärke waren seine langen Pässe. Knapp 80 Prozent der steilen Bälle kamen beim Mitspieler an, dank dieser Qualität konnte er einige gute Konter einleiten.

Auf seiner sonstigen Lieblingsposition, dem linken Flügel, dürfte diesmal Linton Maina ran. Er stand insgesamt 83 Minuten auf dem Platz und wusste ebenfalls zu überzeugen. Wenn es über die Flügel ging, dann zumeist über seine Seite. Seine Schnelligkeit ist allgemein bekannt, immer wieder hat er die Laufduelle gesucht und zumeist auch gewonnen. Seine Passquote lag bei guten 78 Prozent, allerdings muss er noch an seinen Flanken arbeiten. Von seinen fünf Möglichkeiten kamen nur zwei an, grade bei einem kopfballstarken Stürmer wie Weydandt sind gute Flanken eine wahre Waffe. Auf der gegenüberliegenden Seite wurde Sebastian Jung vorgezogen, diese taktische Umstellung stieß bei vielen Fans auf Verwunderung. Der Blick auf die Statistik verrät, dass diese Verwunderung vollkommen berechtigt war. Man erkennt, dass Jung ein gelernter Verteidiger ist. Zwar versuchte er immer wieder seine Mitspieler mit steilen Pässen zu bedienen, von ihnen kamen aber nur 20 Prozent an. Auch in Sachen Dribblings war er einer der schlechtesten: Er konnte nur ein Viertel seiner Duelle gewinnen, solche Fehler im Aufbauspiel können teuer werden. Darüber hinaus unterliefen ihm 19 Ballverluste. Hannover 96 fehlt derzeit schlichtweg eine Alternative im Offensivspiel. Cedric Teuchert wird schmerzlich vermisst. Gegen Stuttgart sollte Haraguchi schließen, nun also Jung – in beiden Fällen dürfte es beim Versuch bleiben.

Trotz insgesamt 68 Prozent Ballbesitz kam Regensburg zu neun Torabschlüssen, einer ging bekanntlich rein. In der Rückwärtsbewegung sollte aus der defensiven Dreierkette eine Fünferkette werden, im Spiel wirkte es so, als hätte man diese Taktik zu wenig geübt. Die 96-Defensive war in vielen Situationen überfordert und konnte oftmals erst in letzter Sekunde klären – hier muss sich definitiv noch etwas tun. Die Personalie Ron-Robert Zieler ist derweil die wohl am meisten diskutierte.

Auf der einen Seite hielt er 96 mit dem gehaltenen Elfmeter im Spiel, auf der anderen Seite hätte er den Schuss vor dem Gegentreffer auch halten können. Er selber sagte hinterher, er habe den Ball zu spät gesehen. Ansonsten waren seine Statistiken gut: Acht Bälle konnte unser Schlussmann parieren, von seinen insgesamt 35 Pässen kamen 34 an.

 

Was bleibt nun abschließend zu sagen? In der Offensive hat man gute Spielansätze gesehen und 96 hat gezeigt, dass der Zug zum Tor (theoretisch) da ist. Viele Situationen verdaddelt man aber bereits im Aufbauspiel, das Thema Chancenverwertung war auch diesmal ein großes Manko. Es fehlt nach wie vor eine kreative Schaltzentrale, Jan Schlaudraff hat also alle Hände voll zu tun. Auch in der Abwehr muss man nochmal zuschlagen. Es darf nicht sein, dass man trotz der drückenden Überlegenheit so viele gegnerische Umschaltaktionen zulässt. Grade auf den defensiven Außenbahnen hat man oft das Nachsehen.

Als nächstes geht es im Pokal gegen Karlsruhe, den aktuellen Tabellenführer der zweiten Liga. Der KSC setzte sich am Samstag mit 4:2 gegen Dresden durch – alles andere als ein leichtes Unterfangen für Hannover 96.

 

9 Kommentare

  1. Hoffentlich werde ich nicht falsch verstanden, wenn wir aber mit zwei drei Toren (Es war ganz sicher möglich) gewonnen hätten, hätte die Führung (vor allem „Kind“) gesagt; das Team sei stark genug und bräuchte keine Verstärkung mehr. So hat man wenigstens deutlich sehen können, dass wir unbedingt zwei bis drei neue gute (vor allem kreative) Spieler holen müssen.

  2. Ich bin kein Experte aber mMn lag der Fehler am meisten beim Trainer. Er hätte anders auswechseln müssen:

    Also soweit es erwähnt wurde, musste „Weydandt“ angeschlagen ausgewechselt werden.

    1. wäre „Soto“ wegen seiner Schnelligkeit nicht die bessere Alternative als "Jonathas" gewesen? Außerdem ist er im Moment richtig interessiert zu zeigen, was er darauf hat!
    2. Beim Gegentreffer wurden die Fehler vorher in Verteidigung gemacht; „Maina“ war müde und hatte Muskelprobleme, so stolperte er und konnte den langen Pass nicht richtig abwehren.
    3. Genauso ging es Felipe, er hat durch falsche Positionierung verpasst den letzten Passgeber/Torschütze richtig zu stören.
    4. Auch "Anton" sah in der Situation nicht gut aus.
    5. Am Ende der Fehlerkette war „Zieler“!

    Das Spiel hat mich übrigens stark an Spiele gegen „Heidenheim“ (Aufstieg-Saison), gegen „Leverkusen“ und gegen „Düsseldorf“ (beide letzte Saison) erinnert, wo wir kurz vor dem Abpfiff plötzlich aus dem nichts den Ausgleich kassiert hatten. Jedes Mal fühlte es sich wie eine absolute Niederlage!

  3. Ihr habt beide recht. Besser jetzt die Baustellen sehen, und beheben, als wenn schon 10 Spieltage rum sind. Bei aller Kritik, berechtigt, was ist passiert??  Zum Auftakt müssten wir nach Stuttgart reisen. Ich denke, dass die Stuttgarter, der absolute Top Favorit ist. Zumindest was die Kohle angeht. Da darf man verlieren. Und wer sich , in den letzten zwei Jahren, Mal die Mühe gemacht hat , sich ein bisschen mit der zweiten Bundesliga zu beschäftigen, der weiß sehr wohl, dass der Jahn kein Fall-Obst ist . Natürlich war ich auch erst einmal enttäuscht. Meine erste Reaktion war, " Geht das schon wieder los", kurz vor Ende gibt es noch so ein blödes Gegentor. 

    Also, noch ein paar Hausaufgaben machen, in allen Mannschaftsteilen, ausser vielleicht im Sturm, da sind wir gut besetzt. Genauso auf der Torhüter Position. Es wird alles gut. 

    Niemals allein. Einen schönen Tag wünscht euch allen

    Euer Harry96

  4. Vielleicht gibt dieses Spiel endlich den Impuls noch weitere Verstärkungen zu holen. Mit dieser Truppe wird es gegen den KSC die nächste kalte Dusche geben.

  5. Danke Männer für Eure Kommentare!

    Auch ich bin der Meinung, dass es überhaupt nicht die Zeit für irgendwelches Fazit ist. Entschuldigt, wenn es anders rüberkam!  

    Die Mannschaft muss immer noch zusammenwachsen. Pässe, Abläufe, kleine Tricks usw., müssen noch entwickelt und trainiert werden.

    Dafür, dass "Jung" und "Franke" später dazu gekommen sind, sind sie mehr als gut integriert. Mit "Linton", "Flo" und auch "Eddy" haben wir eine neue interessante Achse, die zum Teil sehr ansehnlich miteinander kombiniert haben. Es gibt viele positive Ansätze, worauf man bauen kann bzw. wird.

    Und ein Wort zum ersten Spiel: Ganz ehrlich, bis zum Gegentreffer (29.Min) habe ich zwei gleich starke Teams gesehen. 96 war sogar mMn mit Wille und einem guten Plan ein Tick stärker! Die individuellen Fehler hatten genauso beide Teams, aber unsere wurden zwei Mal bestraft. Mit der gelb/roten Karte (Fehler vom Trainer, denn der Junge hat praktisch drum gebettelt!) hat das Spiel dann komplett einen anderen Lauf genommen. Echt schade!

    Ja Lieber Harry96, wer denkt, die 2. Liga wäre schwach, ist auf dem Holzweg. Das gilt genauso für die 3. Liga und dafür gibt es genügend Beispiele. Arroganz ist wirklich der falsche Berater für jede Mannschaft, die ambitionierte Ziele hat.

    Wir haben noch 3 Wochen Zeit für neue Spieler und mindestens 32 Spiele für Punkte zum möglichen Aufstieg vor uns. Also wie Henrik empfohlen hat, sollen wir alle erstmal Ruhe bewahren und weiterhin gespannt sein, denn es ist ein langer Weg!

    Niemals allein! 

  6. Moin. Ich muss noch was los werden. Ne, eigentlich sind es zwei Dinge. Das erste geht Richtung Tschauni. Danke für deinen Einsatz bei den Roten. Unvergessen wird deine Kabinenansprache in Sandhausen bleiben. Auch wenn es RB Leipzig ist, so einen Vertrag, mit allen Klauseln, hast Du Dir mehr als nur verdient. Danke, und alles gute für den neuen Lebensabschnitt.

    Und nun zu unserer Legende.

    Lieber Dieter Schatzschneider, ich kann es sehr gut verstehen, dass Sie nach der MV sauer wahren. Die neue Führungsebene ist auch nicht von mir erhofft. Allerdings gehört es zu einer Demokratie, nicht nur zu verlieren, sondern den Willen der Mehrheit zu Respektieren. Von daher finde ich ihren Vereinsaustritt, ein Stück weit feige. Sie hätten doch , in den nächsten zwei Jahren, dem neuen Vorstand ect. richtig auf die Finger schauen können, und wenn es ihnen garnicht passt, alles dafür tun können, dass es wieder einen Wechsel gibt. Nun gut, verstehen kann ich ihr Verhalten nicht, aber ich kann es Respektieren. Das zweite, was ich eigentlich noch schlimmer finde, ist ihr Verhalten gegenüber unserer Profis. Auch hier gilt es die Entscheidung pro Slomka zu Respektieren. Doch Sie reagieren wie ein kleines Kind was kein Eis bekommen hat. Das, lieber Hr. Schatzschneider, ist genauso Respektlos gegenüber des Trainers, wie auch gegenüber der Mannschaft. Auch gilt für mich, ich kann dieses Verhalten überhaupt nicht verstehen, allerdings werde ich es genauso Respektieren, wie ich Sie als Mensch Respektiere. 

    Mit freundlichen Grüßen

    Harry96

  7. Harry96, das sehe ich anders. Ich finde den Schritt von Schatzschneider konsequent und richtig. Er kann sich mit dem Kurs des Vereins nicht anfreunden und zieht alle entsprechenden Konsequenzen. Damit hat er ein klares Signal gesetzt. Und wozu soll er diesem Vorstand auf die Finger schauen? Das sind alles Schlaumeier und Nieten ohne Geld und Investoren im Hintergrund. Die werden den Verein so oder so vor die Wand fahren.

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